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Die Badewanne kann auch ein Ort großer Romantik sein, wusste auch Julia Roberts in „Pretty Woman“. Bild: Picture-Alliance

Wiederentdeckung der Badewanne : Ein Ort der Ruhe und Erkenntnis

Stars geben in der Quarantäne selbst in ihre Bäder Einblicke. Geht damit der letzte Ort der Intimität verloren?

          5 Min.

          Es soll ja Menschen geben, die einer Badewanne nichts abgewinnen können. So behaupteten das vor kurzem etwa zwei Kolleginnen. Duschen, so sagten sie, sei doch das Mittel der Wahl, um sich zu reinigen. Natürlich kann man sich einfach unter einen Strahl heißes Wasser stellen, wenn es allein darum geht, halbwegs sauber durch den Tag zu kommen. Dass eine Wanne aber deutlich mehr kann, zeigt sich dieser Tage. Egal, ob auf Youtube oder Instagram, man kommt an der Badewanne gerade nicht vorbei.

          Maria Wiesner

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Die Quarantäne hat uns nicht nur gezeigt, wie Stars ohne Make-up und in Jogginghosen aussehen. Gefühlt hat man auch die meisten von ihnen nun schon einmal in der Badewanne begutachten dürfen. Da war Arnold Schwarzenegger, der sich mit einem Pony und einem Esel in Quarantäne begeben hat und von dem man nun weiß, dass er Blubberbäder auf seiner Veranda mag und dass diese Bäder wohl der einzige Ort auf seinem Anwesen sind, an den die Tiere ihn nicht begleiten dürfen. (Immerhin hat er den Geburtstag des Eselchens mit Kuchen in seiner gut ausgestatteten Küche gefeiert.) In jenem Badevideo sitzt er nun also bis zur Brust im Wasser, raucht Zigarre und weist die Menschen darauf hin, dass sie bitte ebenfalls zu Hause bleiben sollen.

          Dann war da Cindy Lauper, die auf Youtube und unter Schaumbergen mit vollem Achtziger-Jahre-Make-up ein Geburtstagsständchen für Céline Dion singt. Und weil sie sich als Geburtstagssong „My Heart Will Go On“ ausgesucht hat, lässt sie eine selbstgebastelte Papptitanic am Rand der Wanne entlangschippern, die sich innerhalb weniger Sekunden als etwa so seetauglich wie die echte Titanic erweist. Deutlich eleganter zeigte sich Late-Night-Show-Moderator Stephen Colbert, der seine wochentägliche Sendung nun nicht mehr im Studio in Manhattan aufnimmt, sondern regelmäßig aus dem heimischen Arbeitszimmer sendet. Der für seine makellosen dunkelblauen Anzüge bekannte Moderator stieg für einen dieser Clips mit Anzug ins Schaumbad („I’m wearing my bathing suit today“). Ohne Anzug, dafür mit Quarantänebart setzte sich Schauspieler Sam Neill in die Wanne und nahm gemeinsam mit seinem Kollegen Hugo Weaving eine eigenwillige Variante des Loriot-Sketches auf. In dem kurzen Video taucht Weaving plötzlich in Neills Wanne auf und nutzt ungefragt dessen Seife, die Gummi-Entchen allerdings ließ er draußen. Und als man gerade dachte, man hätte nun fast alle prominenten Badezimmer gesehen, warf sich Julia Roberts anlässlich des in diesem Jahr ausgefallenen Metballs zu Hause in Schale und posierte in einem schwarz-weißen Abendkleid mit Tüllkaskaden auf dem Rand ihrer schaumgefüllten Badewanne.

          Ist damit in einer Gesellschaft, in der sich die Grenze zwischen Öffentlichkeit und Privatem durch Social Media immer weiter auflöst, auch das Badezimmer als letztes Refugium gefallen? Keineswegs. Denn all diese Fotos und Videos erinnern nicht ohne Grund an die Badezimmer im Film. Niemand kennt sich so gut mit Inszenierung aus wie Schauspielerinnen. Kein Betrachter würde auf die Idee kommen, Julia Roberts balanciere jeden Tag im Tüllkleid auf dem Wannenrand über einem Schaumbad, das ganz nebenbei auch noch an ihre ikonische Szene in „Pretty Woman“ erinnert. Da saß sie als Callgirl Vivian in einer ähnlich gefüllten Wanne, trug Kopfhörer und sang völlig selbstvergessen „Kiss“ von Prince. Es ist dieser Moment absoluter Intimität, in dem der reiche Edward (Richard Gere) beginnt, sich in sie zu verlieben.

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