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Stilikone Alexa Chung : Herself

Natürlich hilft ihr in der Modebranche, die nicht gerade boomt, der Promi-Bonus. Kanye West, die Olsen-Zwillinge, Victoria Beckham, Gwyneth Paltrow, Reese Witherspoon – sie alle machen seit einigen Jahren erfolgreich irgendwas mit Lifestyle. „Andererseits“, sagt Alexa Chung, „stehen dagegen Hunderte Prominente, die das nicht tun. Nur weil man berühmt ist, heißt das nicht, dass man auch Designer sein kann, wobei das ja schon selten genug ist.

Viele haben vielleicht einen Sinn fürs Geschäft. Aber wer ist denn dazu noch so besessen von Style, dass er das zum Beruf machen möchte? Und wenn es so ist, braucht es für so ein Vorhaben immer noch starke Nerven. Ich kann Ihnen meinen Kalender zeigen, der ist voll. Ich bin jeden Tag im Büro, verbringe vielleicht drei Stunden mit Fittings, arbeite danach eine Stunde an den Verpackungen, schaue mir unsere Strickware an und habe dann noch eine Schuhkonferenz.“

Alexa Chung holt ihr Handy raus und öffnet Whatsapp. In einer Gruppe suchen sie Anregungen für kommende Kollektionen. „Wir hatten gerade Kuh- oder Hirsch-Motive geplant, das können wir jetzt nicht mehr machen, weil Burberry was in der Richtung hatte.“

Die Autodidaktin

Viel Erfahrung und gute Kontakte helfen natürlich dabei, ein Modelabel zu gründen. Als Prominente hat man es noch mal leichter. Alexa Chungs Freunde heißen Christopher Kane und Erdem Moralioglu, das sind zwei der besten Designer der Stadt. „Das mag ich an London“, sagt Alexa Chung. „Alle sind nett zueinander, es gibt keinen Zickenkrieg.“ Man schickt sich gegenseitig Blumen, und sie besucht weiter die Modenschauen anderer Designer.

Schuhe aus der Modelinie von Alexa Chung

Bittet sie dort hin und wieder auch um Hilfe? Victoria Beckham hatte in den ersten Jahren als Designerin Unterstützung von Roland Mouret, er war vor einem Jahrzehnt einer der wichtigsten Londoner Designer, vor allem wegen seines Galaxy-Dresses. Es dauerte aber nicht lange, bis das ehemalige Spice Girl über ihn hinausgewachsen war. „Nicht dass sie nicht daran interessiert wären mir zu helfen“, sagt Alexa Chung. „Sie sagen oft: ,Hey, wenn du mal einen guten Schnittmacher suchst, sag Bescheid.' Was sie machen, finde ich großartig. Aber ich mache es dann doch anders. Daher frage ich sie nicht um Hilfe.“

Sie hat nie eine Modeschule besucht, aber die Schule des Lebens. Sie wuchs in Hampshire auf, in einem der home counties, in denen es ruhig und ländlich zugeht, die aber trotzdem nicht weit von London entfernt sind. Im Alter von 16 Jahren wurde sie entdeckt, bei einem Musikfestival in Reading. Ein paar Jahre lang arbeitete sie als Model, dann moderierte sie im britischen Fernsehen. Im Jahr 2009 zog sie nach New York und bekam dort eine eigene Sendung bei MTV: „It's on with Alexa Chung“.

Sieben Jahre blieb sie dort. Mit der Zeit arbeitete sie mit Modemarken auf beiden Seiten des Atlantiks immer enger zusammen. 2010 widmete ihr die Marke Mulberry eine Handtasche, die Alexa Bag. Im selben Jahr begann sie, mit dem amerikanischen Label J.Crew gemeinsame Sache zu machen. „Ich war dort zu der Zeit noch recht unbekannt.

Ihre Kleider entsprechen dem Alexa-Chung-Stil, sehen ein bisschen so aus, als wären sie 30 oder 40 Jahre alt und trotzdem wieder modern, und haben zugleich etwas Maskulines

Immer auf Augenhöhe

Wir sind einfach in einen Bus gestiegen und quer durch Amerika gefahren, mit Pop-up-Stores an allen möglichen Orten. Da habe ich erst verstanden, welche Bedeutung die sozialen Medien und auch persönliche Auftritte haben können.“ 2015 entwarf sie Jeans für das italienische Label AG. „Es ging darum, was bei Jeans technisch möglich ist, wie ein paar Millimeter mehr oder weniger die Silhouette verändern.“ Damals steckte sie schon tief drin im Atelierbetrieb eines Unternehmens. „Es gab da kein großes Team, umso mehr Verantwortung hatte ich.“ Es folgte eine Kollektion mit Marks & Spencer, da ging es dann eher um den Einzelhandel in Fußgängerzonen.

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