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Londoner Modewoche : Der Dufflecoat trägt Paisley

Designerin Mary Katrantzou zeigte bunte Plastikornamente auf Damast, Brokat und Pelz gegen den Minimalismus von heute. Bild: AFP

Die Mode in London ist so dynamisch wie nirgends sonst. Die britischen Designer werten Eigenheiten und Traditionen ihres Landes um.

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          Die Zukunft der Mode liegt an einer durch und durch traditionellen Straße. Die Mieter der Mount Street hinter dem Berkeley Square in Mayfair heißen Carolina Herrera, Oscar de la Renta, Lanvin, The Connaught Hotel. Ein Metzger verkauft hier seit dem 19. Jahrhundert Fleisch. Die Mount Street – eine Straße für alteingesessene Institutionen.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eigentlich. Denn dazwischen macht sich die Zukunft breit. Roksanda Ilincic und Christopher Kane, gestern noch junge Designer, zeigen hier in ihren brandneuen Stores, was ein Einkaufserlebnis ist. Bei Roksanda, wie alle sie nennen, duftet es wie im Spa, bei Christopher geht man eine Sechs-Meter-Treppe hinunter, immer am Kronleuchter entlang. Um die Ecke öffnet Erdem seiner Marke bald mit einem ersten Geschäft Tür und Tor. Schuhdesigner Nicholas Kirkwood ist schon da.

          Wiedergeburt der Londoner Mode

          Bei so vielen britischen Talenten in der Nachbarschaft konnte auch Delfina Delettrez Fendi nicht absagen, als man ihr Räume anbot. Am Sonntagabend zur Eröffnung – es ist jetzt ungewöhnlich laut an der Straße des alten Establishments, die Menge drängt bis auf den Bürgersteig – steht die italienische Schmuckdesignerin zwischen ihren Schaukästen mit Nachbildungen von abgetrennten und mit kostbarem Schmuck besetzten Fingern. „Herzlich willkommen im Orient Express“, ruft sie gut gelaunt. Pures Glück, dass Delfina, die seit zwei Wochen nicht mehr lange, sondern pixiekurze Haare hat, so schnell an den Laden kam: „Er steht unter einem guten Stern. Und übrigens: Die neue Frisur fühlt sich an wie eine Wiedergeburt.“

          Auch die Londoner Mode hat eine Wiedergeburt erlebt, auch sie steht unter einem guten Stern und hat auch noch so viel Witz wie Delfina Delettrez Fendi. Die britischen Designer werten Eigenheiten und Traditionen ihres Landes um – da geht es ihnen nicht anders als der 1987 geborenen Erbin des römischen Modehauses. Während der Modewoche mit den Kollektionen für den Herbst wird das nicht nur an der Mount Street deutlich, sondern zum Beispiel auch im Bankenviertel.

          Reichlich Pudertöne bei Emilia Wickstead. Auch Kate Middleton musste da zugreifen. Bilderstrecke

          Hier, in der Banking Hall, gleich nördlich der Bank of England, zeigt Emilia Wickstead, wie sie mit ihrer Mode Charaktere schafft, mit Hilfe von Rückenschößchen, grobem Kord und PVC. Weil sie dazwischen aber reichlich Pudertöne setzt, wird am Ende auch Wickstead-Fan Kate Middleton zuschlagen. 500 Meter westlich, in der wunderschönen Guildhall, wo im elften Jahrhundert der Bürgermeister maßgeblich Londons Reichtum voranbrachte und wo heute Staatsbesucher empfangen werden, zeigt ein fünf Jahre altes Label, Simone Rocha, eine Kollektion über das Verhältnis zwischen Körper und Kleidern. Und wo wir gerade bei beeindruckenden Räumlichkeiten sind: Für Christopher Kane – in dieser Saison mit Silhouetten von Aktmodellen auf Kleidern – ist die Tate Modern Stamm-Location. Aber bei den Milliarden-Summen, die britische Mode zur britischen Wirtschaft beisteuert, rennen die Designer eben nicht nur halboffene Türen an den schönsten Orten ein. Wenn Bürgermeister Boris Johnson nach New York reist, dann trifft er sich auch mit „Vogue“-Chefin Anna Wintour.

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