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Männermagazine : Meine Herren, was für Kerle!

Fleischkonsum in exorbitantem Ausmaß ist auch im aktuellen Heft von „Business Punk“ ein Thema, und zwar als Geschäftsmodell. Die Redaktion hat den „Heart Attack Grill“ in Las Vegas besucht, zu dessen Spezialitäten frittierte Fleisch-Sticks zählen, die man in einen Milchshake taucht, in dem stattliche Butterstücke schwimmen. Das Konzept des Lokals besteht laut „Business Punk“ darin, via Schocktherapie seine fettleibigen Gäste von ihrer Fresssucht zu befreien. Man kann freilich auch ganz ohne Schock dort fressen, wenn wir es richtig verstanden haben - was aber nicht sicher ist, weil wir nicht unbedingt zu den „lässigen Zukunftspatrioten“ zählen, die das Heft als „Zielleserschaft“ angibt. Wir haben schon Probleme, die bisweilen extrem mickrige Typo zu entziffern.

Rütteln an den Grundfesten der Männlichkeit

Auch hätten wir auf dem Cover Bonin Bough nicht erkannt, den „Rockstar des Digitalmarketings“, und all die anderen Werber, Startupper und Videofilmer, von denen „Business Punk“ berichtet. Zu den wenigen uns bekannten Gesichtern zählen Joaquin Phoenix und die offenbar ziemlich geschäftstüchtige Katze Choupette des Modebusiness-Punks Karl Lagerfeld.

Phoenix hat auch „GQ“ ein Interview gegeben. Coverboy jedoch ist Schauspielkollege James Franco, der seinen Bizeps enthüllt, was bei ihm wohl ironisch zu verstehen ist - schreibt der Yale-Student doch gerade an seiner Dissertation über „Queer Theory“, was er seinem Interviewer von „GQ“ wie folgt übersetzt: „Wir untersuchen die Darstellungen von schwulen, lesbischen, transsexuellen und anderen nichttraditionellen sexuellen Orientierungen in Film und Literatur.“ „GQ“ rüttelt tollkühn an den Grundfesten traditioneller Männlichkeit, schickt einen Reporter zu den Speerspitzen des Gender Mainstreaming, druckt Rezepte wie „Mandelgraupenbrei mit Früchtekompott“ - nimm das, „Beef!“ - und lässt den sanften Rainer Langhans ein Hohelied aufs Internet singen: „Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit gibt es eine Milliarde Freunde auf der Welt. Und diese Freunde werden keinen Krieg führen, wenn sie alles Wissen teilen.“ Bleiben bei sieben Milliarden Erdbewohnern allerdings sechs Milliarden, die nicht befreundet sind. Schwierig. Als Antipode des Apo-Opi-Utopisten darf Matthias Sammer gelten, der als Bayern-München-Kampfschwein nicht nur Freund und Feind klar zu trennen weiß, sondern auch Mann und Weib: „Wir sollten auf die Natur der Menschen hören“, erklärt Sammer im „GQ“-Interview. „Wenn ich nicht das Geld verdienen und meine Frau die Kinder erziehen würde - das wäre eine Katastrophe. Weil ich da nicht die Qualität meiner Frau habe.“ Nimm das, Gender Mainstreaming!

Mit mehr Muskeln wäre Sammer insofern ein idealer Cover-Kandidat für „Men’s Health“, wo das Männerbild noch intakt ist. Für schwächelnde Geister ist kein Platz in den gesunden Körpern, die das Narzissten-Zentralorgan zelebriert. „Es macht mich wahnsinnig stolz, mit einem so tollen Team ein so starkes Heft zu produzieren, das so viele Menschen inspiriert, ihr Leben zu verbessern!“, schreibt der Chefredakteur im Editorial, und man meint als Echo ein „Tschakka!“ zu hören. Neben Qualen sollte der „Men’s Health“-Leser auch Zahlen schätzen (“10 Forever-Young-Tricks“, „4 x 4 Lebensmittel, die Sie brauchen“, „84 neue Wampe-weg-Tricks“). Und er dürfte, anders als wir, längst wissen, dass mit den „10 Burpees“, die man gleich nach dem Aufstehen machen sollte, keine Rülpser gemeint sind.

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