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Süßer Herzschmerz : Wie Gefühle mit unserem Essverhalten zusammenhängen

Bedürfnisbefriedigung to go: Eis gibt uns einen kurzfristigen Kick. Bild: Martin Parr/Agentur Focus/Magnum Photos

Gefühle steuern das Essverhalten in der Wohlstandsgesellschaft oft stärker als Hunger. Doch wir sind unseren psychischen Befindlichkeiten nicht ausgeliefert.

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          Der Spruch „Sage mir, was du isst, und ich sage dir, wer du bist" enthält viel Wahres. Nehmen wir zum Beispiel Bridget Jones, die berühmteste Roman- und Filmfigur, wenn es um sogenannten Herzhunger geht, also darum, wie Gefühle unser Essverhalten beeinflussen. Wenn ihre liebeskummergeplagte Seele es verlangt, verzehrt Bridget Jones bereits zum Frühstück Schokolade, und auch Eis dient ihr oft als trostspendende Zuckerbombe.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Eiscreme, Chips und Schokolade sind Garanten für gute Laune, zumindest kurzfristig, was an ihrem hohen Fett- und Zuckergehalt liegt. Die Kombination aus Fett und Kohlenhydraten führt über hormonelle Regelprozesse zu einer sofortigen Ausschüttung des Glückshormons Dopamin, das schmerzmindernde Endorphine freisetzt. Besonders in kohlenhydratreicher Kost ist Tryptophan enthalten, eine Aminosäure und Vorstufe von Serotonin. Hinzu kommen sensorische Gründe wie das Schmelzen auf der Zunge, das wir besonders gern mögen, auch, weil es uns ablenkt. Die Beschäftigung mit wechselnden Konsistenzen - man denke an Eis mit cremig-knuspriger Konsistenz - beansprucht die Aufmerksamkeit. Diese Art von Essen hilft also nicht nur gegen schmerzliche Gefühle, sondern befreit auch von Langeweile. Schokolade enthält auch die euphorisierend wirkenden Substanzen Phenylethylamin und Anandamid sowie die anregenden Stoffe Theobromin und Koffein. Was das Tryptophan betrifft, ist die euphorisierende Wirkung allerdings nur dann zu erreichen, wenn wir im Blut eine hohe Konzentration erreichen, wofür wir 250 Kilogramm Schokolade essen müssten, was nicht einmal Bridget Jones gelingen dürfte.

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