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Aus Bayern nach New York : Ihr wunderbarer Waschsalon

Theresa Williams und Corinna Williams in ihrem New Yorker Waschsalon „Celsious“ in Williamsburg Brooklyn mit Electrolux Waschmaschinen, dekoriert mit Pflanzen und einem Café im Obergeschoss. Bild: Helmut Fricke

Zwei Schwestern aus Bayern haben den coolsten Self-Service-Laundry New Yorks eröffnet. Neben sauberer Wäsche gibt es hier Kaffee, Kuchen und den Dating-Abend „Sock-Tinder“.

          Es ging am ersten Tag los. Corinna Williams fand eine einzelne Socke in einer der Waschmaschinen. Man sieht die Socken einfach nicht, wenn sie an der Seite oder oben in der Trommel kleben. Am nächsten Tag waren es schon drei einzelne Socken. Mittlerweile ist die Sammlung so groß, dass man ein Event daraus machen könnte.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Was heißt „könnte“? In diesem Waschsalon ist alles möglich. Corinna und Theresa Williams haben in den wenigen Monaten seit Eröffnung schon Kurse in Aktzeichnen veranstaltet, einen „Valentine's Wash“ („Buy one wash, get one free“), ein Fotoshooting für MyCalvin und ein Konzert des R&B-Sängers Autre Ne Veut. Denn ihr Waschsalon in Brooklyn ist mehr als nur ein handelsüblicher Self-Service-Laundry: Das „Celsious“, das mitten im Trend-Stadtteil Williamsburg liegt, ist auch Café, Veranstaltungsort und Treffpunkt für die Nachbarschaft, sieben Tage die Woche, von sieben Uhr morgens bis Mitternacht.

          Da wäre ein Dating-Abend für einsame Socken eine sinnvolle Ergänzung des Angebots. Und wirklich: „Sock Tinder“ steht auf dem Schild an der Straße: Socken sollen wie mit der Dating-App zusammengeführt werden. „Clean Single Looking for a Solemate“: Diese sauberen Singles suchen einen Seelenverwandten, oder genauer, schließlich reden wir über Socken: einen Sohlenverwandten.

          „Sock Tinder“ steht auf dem Schild an der Straße: Socken sollen wie mit der Dating-App zusammengeführt werden.

          Im coolsten Waschsalon New Yorks wären „lonely socks nights“ keine Überraschung. Denn das Thema Einsamkeit (und Zweisamkeit) hängt wie Wasserdampf über allen populären Erzählungen zu Launderettes, wie sie im britischen Englisch heißen – von Hanif Kureishis Roman „Mein wunderbarer Waschsalon“ bis zur legendären Levi's-Werbung ebenfalls aus den achtziger Jahren, in der ein junger Mann erst Steine in die Maschine schüttet, sich dann zur Freude der Frauen bis auf die Unterhose entkleidet und T-Shirt und Jeans hinterherwirft. Den Williams-Schwestern muss man nichts über populäre Mythen erzählen. Die 32 Jahre alte Corinna und die gerade 30 Jahre alt gewordene Theresa haben die Vorteile der Gemeinsamkeit selbst erlebt. „Wer einen Waschsalon gründet, braucht Durchhaltevermögen. Man sollte zu zweit sein, alleine geht's nicht“, sagt Corinna. Und Theresa ergänzt: „Zu zweit kann allerdings auch viel daneben gehen, wenn die Beziehung zum Business-Partner scheitert. Das sehen wir bei Freunden.“

          Ihnen kann das nicht so leicht passieren. Die Schwestern aus Bayern, die in Landsberg am Lech als Töchter eines amerikanischen Vaters und einer deutschen Mutter aufwuchsen, wollten schon immer selbständig sein. Aber sie machten Umwege. Theresa studierte Produktdesign am College Central Saint Martins in London, dann entwarf und produzierte sie Brillen für das Label General Eyewear in London; die praktischen Fertigkeiten sollten sich noch als hilfreich für ihr Großprojekt erweisen. Auch Corinna brauchte einen Vorwaschgang, studierte Internationale Beziehungen an der Schiller International University in Heidelberg und Paris, arbeitete zwei Jahre lang bei Google in Dublin im Online-Marketing, dann als Redakteurin bei „Elle“ in München und seit 2012 als Korrespondentin von „Elle“ und „Harper's Bazaar“ in New York. In der Bekleidungsbranche ist sie geblieben: „Mode ist schließlich letztlich auch nur Wäsche.“

          Und die wird in Amerika schlecht behandelt. „Kaum jemand hat eine Waschmaschine oder einen Trockner in der Wohnung“, sagt Corinna Williams. „Und nur die wenigsten haben Waschmaschinen im Keller“, ergänzt Theresa. „Und die, die es gibt, sehen oft scheußlich aus, weil sie nicht gereinigt und schlecht gewartet werden.“

          Daher gehen so viele Amerikaner in Waschsalons. Die wiederum sind laut, eng und muffig. Man muss lange auf die Wäsche warten, und oft wird sie nicht einmal richtig sauber. „In den alten Maschinen setzt sich alles Mögliche ab“, sagt Corinna. „Kein Kalk, denn kalkhaltig ist das Wasser hier nicht, aber Schimmel und Rost. Oft werden die Sachen dann richtig schmutzig.“

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