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Stilikone Alexa Chung : Herself

Warum das alles wichtig ist? Weil es Alexa Chungs Ausbildung war für das, woran sie jetzt arbeitet. Künftig soll ihre Marke sie ausmachen, so wie die Olsen-Zwillinge Mary-Kate und Ashley mehr über The Row definiert werden als über alles andere.

„Irgendwann dachte ich: Das kann ich doch nicht den Rest meines Lebens machen.“ Projekte hier und da, an einem Tag als Marken-Botschafterin für Longchamp arbeiten, am nächsten für ein anderes Label bei einem Pressetag anwesend sein, dann nach Schottland fliegen, um einen Abend lang als DJ zu arbeiten, und dann bei AG nachhaken, was die Jeans machen. „Das war mein Training, das war der rote Faden.“

Alexa Chung fertigt jetzt selbst Jeans und Strick und Kleider, alles was sie zuvor in Zusammenarbeit mit Leuten gemacht hat, die sich damit auskennen. Sie arbeitet weiterhin für andere Marken, etwa für Superga, aber wenn, dann immer auf Augenhöhe: Alexa Chung für Superga. Auf Partys und Preisverleihungen trägt Alexa Chung nun Alexa Chung.

„Der Brexit macht mich sehr traurig“

Dafür zog sie zurück nach London, suchte sich einen Investor und dann einen Headhunter, um einen Geschäftsführer zu finden. Denn wenn es etwas gibt, was sie in ihrer jahrelangen Praxisausbildung nicht gelernt hat, oder was sie sich zumindest nicht zutraut, dann ist es die Fähigkeit, Zahlen zu lesen. Edwin Bodson, der zuvor bei Haider Ackermann in Paris gearbeitet hat, ist dieser Mann. Er sitzt auch beim Interview dabei, nicht als Pressebeauftragter – sondern für den Fall, dass es Fragen zu den Zahlen gibt. Oder zu dem Thema, das in diesen Tagen jeden britischen Designer stärker beschäftigt als die nächste Kollektion: zum Brexit.

Da hilft auch kein üppiges Investitionspolster. „Der Brexit macht mich sehr traurig, er ist immer im Hinterkopf, es steht ja jeden Tag etwas dazu in der Zeitung“, sagt Alexa Chung. „Der Ausstieg wird auf jeden Fall einen Einfluss auf unser Team haben. Vielleicht nicht sofort, aber wenn die Leute nicht mehr nach Großbritannien ziehen, werden wir das zu spüren bekommen.“ Das britische Ausbildungssystem mit den vielen Kunsthochschulen wie dem Royal College of Art, dem London College of Fashion oder dem Central Saint Martins College hat diese Stadt schließlich auch in Sachen Mode zu einem Sammelbecken junger Talente aus aller Welt gemacht.

Gold in Gold: Diese Schuhe, von Alexa Chung entworfen, wurden ebenfalls in London präsentiert.

An 150 Händler verkauft die Marke Alexa Chung mittlerweile. Vieles wird direkt über den Alexa-Chung-Online-Store abgewickelt. Längst nicht alles wird direkt aus Großbritannien geliefert. Edwin Bodsons Einfall, um sich langfristig vor den Folgen des Brexits zu schützen, war ein zweites Warenlager auf europäischem Boden, in den Niederlanden. „Ein Großteil unserer Artikel geht mittlerweile dorthin“, sagt der Geschäftsführer. „Und wie auch immer der Austritt am Ende aussehen wird: So sind wir weniger abhängig von dem einen Standort.“

Es braucht Mut, mit einem eigenen Label zu beginnen. Bei Alexa Chung fiel die Gründung auf das Jahr 2016, in dem das Brexit-Referendum stattfand. Und das alles in London! Denkbar schlechte Umstände. Sie hätte es auch bleiben lassen können. „Aber es war mir wichtig, mein eigenes Ding zu machen und mich nicht mehr darauf zu verlassen, dass mich andere Leute anrufen“, sagt sie. „Das habe ich gemacht, seit ich 16 Jahre alt war. Es war einfach Zeit für mich, ein eigenes Dach zu bauen, unter dem ich leben und als Frau altern kann.“ Auch eine Stilikone ist nicht frei von Zukunftsängsten. „Ich wollte die Kontrolle über mein Schicksal gewinnen.“

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