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Freundschaft : Wenn die Wege sich trennen

Und dann ist da Maja, die Freundin, in deren Leben sich viel zu viel um Männer dreht. Findet jedenfalls Beckendorf. Jeden Sonntag beim Kaffee die gleichen Gespräche. Kerle, Kerle, Kerle! Einmal sind sie zusammen verreist. Während Beckendorf sich einen Mädchenurlaub gewünscht hätte, war Maja ständig mit ihrer Wirkung auf Typen beschäftigt. Da hat Beckendorf sich beschwert. Maja war gekränkt. Beckendorf auch. Erst nach einer Weile näherten sich die Freundinnen wieder an. Wenn es seitdem beim Sonntagskaffee um Männer geht, versucht Beckendorf nur, das Thema charmant abzukürzen. „Sie ist mir so wichtig, dass ich versuche, das auszuhalten.“

Das ist das Ideal von Freundschaft: Beständigkeit in einer Beziehung, in der jeder er selbst sein darf und sich angenommen fühlt als Person, Macken inklusive. Therapeut Krüger sagt: Gerade der wohltuende Abstand, der größer sei als in Liebesbeziehungen, weil man nicht den gesamten Alltag teile, sondern frei über Nähe und Distanz entscheiden könne, erhöhe die wechselseitige Toleranz.

Er hat einfach die Tür nicht aufgemacht

Wann aber ist Schluss? Wo ist der Punkt, an dem der Bogen überspannt ist? Warum kommt es zum Bruch?

„Wenn es um Geld geht und um Frauen, hört die Freundschaft auf“, sagt der türkische IT-Fachmann, der seinen besten Freund aus der Wohnung schmiss, als er begriff, dass dieser eine Affäre mit seiner Frau begonnen hatte.

„Wenn es nicht mehr so viele Gemeinsamkeiten gibt“, sagt der Hostelbetreiber, der viel gereist ist und im Ausland lebte, während seine Jugendfreunde in der Kleinstadt Kinder bekamen, Karriere machten, Häuser bauten. Mehr als ein Bier auf Heimatbesuch war irgendwann nicht mehr drin.

„Wenn es einen stresst“, sagt der Medieningenieur, „wenn es nicht mehr so leicht ist, so’n Umgang.“ Dann erzählt er von einem Freund von früher, der sich nach einer Trennung plötzlich im Kreis gedreht habe und ein Fall für die Psychiatrie zu werden drohte. Einmal, mitten in der Nacht, habe er einfach die Tür nicht aufgemacht, als der andere Sturm klingelte. Ein wichtiger Termin am nächsten Tag, erklärt er heute. Schnell fügt er an: „Er war nicht mein bester Freund.“ Noch zwanzig Jahre später klingt das entschuldigend. Als habe er einen Verrat begangen.

Nutz-, Spaß- und Herzensfreunde

Wechselseitige Unterstützung, gerade in schweren Zeiten, gehört zu unserem Ideal von Freundschaft unbedingt dazu. Stefan Koch hat deshalb einen engen Freund zum „Buddy“ degradiert. „Immer, wenn ich ein ernsthaftes Problem hatte, sei es in der Beziehung oder im Job, war Andi einfach nicht da. Er war mit sich beschäftigt, ihm war das zu viel“, sagt Koch, ein Fotograf Anfang vierzig. „Und ich fühlte mich hängengelassen.“ Irgendwann reichte es ihm. Die Freunde hatten sich gemeinsam eine neue Wohnung gesucht. Und dann renovierte Koch ganz allein. Mitten in der Trennung von seiner Freundin. „Von Andi kam - nichts.“

Die Männer sind trotzdem zusammengezogen. Sie gehen bis heute gemeinsam Bier trinken und schauen in großer Runde Fußball. Für Gespräche über persönliche Dinge aber hat Koch andere Menschen. Ein sexuelles Abenteuer sei schließlich auch etwas anderes als Liebe, sagt er: „Zum Spaßhaben reicht das eine. Aber Intimität und Wahrhaftigkeit gibt’s nur beim anderen.“

Schon Aristoteles unterschied zwischen Nutz-, Spaß- und Herzensfreunden. Welche Beziehung aber in welche Kategorie fällt, ist nicht unbedingt eindeutig. Liebespaare erinnern sich an ihr erstes Date und verständigen sich ausdrücklich, von wann an sie eine Beziehung führen. Freundschaften beginnen selten mit einem fixen Datum, ihre Regeln schreibt niemand auf, ihr Fundament bleibt unbestimmt. „Das ist ein Prozess, der auf Gegenseitigkeit beruht. Aber da ist ganz viel unausgesprochen“, sagt die Autorin Susanne Lang, deren Buch „Ziemlich beste Freunde. Warum der Freundeskreis heute die bessere Familie ist“ diesen Sommer erschienen ist.

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