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Aino Laberenz : Mal kein Stress für Strenesse

Diese Frau brilliert in vielen Rollen – als Kostümbildnerin, als Afrika-Helferin und nun auch als Kampagnengesicht der Marke Strenesse. Aber in ihrem neuesten Kostüm überrascht Aino Laberenz sogar sich selbst.

          Aino Laberenz ist nun nicht mehr nur Kostümbildnerin, nicht mehr nur engagierte Afrika-Helferin, nicht mehr nur Stil-Ikone für Fans der Berliner Mode. Nein, sie ist nun auch Kampagnengesicht der Marke Strenesse. „Ich bin weder Schauspieler noch Model“, sagt sie dazu bescheiden. Aber genau das war ihr Vorteil: „Bei Strenesse war man an einem anderen Typ Frau interessiert. Als man bei mir anfragte, hat man gleich nach dem Operndorf in Burkina Faso gefragt. Auch deshalb habe ich zugesagt.“

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Nicht, dass der Dreiunddreißigjährigen die Rolle neu gewesen wäre. Sie war schon in Modestrecken und auf Covern zu sehen. Aber sich für eine Marke auf Bildern in den Läden und auf Anzeigenmotiven in Zeitschriften herzugeben, das muss man sich mehrmals überlegen, wenn man keine weiße Leinwand ist wie ein professionelles Model. „Auch wenn ich die Marke schätze, habe ich mich vor der Kooperation gefragt, wie die Kollektion aussieht, wo sie gefertigt wird und ob sie zu meinem Stil passt.“ Vermutlich gehörte dazu auch die Frage, die sie nun im Gespräch lächelnd verschweigt, ob die Marke überhaupt eine Zukunft hat.

          Denn Strenesse hat weiter zu kämpfen. Im November verließ Luca Strehle den Vorstand und wechselte in den Aufsichtsrat. Ob Investoren ernsthaftes Interesse zeigen, ist trotz der Loslösung von der Gründerfamilie unklar. Strenesse-Designerin Natalie Acatrini sieht sich nun Zahlenmenschen gegenüber, während sich Luca Strehle mit Hingabe um seine kleine Tochter kümmert.

          Zierlich und doch tough

          Wie auch immer: Bei einem Shooting über den Dächern von Kopenhagen hielt Aino Laberenz für die Marke den Kopf hin. Die Mode jedenfalls gefällt ihr ganz offensichtlich: Sie trägt zum Interview eine Strenesse-Lederjacke, in der sie umwerfend aussieht, weil sie zierlich bleibt und doch ziemlich tough wirkt. Und sie ist entspannt, obwohl am 28. Februar am Schauspiel Stuttgart die Bühnenfassung des Dostojewski-Romans „Der Idiot“ Premiere feiert, für die sie die Kostüme entworfen hat. Aber was heißt schon „Kostüme“?

          Das Modelabel Strenesse hatte es zuletzt nicht leicht.

          „Ich entwerfe Charaktere“, sagt sie, „die übers Kostüm sichtbar werden. Und den Schauspieler nicht verkleiden.“ Da erkennt man einen Anspruch, den die Berliner Allround-Künstlerin auch in ihrer wichtigsten Mission an sich stellt. Vor fast fünf Jahren starb ihr Mann Christoph Schlingensief im Alter von nur 49 Jahren. Seitdem arbeitet sie am Vermächtnis des Regisseurs, Autors und Künstlers, vor allem als Geschäftsführerin der „Festspielhaus Afrika gGmbh“.

          „Als ich anfing, stand da nichts. Jetzt gibt es eine Krankenstation und eine Schule für 200 Kinder. Nun plane ich ein Residenzprogramm für Künstler.“ Denn sie will auch das Bild von Afrika verändern. Dass man die afrikanische Kunst- und Filmszene hier in Europa nicht ernst nimmt – das ist das einzige Thema im Gespräch, über das sie sich in Rage reden kann. Ihre Rolle will sie nicht überhöhen: „Mal ein Dinner, mal eine Auktion, und für Strenesse werde ich ein T-Shirt entwerfen; ein Teil des Erlöses kommt dem Opernhaus Afrika zugute.“ Aber schon die Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Partnern in Burkina Faso zeigt, dass sie so energisch wie diplomatisch vorgehen muss. Drei, vier Mal im Jahr fliegt sie hin, das nächste Mal im März.

          Unklar, wie sie das alles schafft. Vielleicht verkleidet sie ihre Stärke einfach nur als Zerbrechlichkeit.

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