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Schlafen für Profis : „Wer lange schläft, ist nicht faul“

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An welche denken Sie da?

An Nahrungsunverträglichkeiten oder Elektrosmog beispielsweise. Sie gelten oft als Auslöser für diffuses Unwohlsein oder Befindlichkeitsstörungen, die viele empfinden, ohne zu wissen, woher sie wirklich kommen. Hätten wir ein Sinnesorgan für Schlafmangel, würde es uns viele Antworten geben.

Aber wir haben auch kein Sinnesorgan für Elektrosmog.

Es gibt Messgeräte, die uns suggerieren, dass da so etwas wie Elektrosmog sei.

Wenn schon die Politik wenig für uns tut, was kann man selbst tun, um wieder im Einklang mit seiner inneren Uhr zu leben?

Allgemeingültige Ratschläge sind schwierig, da die innere Uhr sehr individuell tickt. In vielen Lebensbereichen legen wir auf Natürlichkeit Wert. Nur mit unserer Zeit gehen wir widernatürlich um. Wir wollen Leistung bringen, wenn der Körper Ruhe braucht, suchen das Licht, wenn es dunkel ist. Jeder kann darauf achten, dass er mehr Tageslicht tankt, um die innere Rhythmik zu stärken. Am späten Abend sollten helles Licht, der Blick auf den Computer oder das Smartphone hingegen tabu sein. Licht zögert den Zeitpunkt des Müdewerdens hinaus.

Der Blick aufs Handy bringt die innere Uhr durcheinander?

Die innere Zeitmessung reagiert besonders auf Licht, das einen hohen Anteil blauer Frequenzen hat, wie es auch in Monitoren gerne der Fall ist. Spätabends verzögert dieses Licht die Ausschüttung des Nachthormons Melatonin, was unsere innere Uhr zurückversetzt. Die Warnung vor dem Smartphone darf man aber nicht übertreiben. Vermutlich reicht es, das Licht herunterzudimmen. Wir sollten uns vor allem bewusstmachen, dass Licht überhaupt einen Einfluss hat.

Und Vielflieger sollten sich bewusstmachen, welchen Einfluss die Zeit in der Luft hat.

Sie sprechen Studien an, die gezeigt haben, dass bei Vielfliegern, die sich häufigen Jetlags aussetzen, die Gehirnmasse abnimmt. Ja, das stimmt, aber man muss bei der Bewertung vorsichtig sein. Bisher geht es um zwei Studien, das ist aus wissenschaftlicher Sicht noch nicht viel. Bei einer der Studien wurden Berufsflieger, also Piloten und Flugbegleiter, untersucht. Extremfälle. Ob der Befund wirklich psychische Folgen hat, kann man nicht sagen. Dennoch sollte die Beobachtung Jetsettern eine Warnung sein, dass man die Bedürfnisse seiner inneren Uhr auf Dauer nicht schadlos ignorieren kann. Schlafdefizit, Nachtschichten und Zeitverschiebungen schaden unserer Gesundheit.

Das gilt auch für Schichtarbeit?

Ganz besonders sogar. Eine Modernisierung der Schichtarbeit ist dringend nötig. Die Chronobiologie macht hier gute Vorschläge. Außerdem müssen Schichtzulagen abgeschafft werden, Schichtarbeiter müssen besser entlohnt werden, damit sie auf Nacht- und Wochenenddienste nicht mehr angewiesen sind. Statt Schichtzulagen sollte es Freizeitausgleich geben.

Letzte Frage: Warum ist man umso müder, je länger man schläft?

Dafür gibt es zwei Erklärungen. Schläft man morgens im Alltag mal länger, kann es passieren, dass Blutdruck und Aufmerksamkeit schon wieder abgenommen haben, da der Körper ein früheres Aufstehen gewohnt ist. Es kann dann etwas dauern, bis wir wieder wach werden. Im Urlaub kann es daran liegen, dass unser Erregungssystem nicht so aktiv ist und wir ohne die permanente Anspannung einen besseren Zugang zu unserer Schlafregulation haben. So wird uns auf einmal deutlich, wie müde wir tatsächlich sind.

„Wake up! Aufbruch in eine ausgeschlafene Gesellschaft“ von Peter Spork ist im Hanser Verlag erschienen und kostet 18,90 Euro.

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