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Freundschaft : Wenn die Wege sich trennen

Bild: Thilo Rothacker

Wer eine Beziehung beendet, macht Schluss. Wem der Job nicht mehr passt, kündigt. Wie aber sagt man sich von Freunden los? Und wieso?

          Das Ende der Freundschaft kam ausgerechnet an ihrem Geburtstag. Natascha Beckendorf* hatte in die Kneipe eingeladen, so, wie sie das gerne tut, um ihre Freunde an einem Tisch zu versammeln, ihr Netzwerk zu pflegen und neue Bekanntschaften zu stiften. Alles in allem ein gelungener Abend: interessante Gespräche in gelöster Atmosphäre. Nur ihre beste Freundin aus Studienzeiten nörgelte die ganze Zeit. Sie mäkelte am Essen herum, beharrte auf einem bestimmten Sitzplatz und verbreitete so viel schlechte Laune, dass Natascha Beckendorf anschließend von anderen Gästen gefragt wurde: „Wer war denn diese grauenhafte Person? Warum hast du die eingeladen?“

          Julia Schaaf

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eigentlich gibt Beckendorf viel auf Verbindlichkeit und Treue. Die Zweiundfünfzigjährige hat keine Kinder. Ihr Kreis an Freundinnen ist ihr wichtiger als Familie. Wenn Frauen nur mit ins Kino kommen, weil es keinen Mann in ihrem Leben gibt, regt sie sich auf. Wenn eine auf Arbeitssuche ist, krank oder in Geldnot, hilft sie sofort. „Ich bin so eine Glucke, die ihre Freundinnen immer zusammenhält“, sagt sie.

          Den Kontakt zu der Kommilitonin jedoch, die ihr beinahe den Geburtstag verdorben hätte, brach sie ab. „Die war eine super Freundin für eine bestimmte Zeit“, sagt Beckendorf heute. „Aber manchmal entwickelt man sich auseinander. Da gibt es eine Grenze, wo man feststellt: Dann muss man es eben auch gehen lassen.“

          Die Hälfte unserer Freundschaften tauscht sich alle sieben Jahre aus

          Wer eine Liebesbeziehung beendet, macht Schluss. Wer eine Ehe auflöst, reicht die Scheidung ein. Wem sein Job nicht mehr passt, der schreibt eine Kündigung. Was aber passiert bei Freunden?

          Seit Sommer 2010 findet sich im „New Oxford American Dictionary“ eine neue Kulturtechnik. „Defriending“: Ein Klick, und eine Freundschaft bei Facebook, Twitter oder Xing ist zu Ende. Das deutsche Pendant „entfreunden“ hat es noch nicht in den Duden geschafft. Trotzdem ist die elektronische Auflösung von Kontakten nötig geworden, seit virtuelle soziale Netzwerke das Konzept der Freundschaft weit über das hinaus ausgedehnt haben, was Wissenschaftler für praktikabel halten: Zwei, drei, maximal eine Handvoll Herzensmenschen und etwa 15 Freunde im engeren Sinne, eingebettet in einen Bekanntenkreis von höchstens 150 Personen - das geht real. Wer diesen Rahmen sprengt, muss aussortieren. Klick und weg.

          Für das Beenden von Freundschaften jenseits des Internets gibt es weder einen Button noch ein gängiges Ritual. Das Gros schläft ein, sang- und klanglos und in den meisten Fällen auch ohne offene Kritik oder Streit. „Die meisten Freundschaften scheitern durch Nichtstun“, sagt der Berliner Psychotherapeut Wolfgang Krüger, der Freundschaften für einen wichtigen Baustein psychischer Gesundheit hält. Die Hälfte unserer Freundschaften, sagt Krüger, tausche sich alle sieben Jahre aus. Die tiefen Bindungen jedoch, wahre Vertrauensbeziehungen zu langjährigen Weggefährten, bestünden oft ein ganzes Leben.

          Größerer Abstand erhöht die wechselseitige Toleranz

          Natascha Beckendorf ist überzeugt, dass Freundschaften eine Menge aushalten können. Die Mädels, die jedes Mal für eine neue Liebe in der Versenkung verschwinden, um erst wiederaufzutauchen, wenn sie den Mann in die Wüste geschickt haben - geschenkt. Die Freundin in der anderen Stadt, die keine E-Mails schreibt und nicht zurückruft, wenn man ihr auf die Mailbox spricht - Beckendorf hat sich daran gewöhnt: „Sie ist einfach so ein Typ.“

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