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Lagerfelds Karlikatur : Recep Tayyip Erdoğan als Sultan

Bild: Karl Lagerfeld

Für Karl Lagerfeld ist der Fall klar: Außenpolitisch zunehmend isoliert, sehnt sich Erdoğan zurück nach dem Glanz vergangener Zeiten. Einen prächtigen Palast hat er ja schon. Nur sieht sein osmanisches Reich derzeit ziemlich klein aus.

          Jeder ist einmal an der Reihe. In seinen „Karlikaturen“ hat Karl Lagerfeld von Angela Merkel bis François Hollande und von Barack Obama bis Marine Le Pen schon viele Politiker karikiert. Zuletzt war David Cameron an der Reihe, der vor lauter Freude über das siegreiche Referendum wie ein Schuljunge im Schottenröckchen tanzte.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Nun wendet sich unser Zeichner wieder einem aktuellen politischen Thema zu, das die Menschen wegen des schrecklichen Kampfes um die Stadt Kobane in Atem hält. Lagerfeld sieht den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğanin der Rolle eines Sultans aus längst vergangenen Zeiten.

          Wie Süleyman der Prächtige glaubt er, über die halbe Welt zu herrschen. Der pelzverbrämte Kaftan, der mächtige Krummdolch in der Schärpe, der schmuckverzierte Turban und der Finger, der sich nach oben reckt wie das Minarett der Hagia Sophia, zeigen die Richtlinienkompetenz des Herrschers. Das ist in doppelter Hinsicht eine böse Pointe: Denn der allmächtige Herrscher bringt sich mit seiner Weigerung, den bedrängten kurdischen Verteidigern von Kobane Hilfe zukommen zu lassen, um seine Macht in der Region. Das Osmanische Reich sieht gerade ziemlich klein aus.

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