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Valletta und Righi im Gespräch : „Wenn man Pause macht, haben die Gedanken freien Lauf“

„Wie Leben herunterfahren hoch zehn“: Model Amber Valletta über das vergangene Jahr. Bild: Amanda de Cadenet

Model Amber Valletta hat für die Marke Karl Lagerfeld eine Kollektion entworfen. Im Interview sprechen sie und Geschäftsführer Pier Paolo Righi über neue Accessoire-Linien, den Bewusstseinswandel in der Modebranche und Ziele in der Pandemie.

          2 Min.

          Amber Valletta, machen Sie uns ein bisschen neidisch: Was sehen Sie, wenn Sie aus dem Fenster schauen?

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Valletta: Ach, es ist hier in L.A. recht kühl. Ich schaue auf die Berge, und dort liegt Schnee. Es fühlt sich wie Winter an. Selbst mein Hund trägt einen Wollpullover.

          Seit den Neunzigern sind Sie als Model erfolgreich. Für die Marke Karl Lagerfeld haben Sie nun eine Kollektion entworfen, mit Handtaschen, Kreditkarten-Etuis, Masken aus Stoff. In Deutschland braucht es heute in vielen Situationen medizinische Masken. Aber gehören sie wirklich mittlerweile in eine typische Accessoire-Linie?

          Wir wollten etwas anbieten, das passt. Diese passt zur Tasche, als Set!

          Pier Paolo Righi, als Geschäftsführer von Karl Lagerfeld können Sie einschätzen, wie wichtig die Maske ist.

          Righi: Geschäftlich ist die Maske nicht wichtig. Aber sie ist ein wichtiges Symbol, dass man gut aussehen und das Richtige tun kann.

          Da wären wir beim Anspruch der Kollektion: Sie soll ökologisch so wenig wie möglich zu Buche schlagen. Bedeutet?

          Righi: Amber war über Jahrzehnte eng vertraut mit Karl. Vor einigen Jahren haben wir schon mal überlegt, eine Kollektion herauszubringen. Amber war damals weiter mit Nachhaltigkeitsbestrebungen als viele in der Branche, damit meine ich auch uns. Zu dem Zeitpunkt waren wir noch nicht bereit, anders als heute. Jetzt war es uns wichtig, die Kollektion einem Produkt zu widmen, das für Karl persönliche Bedeutung hatte: das Kissen, das er seit seiner Kindheit immer auf Reisen bei sich trug.

          Mit seinem Kissen war Karl Lagerfeld sehr nachhaltig: Er hat es sein ganzes Leben lang verwendet. Amber Valletta, gab es für Sie irgendwann eine Art Weckruf?

          Valletta: Meine Mutter hätte sich zwar nie als Aktivistin bezeichnet, aber sie gehörte zu einer Gruppe, die in den Achtzigern dazu beigetragen hat, dass bei uns in Oklahoma ein Atomkraftwerk nicht gebaut wurde. Von ihr habe ich gelernt, wie wichtig es ist, füreinander Sorge zu tragen. Das Aha-Erlebnis kam später: Ich war gerade 40 geworden und überlegte, was ich als nächstes tun wollte. Nach einer Zeit als Schauspielerin wusste ich, dass ich zurück in die Mode wollte. Dann gründete ich Master & Muse, meinen Onlinestore mit nachhaltigen Produkten. Ich wusste, dass ich nicht noch mehr Zeug herstellen wollte.

          Eine für zwei: Pier Paolo Righi, Geschäftsführer der Marke Karl Lagerfeld, und Model Amber Valletta mit ihrer Tasche für das Modehaus.
          Eine für zwei: Pier Paolo Righi, Geschäftsführer der Marke Karl Lagerfeld, und Model Amber Valletta mit ihrer Tasche für das Modehaus. : Bild: Karl Lagerfeld B.V.

          Wie weit ist die Branche heute?

          Valletta: Vor einigen Jahren klang das neu in den Ohren von Modeleuten. Heute fragen sich viele: Wie kann man Mode wiederverwenden? Wie kann man Existierendem neuen Sinn geben?

          Trägt die Pandemie dazu bei?

          Valletta: Ich denke schon. Wenn man Pause macht, haben die Gedanken freien Lauf. Wir wurden gezwungen zu pausieren, und vielleicht haben einige dabei erkannt, dass die Luft in den Städten besser ist, dass die Natur aufblüht oder man mit weniger zurechtkommt.

          Herr Righi, wie verhält man sich da als Modemarke?

          Righi: Wir erleben seit zwölf Monaten einen Bewusstseinswandel. Zuvor war es so: Lautstärke, Exklusivität, Show. Jetzt geht es viel mehr um verantwortungsbewusstes Miteinander: mit den Mitarbeitern, den Kunden und auch im Hinblick auf Umweltfragen.

          Klingt fast zu schön. Wird das ein Thema bleiben?

          Righi: Ich denke schon. Die Veränderung, Inklusion statt Exklusion, hat sich schon länger angedeutet.

          Amber Valletta, wie hat die Pandemie Ihr Leben verändert?

          Valletta: In meinem Leben gab es immer Phasen, in denen ich viel unterwegs war, und andere, in denen ich mein Leben total heruntergefahren habe. Das vergangene Jahr war wie Leben herunterfahren hoch zehn. Ich habe eine Liste mit Dingen geschrieben, die ich erreichen wollte; darauf standen Punkte wie diese Kollektion oder ein Onlinekurs in Nachhaltigkeitszielen. Aber ich versuche nicht, etwas zu machen, was ich nicht bin. Ich werde nicht den nächsten großen Roman schreiben.

          Wie ist die Laune in L.A. seit der Präsidentenwahl?

          Valletta: Wir alle fühlen uns seit den Wahlen hoffnungsvoller! Unabhängig davon, welche politische Partei an der Macht ist, ist es wichtig, dass wir sie zur Rechenschaft ziehen, um das zu tun, was für die Menschen und unseren Planeten am besten ist.

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