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In Gold We Trust

Text und Fotos von INSA HAGEMANN und STEFAN FINGER

04. Dezember 2022 · Noch immer suchen in Kalifornien einige Unverdrossene nach Gold. Am San Gabriel River bei Los Angeles gräbt und wäscht Kenny. Manchmal steigt er dafür auch in dunkle Höhlen.

Wenn Kenny einmal der Goldrausch gepackt hat, ist er nicht mehr zu halten. Andere Goldgräber nennen ihn „die Maschine“, weil er ohne Pause stundenlang nach Gold graben kann.
Wenn Kenny einmal der Goldrausch gepackt hat, ist er nicht mehr zu halten. Andere Goldgräber nennen ihn „die Maschine“, weil er ohne Pause stundenlang nach Gold graben kann.
Kenny geht den steilen Berg hoch, als wäre es ein Sonntagsspaziergang. Dabei könnte ein falscher Schritt dazu führen, dass er den ganzen Hang am San Gabriel River hinabrutscht. Immer wieder zeigt er auf giftige Pflanzen, die man besser nicht berühren sollte. Kenny ist auf dem Weg zu einer Driftmine, einer Goldmine, die schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Berg hineingegraben wurde. Früher waren die Wege und die Minen hier befestigt, vor der großen Flut von 1938, die in einer Woche so viel Wasser in die Berge spülte wie sonst in einem ganzen Jahr. Die Flut und der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs setzten dem unternehmerischen Goldabbau am San Gabriel River ein jähes Ende. Zu teuer wäre es gewesen, die zerstörten Strecken und Minen wieder instandzusetzen. Bis weit in die Dreißigerjahre wurde an der Ostgabelung des San Gabriel River, nur etwa eine Autostunde von Downtown Los Angeles entfernt, im großen Stil Gold abgebaut. Dann verschwanden die Arbeiter – das Gold aber blieb. „Der Ort ist voll mit Gold“, sagt Kenny, der hier als Achtjähriger zum ersten Mal Gold fand. Fast ein halbes Jahrhundert später hat er seinen Beruf als Maurer aufgegeben. Seitdem lebt er für und vom Gold. Der seit einigen Jahren steigende Goldpreis befeuert den Goldrausch, der auch Hobbysucher anlockt – obwohl das Los Angeles County einen abermaligen Goldrausch im „Golden State“ kritisch sieht.

Damals war Kenny mit den Pfadfindern zum ersten Mal am San Gabriel River. Sie gaben ihm seine erste Pfanne und Schaufel in die Hand. Damit sollte er im Fluss nach Gold suchen. Und er hatte Glück. „Ich dachte, die verarschen mich. Ich hatte keine Ahnung, was ich da tat, und hatte Gold gefunden.“ Von diesem Moment an ließ ihn das Gold nicht mehr los.

Kenny bleibt am Eingang der Mine stehen, um die Geschichte greifbar zu machen. Hineingehen sollte man besser nicht: „Zu gefährlich.“ Eine Goldwaschrinne, eine Spitzhacke und ein paar Rohre liegen im Eingang, als machte ihr Besitzer nur eben eine Pause. Der Goldsucher, der hier gegraben hat, ist ein Freund von Kenny. „Ich habe ihm immer gesagt, dass er das lassen soll. Das ist lebensgefährlich hier. Die Mine kann jederzeit einstürzen.“ Sein Freund ließ sich nicht umstimmen, fand immer wieder Gold und versuchte, eine Genehmigung zu bekommen, um hier offiziell nach Gold graben zu dürfen. Seitdem haben die Ranger dafür gesorgt, dass er nicht mehr nach Gold suchen kann: Sie hätten ihm immer wieder Strafzettel geschrieben.

Kenny im Eingang der Driftmine am San Gabriel River
Kenny im Eingang der Driftmine am San Gabriel River
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