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Rassismus in der Mode : „Je dunkler man ist, umso schwerer hat man es“

Alpha Dia, 1992 im Senegal geboren, war schon für Prada und Dolce & Gabbana auf dem Laufsteg und ist bei der Agentur Modelwerk unter Vertrag. Bild: Alfons Kaiser

Alpha Dia ist 24 Jahre alt, Model und lebt in Hamburg. Bilder von ihm in einem Lidl-Katalog haben in Tschechien eine Flut rassistischer Kommentare ausgelöst. Er ist darüber schockiert.

          Sie haben für Lidl Werbung gemacht und damit auf der tschechischen Facebook-Seite des Konzerns einen rassistischen Shitstorm ausgelöst. Kommentatoren hetzten gegen Multikulti, fürchteten gar die „Auslöschung der weißen Rasse“. Was haben Sie gedacht, als Sie das gehört haben?

          Leonie Feuerbach

          Redakteurin im Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Solche Reaktionen im Jahr 2017: Das hat mich schon schockiert. Ich treffe selbst viele Models aus aller Welt, auch aus Tschechien. Und Prag ist eine international ausgerichtete Stadt. Wenn trotzdem so viele Tschechen die „Auslöschung der weißen Rasse“ fürchten, werden das auch einige Deutsche und Menschen in anderen Ländern der Welt so sehen. Das macht mir Angst.

          Einer der netteren Kommentare lautete: Ich erwarte in Tschechien typisch tschechische Models.

          Das macht keinen Sinn, denn Lidl zeigt die gleiche Werbung in ganz Europa. Die Bilder dafür werden unter anderem in Deutschland mit Models aus aller Welt geschossen. Ich persönlich habe aber nur positive Nachrichten bekommen. Eine Bekannte hat mir zum Beispiel geschrieben, wie sehr sie sich freut, dass endlich mal ein schwarzes Model in einem Lidl-Katalog zu sehen ist. Die negativen Kommentare waren nur auf der Facebookseite von Lidl.

          Alpha Dia im Frühling 2016 als Covermodel der Zeitschrift Indie

          Haben Sie in Deutschland schon einmal etwas Vergleichbares erlebt?

          In meinem Job ist mir so was nie passiert. Im Alltag schon eher. In der Bahn kriegt man in den letzten Jahren immer öfter unangenehme Blicke zugeworfen oder muss sich dumme Kommentare anhören. Neulich meinte einer „Jetzt geht’s auch hier schon los mit denen“, als ich in der Nähe des Hamburger Flughafens in die S-Bahn eingestiegen bin.

          Und innerhalb der Modewelt gibt es keinen Rassismus?

          Naja. Was mir zum Beispiel auffällt: Ich als ein in Deutschland lebendes Model arbeite in Paris und Mailand erfolgreicher als in Deutschland. Andere Modelkollegen werden öfter auch in Deutschland gebucht. Schwer zu sagen, woran das im Einzelfall immer liegt. Die Unternehmen selbst wollen einfach nur ihr Produkt so gut wie möglich präsentieren, gerne auch an schwarzen Models. Ich glaube aber auch, dass manche Unternehmen sich vor Shitstorms schützen wollen, indem sie nur weiße Models nehmen. Je dunkler man ist, umso schwerer hat man es da.

          Alpha Dia ist in Mailand und Paris erfolgreicher als in Deutschland. Ob das mit seiner Hautfarbe zusammenhängt, kann er nicht mit Sicherheit sagen.

          In Modezeitschriften sind die meisten Models weiß, Schminktipps beziehen sich auf weiße Haut, Frisuren auf glatte Haare.

          Ja. Ich werde zum Beispiel oft einfach nicht geschminkt, weil gar kein passendes Makeup vorhanden ist. Gerade passiert aber viel: Im Frühjahr 2016 hat ein schwarzes australisches Model, Ajak Deng, ihre Karriere beendet. Sie hatte sich auch über den Rassismus in der Modebranche geärgert. Seitdem waren ziemlich viele Schwarze auf den Laufstegen.

          Wo denn zum Beispiel?

          Etwa bei der Spring/Summer-Modeschau von Dolce & Gabbana. Da waren wir zwölf Schwarze und mindestens zehn Asiaten von insgesamt circa 90 Models. Da haben wir backstage gleich ein Foto von uns gemacht. Das war ein Statement von Dolce und wir haben uns darüber gefreut.

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