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Männermagazine : Meine Herren, was für Kerle!

Die Titelseiten des Monats sehen Sie an. Bild: Frank Röth

Grizzlys, Rockstars und Narzissten: Es muss nicht immer die barbusige Schönheit sein. Ein Ausflug in die wunderbare Welt der Männermagazine.

          6 Min.

          Männer sind seit jeher die Sorgenkinder der Druckerzeugnishersteller. Die Kerle lesen einfach viel weniger als Frauen - kaum Bücher, kaum Zeitschriften, und wenn, dann meist dubios anmutende Publikationen für abseitig Interessierte namens „Kicker“, „Auto-Bild Allrad“ oder „Manager-Magazin“. Daneben halten sich jedoch tapfer ein paar Hefte, die sich regelmäßig bemühen, das Wesen Mann ganz zu erfassen: die sogenannten Männerzeitschriften, früher auch als Herrenmagazine bekannt. Allerdings haftet jenem Begriff, dem seriösen „Herrn“ zum Trotze, heute ein leicht verschwitzt-frivoler Klang an. Er scheint ähnlich aus der Zeit gefallen wie das gute alte Herrengedeck.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist noch gar nicht lange her, da ließen sich die heterosexuell orientierten Männerzeitschriften grob in zwei Kategorien einteilen: solche mit einer Frau vorne drauf und solche mit einem Mann. Der Mann war meist angezogen, die Frau eher nicht. Hefte wie „Men’s Health“ haben diese Grenze eingerissen, sie entblößen lieber eine Männer- als eine Frauenbrust. Heutzutage herrscht auf den Titelseiten der Männermagazine die neue Unübersichtlichkeit: Es tummeln sich Frauen und Männer, Männer ohne oder mit Kleidern, ohne oder mit Bart, in dem dann gern auch Eiszapfen hängen dürfen. Manchmal findet sich auf dem Cover auch nur ein saftiges Stück Fleisch, nicht von Frau oder Mann, sondern vom Rindviech. Meine Herren, wer soll das alles lesen? Der verantwortliche Redakteur dieses Magazins war der Meinung: wir.

          Ein Magazin im Wert von einem Kilo Rinderhack

          Wir kämpfen uns ja schon Woche für Woche durch einen Stapel bunter (Frauen-)Hefte, um die „Herzblatt-Geschichten“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zu schreiben, da kommt es auf zwei, drei Zeitschriften mehr auch nicht an. Oder auf zehn. So viele Titel haben wir vom Kiosk ins Büro geschleppt und dabei festgestellt, dass Männerzeitschriften nicht nur teurer sind als Frauenzeitschriften, sondern auch schwerer - was logisch ist: Männer sind nun mal körperlich stärker als Frauen, und leider Gottes verdienen sie im Durchschnitt noch immer mehr. Das teuerste Heft, das Fleischeslustblatt „Beef!“, kostet satte zehn Euro. Dafür kriegt man beim Metzger bestimmt ein gutes Kilo Rinderhack.

          „Für Männer mit Geschmack“ ist „Beef!“ gedacht, und der sollte möglichst nicht vegan sein. Gut, es gibt auch 24 Seiten über Brote, doch im Grunde dreht sich hier, und zwar manchmal auch am Spieß, alles ums Fleisch in sämtlichen Lebensformen. Man preist „Wildsaunacken mit Maronen“ oder „Elchunterschale in Cranberry-Sud“ und fragt sich: „Wie schmeckt eigentlich ... Lama?“ (“Nächste Folge: Flughund“). Wer nicht nur Jäger, sondern auch Sammler ist, freut sich vielleicht über ein „Grilled Bacon and Cheese Sweatshirt“ mit kalorienreichem Aufdruck, auf dem auch Fettflecken nicht so arg auffallen dürften.

          Wem das alles zu proteinhaltig ist, den beruhigt die „Beef!“-Redaktion: „40 mg Vitamin C sind durchschnittlich in 100 Gramm Salami enthalten. Mehr als in Äpfeln.“ Eine Salami am Tag hält den Doktor fern? Bei aller Völlerei verliert „Beef!“ jene nicht aus dem Blick, die hinterher spülen müssen - und lässt fünf Tellerwäscher, die meisten von ihnen Afrikaner, ihre abenteuerlichen Lebensgeschichten erzählen. Eher im eigenen Saft schmort man in der Rubrik „Ein Mann und seine Küche“, wo der Chefredakteur von „Dogs“ besucht wird, ebenfalls ein Heft von Gruner + Jahr. Sollte der Chefredakteur von „Beef!“ einen Hund haben, wird er sicher bald in „Dogs“ porträtiert.

          Topmeldungen

          Bei den Maßnahmen geht auch um eine Autokaufprämie.

          Treffen am Nachmittag : Gräben vor dem Konjunktur-Gipfel

          Am Nachmittag treffen sich die Koalitionsspitzen, um über milliardenschwere Konjunkturmaßnahmen zu entscheiden. Zankäpfel sind Kaufprämien für Autos und Schuldenhilfe für Kommunen. Aber auch andere Wünsche haben es in sich.
          Prunkvoll: Die Kirche Sankt Pirmin thront über dem Schlossplatz in Pirmasens.

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          In keiner anderen Stadt sind die Schulden pro Kopf so hoch: In Pirmasens hofft man auf den Scholz-Plan zur finanziellen Stützung von Kommunen – auch wenn es massiven Widerstand gibt.

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