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Luxus-Parfüms von Krigler : „Unsere Düfte sind selbst zu Ikonen geworden“

Marlene Dietrich soll ein Krigler-Parfüm für Herren so gut gefallen haben, dass sie den Duft kaufte und selbst trug. Bild: Twentieth Century Fox Film Compa

Audrey Hepburn, Marlene Dietrich und Zelda Fitzgerald kauften hier Parfüm: Das Familienunternehmen Krigler erschafft seit mehr als hundert Jahren Luxusdüfte, die nicht nur Stars umwehen.

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          Der Beginn des Parfumhauses Krigler riecht nach Gardenien – und es hätte ihn wohl nicht gegeben, hätte der gelernte Chemiker Albert Krigler sich einen Verlobungsring leisten können. Der in Berlin geborene Krigler arbeitete 1879 in Moskau für die Parfumfirma Rallet, die damals das russische Zarenhaus und den persischen Schah belieferte. Dort lernte er eine junge Französin kennen. Und als er um ihre Hand anhielt, brachte er ihr statt des Rings ein selbstkomponiertes Parfum mit. Es war eine Ode an die japanischen Gardenien aus Kyoto, deren Duft auf einem Bouquet aus Jasmin, Vanille und Mimose ruhte.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Die Französin sagte Ja und trug den Duft als einzige Frau auf der Welt. Bis 1904, denn da eröffnete Krigler sein erstes Parfumgeschäft in Sankt Petersburg, und Pleasure Gardenia 79 war der erste Duft, den er dort verkaufte.

          Kaum war das Geschäft eröffnet, begannen im Dezember 1904 in Sankt Petersburg politische Unruhen mit Streiks in fast 400 Fabriken. 1905 kehrte Krigler mit seiner Familie nach Berlin zurück und eröffnete ein Geschäft auf der Prachtstraße Unter den Linden. Der süße Duft der Blüten vor seiner Tür inspirierte ihn zu Schöne Linden 05, einem Frühlingsduft, in dem sich Lindenblüten mit Nelken, Kamelien und Tuberose verbinden. Obwohl sich seine Kreationen bereits gut in Preußen und Osteuropa verkauften – erst ein Besuch an der französischen Riviera sollte Kriglers Parfums zum Geheimtipp unter Prominenten machen.

          Auch Chanel soll es getragen haben

          Zu jedem Parfum, das sich bis heute im Krigler-Sortiment befindet, gibt es eine Geschichte mit prominentem Namen. In die Boutique, die Krigler seit den zwanziger Jahren in Cap d’Antibes an der Côte d’Azur betrieb, schlenderten Filmstars und Jetsetter wie Audrey Hepburn, Marlene Dietrich und Zelda Fitzgerald. Coco Chanel soll Pleasure Gardenia 79 so gut gefallen haben, dass sie es eine Zeitlang trug, bevor ihr eigenes Parfum Chanel No. 5 von Ernest Beaux entwickelt wurde, einem Parfümeur, der sein Handwerk übrigens ebenfalls bei Rallet in Moskau gelernt hatte. War es Chanels Wunsch, ein Aldehyd-Parfum zu kreieren, das sich von den Blumenbouquets ihrer Zeit als Avantgarde-Duft abhob, so blieb Krigler den betörenden Hommagen treu, deren Herznoten sich zumeist an einer Blüte orientierten.

          Duftet nach winterlichem Jasmin: Bouquet Baroque 217 von Krigler Bilderstrecke
          Luxus-Parfum : Ikonische Düfte

          Die Düfte sind komplex und opulent. Man braucht Charakter, um sie zu tragen. Das Kompliment „Was für ein schönes Parfum“ klang in Albert Kriglers Ohren falsch. „Wenn jemand hingegen sagt: ‚Sie riechen gut‘, bedeutet das, dass das Parfum perfekt zur Person passt“, sagte der Parfum-Unternehmer. Von den dreißiger Jahren an verkaufte Krigler seine Düfte im Plaza Hotel in New York. Dort sitzt heute wieder Ben Krigler, der das Unternehmen in fünfter Generation fortführt. „Ich bin da hineingeboren worden“, sagt er. In seiner Jugend habe sich das Unternehmen aber darauf zurückgezogen, maßgeschneiderte Düfte für Einzelkunden anzubieten. Ben Krigler wollte mehr: „Ich wollte das Haus globaler aufstellen.“

          Die Parfums kann man deshalb nun auch direkt online bestellen. Das Erbe des Hauses aber sollte in den Düften erhalten bleiben. Seine neuen Kreationen lassen dementsprechend durchschimmern, wo ihre Wurzeln liegen. Bouquet Baroque 217 ist so eine neue Kreation. Um ein Herz aus winterlichem Jasmin legen sich Sandelholz, Ylang-Ylang und Weihrauchnoten. Der Duft ist elegant und betörend zugleich, lässt die Schwere russischer Parfums um die Jahrhundertwende anklingen, ohne in sie abzugleiten. Noch heute, so betont Krigler, wird jeder Duft in Handarbeit hergestellt. Deshalb gebe es pro Parfum nur um die 1000 Flaschen im Jahr. Die Kunden im Plaza wissen um die Qualität – einige kommen aber immer noch wegen der großen Namen. Lovely Patchouli 55 ist einer der Bestseller. „Es ist ein einzigartiger Patchouli-Duft, den Jackie Kennedy getragen hat“, sagt Ben Krigler. „Heute fragen Kunden nach dem Jackie-Kennedy-Parfum. Das heißt, unsere Düfte sind selbst zu Ikonen geworden.“
           

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