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Besondere Beziehung : Wie Väter ihre Töchter prägen

Klaus Brocks Tochter Annika ist mittlerweile erwachsen. Bild: Lucas Bäuml

Lange wurde die Rolle des Vaters in der Entwicklungspsychologie vernachlässigt. Dabei wirkt er gerade auf seine Tochter in besonderer Weise – und hat großen Einfluss auf ihr Selbstbild und sogar ihren Berufswunsch.

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          Alma hat sich getraut. Auf der Leiter ist sie ganz nach oben geklettert. Nun steht sie auf dem zwei Meter hohen Turm, lehnt sich ans Geländer und sieht zu, wie ihr Papa mit seinen Füßen den Sand durchkämmt. Er prüft, ob Äste herumliegen, Scherben oder anderes, was Alma verletzen könnte. Das Klettergerüst auf dem Spielplatz in Münster sieht aus wie ein Piratenschiff: vorne die Rutsche als Bug, seitlich der Schiffskörper aus Holz, mit Klettergriffen, in der Mitte der Turm, wie ein Aussichtskorb, an einer Seite offen. Für Kinder ist es ein idealer Ort, um sich auszuprobieren. Sie können klettern, soweit der Mut reicht, und von oben in den Sand springen. Wird Alma es wagen? Rüdiger Dreier sieht zu seiner fünf Jahre alten Tochter hinauf. Er sagt nichts, schaut sie nur an und signalisiert: „Ich bin da.“

          Franziska Pröll
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Der Vater ist der erste Mann im Leben einer Tochter. Wie er ihr begegnet, wirkt weit über Kindheit und Jugend hinaus. In der Psychologie ist der Vater trotzdem ein wenig erforschtes Subjekt. Seit sie in den Zwanzigerjahren anfingen, Eltern zu untersuchen, haben sich Entwicklungspsychologen auf die Mutter fokussiert. Sie sei die erste, notwendigste Bindungsperson für das Kind, so die Annahme. Der Vater stehe hinter ihr zurück. Einige Forscher schrieben ihm sogar schädliche Einflüsse zu. Von 1970 bis etwa 2000 untersuchten Studien den Vater als „Täter“, als verantwortlich für innerfamiliären Missbrauch. In Bezug auf Töchter betrachtete man sexuelle Aspekte, in Bezug auf Söhne aggressive Aspekte – wie auch die Frage, ob Söhne als Opfer der Gewalt selbst zu Tätern werden. Auch der „abwesende Vater“ war ein häufiges Motiv. 2000 erschien unter diesem Titel ein Buch, im selben Jahr beschrieb ein anderer Wissenschaftler „Die Sehnsucht nach dem Vater“.

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