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Yoga-Studios : Die Kunst des Entspannten

  • -Aktualisiert am

Im Y8 in Hamburg: An der Wand hängt Kunst, und von der Decke hängt eine Schaukel. Bild: Georg Tedeschi

Viele Yoga-Studios sehen heute nicht mehr wie Turnhallen aus. Manchen von ihnen schaffen eine Einheit von Raum und Praxis, die die Konzentration der Schüler fördern soll.

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          Hast du je versucht, Dein Hirn zu entspannen?“ Vanda Scaravellis Frage aus ihrem Yoga-Klassiker „Awakening The Spine“ klettert aus der Tiefe meines eben noch verkrampften Körpers hoch. Ich atme auf meiner Matte durch und strecke mich in die Dreieckshaltung. Endlich. Vor mir gibt eine große Fensterfront den Blick auf die Häuserfassaden von Chelsea frei, über mir schwebt ein dickes Aluminiumrohr wie der Kessel einer Lokomotive, hinter mir hängen dicke Bootstaue an einer Holzfront. Ansonsten ist fast alles hell bei Triyoga in London, einer Pilgerstätte für alle, die ohne Ästhetik nicht leben und dennoch ernsthaft Yoga betreiben wollen.

          Die lichte und helle Stimmung wird nur durch Einsprengsel unterbrochen. Denn eines der Markenzeichen der mittlerweile vier Studios in London sind tiefes Lila, leuchtendes Blau, helles Türkis oder Rot – als Matte, als Meditationskissen, als Tresen oder als bunter Glasquader im Fenster, ähnlich wie in Kirchen.

          Fast alle wollen einen „sacred space“ schaffen

          Es ist schwierig mit dem Yoga: Da gibt es die Räume, die Schul-Turnhallen gleichen, wo die echten Freaks üben. Dann die „Häkeldeckenstudios“ mit Räucherkerzenduft, esoterischer Handbibliothek und moosig riechenden Duschkabinen. Und natürlich die leicht angestrengt wirkenden Lifestyle-Ateliers mit dunklem Holz und einer Wellness-Boutique.

          Selten fügen sich Raum und Yoga-Praxis zu einer Einheit. Ich habe schon an vielen Orten geübt, bei Manouso Manos’ „Abode of Yoga“ in San Francisco, einer Art yogischem Gymnastikraum, beim orientalisch anmutenden Rasa Yoga in Paris, im spartanisch-eleganten Pariser Centre de Yoga Iyengar oder bei Jivamukti in München, das an einen Hindu-Tempel erinnert.

          „Without Tile“: Jonathan Monks Installation scheint die Übenden nicht zu stören.
          „Without Tile“: Jonathan Monks Installation scheint die Übenden nicht zu stören. : Bild: Georg Tedeschi

          Ob angesagt oder abgenagt: Fast alle wollen einen „sacred space“ schaffen, einen geistlichen Raum. Am Ende der Lektion soll das Ich-Bewusstsein mit dem Außen verschmelzen, und sei es nur, weil man von den Asanas, den anstrengenden Yoga-Haltungen, so geschafft ist, dass man eh nicht mehr über gestern, vorgestern oder übermorgen nachsinnen kann. Von einem „sacred space“ spricht auch Jonathan Sattin, der Gründer von Triyoga, dem ich nach der Asanas-Klasse an den schlichten Holztischen des hauseigenen (vegetarischen) Restaurants gegenübersitze. Sattin sieht so gar nicht nach durchtrainiertem Yogi aus, eher wie ein schluffiger Musiker, der ab und zu Morgengymnastik macht. Als er seine Teetasse umkippt, sagt er entschuldigend: „Daran bin ich gewöhnt.“

          Die Yoga-Welt hat ihre eigenen Spielregeln

          Bei aller Zugewandtheit ist er doch leicht geistesabwesend. Kaum zu glauben, dass hier ein ehemaliger Anwalt und offenkundig glänzender Geschäftsmann sitzt. Aus Überdruss hängte Sattin den Anwaltsberuf an den Nagel. Im Jahr 1999 gründete er das erste Triyoga in Primrose Hill. Schnell avancierte das vom Architekturbüro Wells Mackereth entworfene Studio zu einem der angesagtesten Yoga-Orte der Welt. Das Interior und der Unterricht verschiedener Yoga-Stile in bester Qualität zogen Trendsetter an. Auch die damalige „Primrose Hill Gang“ schwitzte bei Triyoga: Kate Moss, Geri Halliwell, Jude Law, Gwyneth Paltrow. Im Jahr 2003 kam ein kleineres Studio in Covent Garden hinzu, zwei Jahre später dann eines in Soho, und seit 2011 gibt es das Studio in Chelsea: Hier wirkt das Ambiente noch durchdachter, alle rühmen die Ausstattung.

          Yoga und ausgewähltes Interior Design zusammenzuführen liegt im Trend – das ist nicht nur bei Triyoga so. Es wirkt beinahe so, als ob ein vom Üben geformter Körper auch nach einem geformten Raum verlangen würde. Über neuere Studios wie das von Blank Studio konzipierte lichte und coole Yoga Deva in Gilbert (Arizona) wird heute auch in führenden Architektur-Zeitschriften berichtet. Ähnlich perfekt in seiner klaren Gestaltung gibt sich Pure Yoga in New York. „Wenn Yoga-Studios Autos wären“, so schrieb ein Szeneblatt über das stilvolle Asanas-Mekka in Manhattan, „dann wäre Pure Yoga ein Ferrari.“

          Katharina Grosse gestaltete die Decke des Y8 in gewohnter Farbkraft.
          Katharina Grosse gestaltete die Decke des Y8 in gewohnter Farbkraft. : Bild: Frank Bergmann

          Jonathan Sattin allerdings wiegelt beim Thema Stil ab: „Allzu modisch wäre ein Problem.“ Man wolle nicht modisch sein, sondern einfach gut. Tatsächlich hat die Yoga-Welt ihre eigenen Spielregeln. Zu viel Wert auf Äußerlichkeiten zu legen gilt nicht als yogisch. Schließlich kann der ganze Zinnober auch ablenken von „Pratyahara“, der von Yoga-Vater Patanjali vor rund 2000 Jahren geforderten Orientierung der Sinne nach innen. Als trendorientiert zu gelten gleicht so gesehen einem Sündenfall.

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