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New Yorker Fashionweek : Die nächste Saison ist eine Fiktion

  • -Aktualisiert am
Wer guckt da so schräg? David Beckham besieht die Kollektion von seiner Ehefrau, Victoria Beckham. Bilderstrecke

Ein Trend immerhin ist auch in New York zu erkennen: sozialkritische Mode. Gibt es das wirklich noch, mode engagée? Ja, zumindest bei einem belgischen Designer: Für seine Kollektion unter eigenem Namen hat Raf Simons harte Drogen zum Thema gemacht – und dabei ausgerechnet an Berlin gedacht, nämlich an Christiane F. und ihren Bestseller „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Simons zeigte (und trug!) ein T-Shirt mit dem Foto der Schauspielerin Natja Brunckhorst, die Christiane F. in Uli Edels Buchverfilmung aus dem Jahr 1981 spielte. Der Fünfzigjährige, der in Neerpelt im Norden von Belgien aufwuchs, nicht weit entfernt von der deutschen Grenze, nennt Christiane F. eine „Anti-Heldin“. Hoffentlich war das alles nicht als Kommentar zu seinem Zweitjob bei Calvin Klein gedacht (der eigentlich sein erster Job ist, bei einem Jahresgehalt von angeblich 20 Millionen Dollar). Denn Calvin Klein und Rauschgift – da war doch was? Ja, nach der Marke wurde sogar schon eine Droge benannt: Cocaine und Ketamin ergeben CK.

Und wie viel CK muss man genommen haben, um Philipp Plein zu lieben? Also nicht den Designer, der in wenigen Tagen 40 Jahre alt wird, denn der ist ein guter Typ, sondern seine überaus berauschte Mode. Dazu muss man wissen, dass in Amerika der Erfolg zählt, nicht unbedingt das Stilgefühl – französische Moderedakteurinnen machen sich gerne über den steifleinernen Auftritt ihrer amerikanischen Kolleginnen lustig. Kein Wunder also, dass Plein nun in New York lebt. Hier hat er viele Kunden, hier wird er nicht hämisch kritisiert wie in Deutschland, sondern für seinen Erfolg geliebt.

Noch größer geht es kaum. Vielleicht nur bei den Sportartikelherstellern. Adidas Originals hat zur Modewoche die Entwürfe der 23 Jahre alten Amsterdamerin Daniëlle Cathari präsentiert. Mit einer kleinen „Capsule“-Kollektion kann ein solcher Konzern nicht viel falsch machen, die bunten Entwürfe sind instagramfähig, also zukunftsgerecht, und mit Kendall Jenner als Werbegesicht wird schon nichts schiefgehen. Die Zusammenarbeit zeigt auch, dass das Thema „collaborations“ weitergeht – bei Adidas offenbar nicht nur mit Größen wie Pharrell Williams oder Stella McCartney, sondern eben auch mit einer 23 Jahre alten Designschülerin.

Und apropos Herzogenaurach: Rechtzeitig zur Modewoche zeigen Franzosen und Deutsche den Amerikanern, wie das auch gehen kann mit dem Erfolg. Der französische Kering-Konzern hat, wie am Dienstag bekannt wurde, vergangenes Jahr vor allem dank Gucci um 25 Prozent auf knapp 15,5 Milliarden Euro Umsatz zugelegt; und die Kering-Marke Puma hat erstmals mehr als vier Milliarden Euro umgesetzt. Vier Milliarden! Das lässt nicht nur die Nachbarn von Adidas neugierig werden. Die Nachricht war am Dienstag auch das Gespräch unter Modemanagern und Designern in New York. Denn da machte man zuletzt vor allem mit schlechten Nachrichten auf sich aufmerksam. Marc Jacobs muss viele Filialen schließen und bekommt von seinem Mehrheitseigner LVMH einen Designer zur Seite gestellt. Auch in den Büros von Ralph Lauren wird man über die unglaublichen Kering-Zahlen geredet haben – zum Glück stehen dort überall Schalen mit M&Ms herum, der Lieblings-Nervennahrung des obersten Chefs.

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Auch nach der Modewoche geht es weiter mit der Mode. Das Metropolitan Museum wird unter dem Titel „Heavenly Bodies: Fashion and the Catholic Imagination“ vom 10. Mai bis zum 8. Oktober im Hauptgebäude sowie in den „Met Cloisters“ sakrale Kunst und weltliche Mode gegenüberstellen. Von Cristóbal Balenciaga über Elsa Schiaparelli bis John Galliano werden viele Stücke von Modemachern zu sehen sein. Für die meisten ist die Met-Gala zur Eröffnung mit all den Stars aber das größte Spektakel. Schließlich kommt es in New York noch immer auf die große Show an.

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