https://www.faz.net/-hrx-7xrx3

Langes Eheglück : Ich bin viel du geworden

  • -Aktualisiert am

Wie ein Baum, den man nicht so leicht herausreißen kann: die Ehe von Irmgard und Dieter Fath. Sie sind seit 47 Jahren verheiratet. Bild: Röth, Frank

Wie funktioniert das mit der Liebe zu einem anderen Menschen, die ein Leben lang hält? Unser Autor trifft vier Paare, die es wissen müssten. Oder nicht?

          14 Min.

          Sich auf immer Liebe schwören – das gehört zu den aufregendsten Dingen, die man tun kann. Ähnlich wie Fallschirmspringen oder Freiklettern, könnte man sagen. Die Liebe ist ein Zauber des Augenblicks, etwas, das uns für einen Moment aufs Heftigste bewegt und dann allmählich abklingt. Als „ewige“ ist sie ein Mythos. In der Ehe, so eine alte These, ist Liebe nicht möglich. Der Fallschirmspringer ist irgendwann unten. Der Kletterer hat irgendwann den Gipfel erreicht. Ehen werden zur Routine oder geschieden. Das sagt auch die Statistik.

          Doch da ist eine Dunkelziffer, eine gar nicht so kleine Zahl an Paaren, die im Anschluss an das Jawort statistisch nicht mehr auffällig werden, die der Tod scheidet, kein Richter. Schade eigentlich, dass keine Erhebung verrät, wie viele von ihnen sich bis zum Schluss geliebt haben. Irgendwer sollte darüber Buch führen. Denn vermutlich, weil es einfacher ist, die Geschiedenen zu befragen als die Toten, hört man darüber recht wenig. Bleiben also die Lebenden, diejenigen, die schon „fast ewig“ verheiratet sind. Haben sie – im Gegensatz zu den Geschiedenen – ein Geheimnis? Eine Glücksformel, die sie, ohne sich dessen bewusst zu sein, gefunden haben?

          Der Schauspieler Siegfried Rauch und seine Frau Karin, 50 Jahre verheiratet, der Psychoanalytiker und Bestsellerautor Irvin Yalom und seine Frau Marilyn, 60 Jahre verheiratet, das Ehepaar Irmgard und Dieter Fath, 47 Jahre verheiratet, das Ehepaar Annemarie und Josef Gold, 59 Jahre verheiratet, stellten sich der Neugier eines Journalisten, dessen Ehe nach zwei Jahren geschieden wurde.

          Unerträglich, der Gedanke, voneinander getrennt zu sein: Josef und Annemarie Gold, seit 59 Jahren verheiratet.

          „Ich merke, worauf Sie hinauswollen“, winkt Josef Gold ab, „mit diesem Artikel, den Sie über Achtzigjährige schreiben, die so lange verheiratet sind. Sie wollen wissen, was man tun muss, um so lange miteinander glücklich zu sein. Aber da machen sie sich viel zu viel Arbeit. Die Antwort ist: Da gibt es kein Rezept.“

          Auch aus seiner langjährigen Erfahrung als Psychotherapeut nimmt Irvin Yalom dem Projekt „Glücksformel“ erst einmal den Wind aus den Segeln: „Ehen sind genauso individuell wie Eheleute. Wenn ich mit ihnen arbeite, sind es auch nur die offensichtlichen Handlungsweisen, die sich verallgemeinern lassen. Zum Beispiel, ob man sich für die Gefühle des anderen interessiert, ob man sich gegenseitig respektiert und Sorge füreinander trägt.“

          Yalom nennt einige der Zeichen, an denen man Liebe erkennt: Toleranz, Respekt, Verantwortungsgefühl und so weiter. Wahrscheinlich deshalb, weil sie das Offenkundige sind, zielen die ersten (und meist auch nervigsten) Ratschläge auf sie ab, wenn man die Liebe verliert und nach ihr sucht: „Du musst toleranter sein, du musst mehr Mitgefühl zeigen.“ Das lässt sich bis ins Lächerliche weitertreiben: „Du musst ihr halt auch ab und zu ein paar Blumen mitbringen.“ Das können keine Rezepte sein, schon weil man all das in einer Ehe ja erst aus Liebe tut. Und wenn man es nicht aus Liebe tut, sondern aus der Pflicht, in einer Ehe Zeichen der Liebe setzen zu müssen, dann können solche Zeichen auch nicht helfen, die Liebe zu finden.

          Karin Rauch lernte Siegfried 1956 kennen, da war sie 16 Jahre alt, er 24. „Ich war ganz wild auf Tanzen, und meine ältere Schwester nahm mich oft mit ins Staffelseehotel, wo Siggi als Gitarrist in einer Band spielte. Manchmal wollte meine Schwester früher gehen als ich, und sie bat dann Siggi, mich nach Hause zu bringen. Er schob sein Rennrad neben mir her. Er kannte all die Texte der amerikanischen Schlager auswendig. Einmal fragte ich ihn, ob er noch reinkommen wolle auf ein Glas Milch und ein Stück Hefezopf.“

          Weitere Themen

          Er zeigt gern seine kleine Plauze

          Herzblatt-Geschichten : Er zeigt gern seine kleine Plauze

          30 Jahre Mauerfall – das ist auch für viele Illustrierte ein Grund zurückzublicken und neue historische Erkenntnisse zu liefern. Die Gegenwart erfreut uns derweil mit Plauzen und anderen Tragödien. Unsere Herzblattgeschichten.

          Topmeldungen

          Emmanuel Macron und Ursula von der Leyen am 12. November in Paris

          Anhörungen im Parlament : Tag der Wahrheit für Ursula von der Leyen

          An diesem Donnerstag entscheidet sich, ob Ursula von der Leyen als Kommissionspräsidentin am 1. Dezember antreten kann. Wird sie zum Opfer eines Kleinkriegs zwischen den Europaabgeordneten und Macron? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Treffen in Washington : Trumps Lob und Erdogans Tadel

          Der Versuch des amerikanischen Präsidenten, die Probleme mit der Türkei wegzulächeln, misslingt. Der Gast aus Ankara zeigt in Washington kein Entgegenkommen – und führt Trump zuweilen vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.