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Karlikatur zu Heiligabend : Ölkrise an der Krippe

„Lieber Josef, glaubst du, die drei Könige kommen noch?“ Bild: Karl Lagerfeld

Karl Lagerfeld hat für uns eine weihnachtliche Szene gezeichnet. Zum Stall von Bethlehem pilgern drei Könige mit Kanistern: Vielleicht hilft ja die Werbung fürs „schwarze Gold“ gegen den Verfall des Ölpreises.

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          Die meisten Menschen haben zum Ende des Jahres frei – Karl Lagerfeld arbeitet einfach weiter. „Ferien sind für Büroangestellte“, sagte der Modeschöpfer vor gut zwei Wochen nach seiner Salzburger Chanel-Modenschau. „Ich arbeite lieber: Appetit kommt beim Essen, Ideen kommen beim Arbeiten. La lutte continue!“ Der Kampf geht für Lagerfeld also auch in den ruhigen Tagen weiter. An Weihnachten, so kündigte er an, werde er die Couture-Schau im Januar vorbereiten – und seine Bibliothek aufräumen.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Vorher hat er sich aber noch einmal hingesetzt, um für die Weihnachtsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine „Karlikatur“ zu zeichnen, die aktuelle internationale Politik in die besinnliche Stimmung bringt. „Lieber Josef, glaubst Du, die drei Könige kommen noch?“ So lässt unser Zeichner im Stall zu Bethlehem die Mutter Jesu fragen. Josef muss sich gar nicht umdrehen: „Ja“, antwortet er in dieser neuen Version der Weihnachtsgeschichte auf Marias bange Frage, „die Ölpreise sind heruntergegangen. Die müssen für das schwarze Gold werben.“

          Der Karikaturist Lagerfeld ist dank seiner Bücherlektüre so gut informiert über die Kulturgeschichte wie dank seiner täglichen Zeitungslektüre über die aktuelle Politik – und macht sich einen Spaß daraus, die emblematische Szene durch ein Accessoire zu brechen. Einer der Könige hat einen Kanister Öl dabei statt richtigen Goldes: Die Halbierung des Ölpreises in nur einem halben Jahr scheint die arabische Welt zu verzweifelten Marketingaktionen anzuregen. Kleiner Scherz am Rande: Einer der Öl-Scheichs, die dem Heiland huldigen, sieht doch glatt so aus wie Barack Obama.

          Eine weitere Pointe in der Zeichnung des Designers erschließt sich Modekennern. In der Chanel-Resort-Kollektion, die Lagerfeld im März in Dubai dem solventen Publikum des Mittleren Ostens präsentierte, gab es schon Chanel-Handtaschen in Kanisterform – so wie der Chanel-Chefdesigner stets aktuelle und landestypische Anspielungen in seine Entwürfe einfließen lässt. Die Taschen waren beim ölverwöhnten Publikum der Renner. Mit seiner „Karlikatur“ zum Jahresende zeichnet Lagerfeld also auch eine seiner originellsten Ideen des Jahres nach. Den Verfall des Ölpreises wird er vermutlich so oder so nicht aufhalten.

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