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Ziel erreicht – und dann? : Am Ende nur Kopfbahnhof

  • -Aktualisiert am

Was passiert, wenn nach dem ­Erreichen der eigenen Ziele nicht das erfüllte Leben folgt? Bild: Getty

Etwas im Leben zu erreichen, ist wichtig, heißt es. Aber wie damit umgehen, wenn man sich anschließend nicht erfüllter fühlt, sondern leerer? Und was hilft?

          9 Min.

          Und jetzt? Die Frage musste ich mir Anfang 2019 stellen. Jahrelang wusste ich, was zu tun war. Der nächste Schritt eben, der musste gegangen werden, wie alle Schritte zuvor, um dahin zu kommen, wo ich nun war: Ich hatte eine Karriere, bekam Zuspruch. Auch materiell ging es mir gut. Es gab keine nächsten Schritte mehr, ich hatte alles erreicht – und jetzt? Da kam die Leere.

          Für viele Menschen hat das Leben Dreh- und Angelpunkte. Der Job, das Auto, Kinder, das ­eigene Haus. Ein akademischer Abschluss, die große Reise. Mit diesen Zielen treten Trugbilder ins Leben: Wenn ich das erreiche, dann...! Ja, was dann? Ich habe erlebt, dass nach dem ­Erreichen nicht das erfüllte Leben folgt.

          Vielleicht war ich nicht blöd

          Nachdem ich mit meiner schlechten Mitt­leren Reife in der Tasche mehrere Handels- und Wirtschaftsschulen besucht hatte, ohne dort ­jemals zu einem Abschluss gekommen zu sein, wusste ich nicht, was aus mir werden sollte. Ich wurde Koch. Mein Vater besaß ein Restaurant, in dem ich schon in der Küche mitgeholfen hatte. Das gefiel mir, dachte ich. Also arbeitete ich sieben Jahre meines Lebens zuerst als Küchenhilfe, dann begann ich eine Ausbildung. Bis ich an einen Punkt kam, an dem ich immer unzufrie­dener wurde. An solche Punkte sollte ich noch öfter in meinem Leben kommen.

          Erstmal wurd’ er Koch, doch irgendwann wurde unser Autor immer unzufriedener.
          Erstmal wurd’ er Koch, doch irgendwann wurde unser Autor immer unzufriedener. : Bild: dpa

          Ich begann Bücher zu lesen. Fontanes „Effi Briest“ etwa. Es gefiel mir, und in meinem ­Gehirn begann es zu rotieren: Vielleicht war ich nicht so blöd, wie ich selbst und auch Teile meiner Umgebung immer dachten. Vielleicht konnte ich doch etwas – denn ein guter Koch war ich nicht. Das war im Frühling 2006, ich war 20 Jahre alt. Von dem Punkt an, so kann ich heute rückblickend sagen, begann eine Aufholjagd für mich, die erst viele Jahre später enden sollte. Aber vielleicht ist sie auch nie zu Ende.

          Die Hoffnung auf eine tiefgreifende Veränderung

          Thomas Plotz ist Professor für Naturwissenschaftsdidaktik an der Kirchlich-Pädagogischen Hochschule in Wien. Heute ist er 43 Jahre alt. Mit 36 begann er mit seiner Promotion. „Ich wollte mich noch mal auf den Weg machen und etwas erreichen“, sagt er. Diese Entscheidung habe ihn über die vier Jahre des Schreibens seiner Doktorarbeit angetrieben: Es war „die Hoffnung, dass wenn ich meine Arbeit verteidigt und damit den Doktortitel habe, es eine tiefgreifende Veränderung in meinem Leben geben wird“.

          Sein Studium verlief zuvor turbulent, er ­studierte Mathematik und Physik auf Lehramt, brach jedoch ab, weil es nicht seinen Erwartungen entsprach – um es dann einige Jahre später doch noch mal zu versuchen. „Darum war diese Doktorarbeit für mich auch so ein wichtiges Ziel“, sagt Plotz. Also saß er vier Jahre in der Uni, gebeugt über Bücher, in einem Rhythmus aus Lesen, Schreiben und Lehren lebend, immer die Verteidigung seiner Dissertation im Blick. „Dieser Lebensabschnitt hatte dann mehrere Enden. Eines, als ich fertig mit dem Schreiben war. Noch eines, als ich die Änderungswünsche eingearbeitet hatte. Und schließlich, als ich sie verteidigt hatte und es offiziell war.“

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