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Jo Malone : Ihre Duftmarken

Jo Malone ist jetzt wieder da, wo sie im Alter von 16 Jahren Delikatessen verkauft hat. Mit dem Unterschied, dass ihr der Laden in Belgravia nun gehört. Bild: Getty

Mit dem Unternehmen Jo Malone hat seine Gründerin Jo Malone nichts mehr zu tun. Beim Treffen in London erzählt sie, warum sie auch „Bluthund“ genannt wird und wie sie nach langer Pause noch einmal neu startete.

          Jo Malone hat eine übermenschlich gute Nase. Ihr Ehemann war vor Jahren schwer krank. Die Ärzte fanden nichts, aber Jo Malone roch etwas an seinem Hals. Sie berichtete davon auch den Ärzten. „Aber die nahmen das nicht ernst.“ Später stellte sich heraus, dass das, was sie gerochen hatte, ein Symptom von Adrenalinversagen war. Der Stoff, den der Körper ausschüttet, ist nicht stark, nur mit einer außergewöhnlich feinen Nase wahrnehmbar. „Auch der Hund ist immer wieder an seinen Hals gegangen“, sagt Jo Malone. „In dem Moment wurde mir klar: Ich kann riechen wie ein Hund, aber ich kann das artikulieren.“

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jo Malone übertreibt nicht: Sie ist fähig zur Synästhesie, bei der verschiedene Sinne gemeinsam Eindrücke wahrnehmen. Dank ihrer neurologischen Disposition kann sie also Farben riechen und Aromen sehen. „Zum Beispiel Ihr Pullover: Ich sehe Himbeer-Haut und den Geruch von weißem Pfirsich.“ Wenn sie ein Glas Wein trinkt oder ein Lied hört, dann kommt auch der Geruch. „Ich kann Regen riechen, bevor er da ist, und Angst. Sie riecht süßlich, nicht wie Schweiß, anders.“ Daher also ihr Spitzname: Bluthund.

          Jo Malone ist 55 Jahre alt und Britin. Die Welt nimmt sie maßgeblich durch ihre Nase wahr. Vor Jahren, mit gerade mal Mitte 20, ermöglichte ihr die Nase die Unabhängigkeit eines eigenen Dufthauses. Wegen dieser Nase hatte sie schnell Macht, Einfluss, Geld – und zwei Verdienstorden von der Queen, erst MBE (Member of the Order of the British Empire) 2008, dann CBE (Commander of the Order of the British Empire) 2018.

          Jo Malone ist heute auch der Name einer Sammlung von Duftkerzen und Parfums in cremeweißen Kisten. Eine Marke. Die Frau Jo Malone hat damit nichts mehr zu tun. Das von ihr 1994 am Küchentisch gegründete Unternehmen verkaufte sie fünf Jahre später an Estée Lauder. Danach hätte sie es sich für den Rest ihres Lebens bequem machen können.

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          5 Jahre fremd-fühlen

          Denn die einzige Auflage, die Estée Lauder ihr gab, lautete: sich in den kommenden fünf Jahren keiner Parfum-Verkaufstheke zu nähern, geschweige denn zu arbeiten oder ein Konkurrenzunternehmen zu gründen. Dafür bekam sie in diesen Jahren viel Geld, fürs Nichtstun. Einer der größten Kosmetikkonzerne der Welt wusste, dass ihm diese Frau und ihre Nase gefährlich werden könnten. Vor vier Jahren eröffnete sie einen Laden in Belgravia, einem der schönsten und teuersten Stadtteile Londons. Er trägt nicht den Namen Jo Malone, den ließ sie ihrem alten Unternehmen. Sie kümmert sich jetzt um Jo Loves, die zweite Marke, die sie gegründet hat.

          Dafür kommt sie an diesem sonnigen Vormittag auch zur Tür herein, mit ihrem Schnauzer Teri an der Leine. Sie trägt einen schwarzen Rollkragenpullover, darunter ein buntes Kleid. Selbst ihr Hund duftet – sie badet ihn manchmal in Pomello, dem ersten Produkt, das sie unter dem neuen Markennamen entworfen hat.

          Wenn Jo Malone von ihrem Fünf-Jahres-Sabbatical erzählt, klingt das, als hätte sie die Zeit überstehen müssen. „Die ersten sechs Wochen saß ich am Strand und dachte: ,Okay, du bist in einer Sozialsiedlung aufgewachsen, du hast viel gearbeitet, genieß das jetzt mal.' Und die ersten zwei Wochen waren auch wirklich herrlich. In Woche drei und vier kribbelte es mir schon in den Fingern, und mit Anbruch der sechsten Woche wusste ich, dass es schlimm werden würde. Fünf Jahre lang so ein Leben?“

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