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100 Jahre Otl Aicher : Er gestaltete den Wiederaufbau

Otl Aicher in seinem Atelier im Jahr 1953. Bild: dpa

Otl Aicher wäre an diesem Freitag 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass zeigt das Museum Ulm eine Ausstellung mit einer Auswahl von 100 Plakaten des Grafikdesigners.

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          Politisch war er immer und bis zuletzt – die Zeit des Nationalsozialismus hatte ihn geprägt. Auch weil Otl Aicher, der eigentlich Otto hieß, widerständig war, er schon 1937 mit gerade einmal 15 Jahren verhaftet worden war, nachdem er in Berlin eine „entartete“ Ausstellung besucht hatte. Zwei Jahre später lernte er über seinen Klassenkameraden Werner Scholl seine spätere Frau Inge kennen, die älteste Schwester von Hans und Sophie Scholl. Mit ihr zusammen prägte er nach dem Krieg maßgeblich das Bild der beiden Geschwister, die als Mitglieder der Weißen Rose im Februar 1943 in München hingerichtet worden waren. Nach dem Krieg bekam Otl Aicher auch erst sein Abiturzeugnis ausgehändigt, was ihm die Nazis zuvor verweigert hatten, weil er sich keiner ihrer Organisationen, etwa der Hitlerjugend, anschließen wollte.

          Peter-Philipp Schmitt
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Dann aber machte er schnell als Grafikdesigner Karriere, gründete unter anderem in Ulm 1946 erst die Volkshochschule mit, sieben Jahre später dann die berühmte Hochschule für Gestaltung, die HfG Ulm. Ihm genauso wie Inge Aicher-Scholl, der ersten Leiterin der „vh Ulm“, ging es vor allem darum, die Menschen aufzuklären. Über das „Dritte Reich“. Es wurde ein Ort der geistigen Neuorientierung, eine Art Hochschule für Politik, so wie es später auch die HfG Ulm werden sollte, mit Studenten aus aller Welt, die ästhetische Defizite beheben und dazu beitragen sollten, dass in Deutschland eine friedliche, demokratische und freie Gesellschaft entstehen konnte.

          Der frühe Aicher: Plakat für die Volkshochschule Ulm, 1948-49
          Der frühe Aicher: Plakat für die Volkshochschule Ulm, 1948-49 : Bild: Florian Aicher HfG-Archiv Museum Ulm

          „Man zeigt sich so, wie man ist“

          Aicher war in vieler Hinsicht der Kopf dieser Ideen und auch ihr Gestalter. Hunderte Plakate entwarf er alleine in den ersten Jahren für die „vh Ulm“, etwa zum Thema „Wiederaufbau“. In seinem Grafikbüro in Ulm, dem „studio o“, entwickelte er aber auch das Erscheinungsbild von Unternehmen wie der Lufthansa und von Veranstaltungen wie den Olympischen Spielen in München 1972. Mit Mitte 40 wurde Aicher 1967 zum Gestaltungsbeauftragten des Großereignisses ernannt. Sein Leitsatz: „Man ist so, wie man sich zeigt, und man zeigt sich so, wie man ist.“

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          Sein Designanspruch war umfassend, eigens von ihm gestaltet für die Spiele wurde alles – von den Uniformen der Ordnungskräfte über die Programmhefte und Plakate bis hin zu den Parkscheinen. Besonders bekannt bis heute: seine Piktogramme zu den einzelnen Sportarten. Mit 69 Jahren starb Aicher 1991 auf makabre Weise: beim Rasenmähen, als er auf seinem Traktor rückwärtsfahrend mit einem Motorradfahrer kollidierte.

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