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Zentrum für unerkannte Krankheiten : „Man muss Patienten zuhören“

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Das DRG-System fördert das Denken, dass jeder Patient in eine Schublade passt, der eine hat etwas am Herz, der andere etwas an der Lunge. Ein Patient, der an Herz und Lunge etwas hat, passt da nicht rein. Und ein Patient, der mit einem großen Fragezeichen kommt, ist in dem System gar nicht vorgesehen. Unklar kann man nun mal nicht kodieren und somit nicht abrechnen, ebenso wenig wie den Faktor Zeit. Denken hat im DRG-System mithin keinen Platz. Doch komplexe Krankheitsbilder bekommt man unter Zeitdruck nicht in den Griff. Dies ist sicherlich auch der Grund, weshalb so gut wie alle Universitätskliniken in Deutschland rote Zahlen schreiben. Im DRG-Zeitalter ist weder eine kostendeckende Diagnostik noch Behandlung unklarer und komplexer Erkrankungen möglich. Auch wir stehen immer wieder vor diesem Problem und in Verhandlungen mit den Kassen.

Ist es bei all diesen von Ihnen skizzierten Problemen nicht ein wichtiger Schritt, dass das Bundeskabinett vor kurzem einen „Aktionsplan für Menschen mit seltenen Erkrankungen“ beschlossen hat?

Das ist ein ganz wichtiger und richtiger Schritt, aber er geht mir nicht weit genug. Meiner Meinung nach müssten alle Unikliniken einen kleinen Prozentsatz der Mittel, die sie zugewiesen bekommen, zweckgebunden in die Betreuung von solchen Menschen mit unklaren Krankheiten investieren. Denn wenn nicht wir als Universitätsmediziner, wer um alles in der Welt soll sich denn sonst für diese Patienten verantwortlich fühlen? Das ist eine genuine universitäre Aufgabe. Und wenn die Unikliniken das Geld nicht aufbrauchen, geht es zurück an den Kostenträger. Solch eine kleine strukturelle Veränderung würde die Versorgung von Patienten mit seltenen oder unerkannten Krankheiten verbessern.

Noch gibt es das aber nicht, trotzdem eröffnen Sie das neue Zentrum. Wie finanzieren und strukturieren Sie es?

Ich muss dem vorwegschicken, dass ich als Stiftungsprofessor viele Freiheiten habe und seltene Erkrankungen mich schon immer auch wissenschaftlich interessiert und fasziniert haben und einen Schwerpunkt meiner Tätigkeit bilden. Unsere Arbeit wird sich mit der Eröffnung unseres Zentrums nicht grundlegend ändern, sie wird durch das Zentrum nur klarer strukturiert und nutzt die ohnehin vorhandenen Ressourcen unseres Hauses besser aus. Damit verschaffen wir Patienten, die uns von anderen Kliniken oder Fachärzten zugewiesen werden, einen schnelleren Zugang zu einer weiterführenden Diagnostik und Therapie.

Kann man sich als Patient auch selbst an Sie wenden?

Eine Selbsteinweisung ist nicht vorgesehen. Sie überschreitet die Möglichkeiten unseres Zentrums. Unser Ziel ist vielmehr, gemeinsam mit den behandelnden Ärzten der Patienten und nach kritischer Durchsicht der bereits durchgeführten Untersuchungen nach offenen Fragen und Lösungen zu suchen. Nachdem unser interdisziplinäres Team die Fälle besprochen hat, wollen wir die Patienten auch nicht unbedingt nach Marburg holen, sondern nach Rücksprache mit den zuweisenden Ärzten möglichst eine heimatnahe Versorgung anregen.

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