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Männermodel Alpha Dia : Nach dem Shitstorm

Alpha Dia ist in Mailand und Paris erfolgreicher als in Deutschland. Ob das mit seiner Hautfarbe zusammenhängt, kann er nicht mit Sicherheit sagen. Bild: Nici Lallemand

Als wir unsere Modestrecke fotografierten, war Alpha Dia noch unbekannt. Dann wurde er plötzlich angefeindet. Das neue Jahr hat ihn schließlich zum Star gemacht.

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          Als man ihn endlich wieder erreicht, Ende Februar, kurz vor Redaktionsschluss des Frankfurter Allgemeine Magazins, sitzt Alpha Dia im Bus von Berlin nach Hamburg. War er nicht gerade noch in New York? In Mailand? In Paris? In London? Ja, ja, ja, ja. Als Männermodel muss man flexibel sein. Da ist wirklich nichts dagegen zu sagen, dass ein junger Mann aus Hamburg, der von den ersten 55 Tagen des Jahres gerade einmal fünf Nächte im eigenen Bett geschlafen hat, jetzt auch mal wieder nach Hause fährt.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Vor Weihnachten hatten wir die Modestrecke für das Heft fotografiert. Alpha Dia reiste aus Hamburg an, wo auch seine Mutteragentur Modelwerk ihren Sitz hat. Er war schon für Prada auf dem Laufsteg und für Dolce & Gabbana. Er hatte schon für Kampagnen und für Editorials vor der Kamera gestanden. Aber bisher kannten ihn nur Freunde der Männermode, und wie viele gibt es davon schon, erst recht in Deutschland?

          Unser Chef-Stylist Markus Ebner hatte ihn gesucht und gebucht – und der Tag über den Dächern von Frankfurt verlief bei schönstem Wetter so schwerelos, wie man sich ein Shooting nur wünschen kann.

          Shitstorm nach Lidl-Kampagne

          Kaum vier Wochen später sah die Welt schon wieder anders aus. Alpha Dia, der 1992 in Senegal geboren wurde und vor 14 Jahren nach Deutschland kam, muss sich auch im Alltag immer wieder rassistische Bemerkungen wegen seiner Hautfarbe anhören.

          Am 21. Januar lief Alpha Dia für Hermès über den Laufsteg. Bilderstrecke
          Am 21. Januar lief Alpha Dia für Hermès über den Laufsteg. :

          Nun aber stand er plötzlich in der Tschechischen Republik inmitten eines Shitstorms. Er hatte für eine Lidl-Kampagne Modell gestanden. Jetzt wurde im Netz gegen ihn gehetzt, viele fürchteten Überfremdung, und einer sah gar „die Auslöschung der weißen Rasse“ heraufdämmern. Andere wiederum solidarisierten sich mit ihm, auch tschechische Minister, und er bekam sogar einen eigenen Eintrag im tschechischen Wikipedia, den er auf Facebook launig so kommentierte: „Früher meine Referate genau da kopiert und jetzt. . .“

          Größere Vielfalt in der Modewelt

          Dabei erlebt er gerade in der Modeszene eine gegenläufige Bewegung. Die Klagen, dass asiatische und schwarze Models selten gebucht werden, nehmen langsam ab. „Auf den Laufstegen herrscht mehr Vielfalt als früher“, meint Alpha Dia.

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          In Deutschland wird er zwar nicht so gut gebucht wie in Paris, New York oder Mailand. Aber das mag auch damit Zusammenhängen, dass die großen Marken schwarze oder asiatische Models ungefähr proportional zum Anteil von Schwarzen oder Asiaten an der Bevölkerung des jeweiligen Landes einsetzen.

          Auf den Laufstegen der wichtigsten Designer

          Mitte Januar begannen die Männermode-Wochen in Mailand. Schnell verflog Alpha Dias Sorge, die Modehäuser könnten ihm Kampagnenfotos für einen Discounter übelnehmen. Seine bisher erfolgreichste Saison begann. Zum dritten Mal in Folge ging er für Prada über den Laufsteg – und das heißt etwas, denn dort wechselt man die Models so schnell wie die Jacken. Außerdem Zegna, Neil Barrett, Dirk Bikkembergs, Off-White, Dries van Noten, MSGM, Hermès, Kenzo, und, und, und.

          Besonders glücklich ist Alpha Dia, dass er ein Arbeitsvisum für New York bekam. So konnte er bei der ersten Raf-Simons-Schau in New York dabei sein. Und noch wichtiger: Die Raf-Simons-Premiere als Designer bei Calvin Klein war auch die Alpha-Dia-Premiere als Model bei Calvin Klein. Noch dazu hatte er ein „exclusive“, so etwas wie ein Gütezeichen: Er durfte in der Woche für keine andere Marke über den Laufsteg gehen. Alpha, der Anfang, bedeutete also mitten in dieser wunderbaren Saison auch Omega, das Ende. Aber die Schau geht weiter.

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