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Langes Eheglück : Ich bin viel du geworden

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Irmgard: „Das sind die ersten Gedanken. Mein erster Gedanke ist es, mit den Enkeln wegzufahren. Dieters erster Gedanke ist es, zu zweit wegzufahren. Der zweite Gedanke gilt dann aber schon dem anderen. Wir kennen uns so lange, dass wir wissen – wir sind da verschieden. Das heißt, mit dem zweiten Gedanken arbeiten wir schon aufeinander zu. Man ist in Gedanken bei sich, dann beim anderen.“

Ehen sind so individuell wie Eheleute

Das ist etwas, das immer wieder neu geleistet werden muss. Deshalb stimmt es, was Annemarie Gold sagt, über das Du-Werden des Ich. Deshalb sagen auch alle Paare, ihre Liebe sei etwas lang Gewachsenes.

Die Rauchs waren lange verliebt und ließen sich viel Zeit mit dem heiraten, die Golds heirateten recht schnell und hatten eigentlich keine Phase des Verliebtseins. Die Rauchs vermissten sich oft, die Golds und die Faths wichen einander so gut wie nie von der Seite, während die Yaloms viel Freiraum brauchen. Die einen rückten die Kinder in den Mittelpunkt ihres Lebens, die anderen nicht. Die eine Ehe war von großen Veränderungen geprägt, die andere war wie ein ruhiger Fluss. Deswegen spricht Psychotherapeut Irvin Yalom davon, Ehen seien genauso individuell wie Eheleute.

Aber da ist auch etwas, was diese vier Paare gemeinsam haben. In der Art und Weise, wie sie miteinander umgehen. Empathie und Vertrauen – eine Dynamik, in der Liebe wächst. Wer an so was glaubt, findet hier vielleicht sogar die gesuchte „Glücksformel“. Funktioniert dieses Wechselspiel, dann bleibt wohl das meiste, was auf der Ebene der Ehe- und Lebensführung geschieht, ohne Einfluss auf die Liebe. Wenn sich die gemeinsamen Interessen ändern, weil man manches nicht mehr mag oder kann, wenn man nach Jahren zusammenzieht und vorher getrennt war, selbst wenn sich die Lebensumstände gravierend verändern, etwa durch Krankheit – das scheint diese Ehen überhaupt nicht anzufechten.

Etwa, wenn Dieter Fath nachdenklich wird: „Nach meiner Prostataoperation hat sich unser Eheleben schon verändert...“ Und seine Frau entschieden gegen das Gegrübel aufbegehrt: „Unsere Liebe, die Empfindung füreinander, hat das überhaupt nicht beeinflusst! Wir können heute viele Dinge nicht mehr tun, die wir früher taten. Wenn man jung ist, lässt man sich davon noch beeindrucken. Wie gut du damals Ski gefahren bist, und du hattest auch mehr Haare auf dem Kopf. Was soll’s, wenn die Äußerlichkeiten von früher verschwunden sind. Die Wertschätzung füreinander ist geblieben.“

Diese Ehen sind alle sehr alt, gehören, wenn man so will, einer anderen Generation an. Was da gewachsen ist, wuchs über 50 und mehr Jahre. Sind die Bedingungen der Gegenwart nicht andere? Es heißt oft, die Ehe sei ein Auslaufmodell. Aber das ist auch nur eine Spekulation. Wenn man wissen will, was die Ehe taugt, muss man in die Vergangenheit schauen. Was die Ehen taugen, die heute geschlossen werden, wissen wir ja noch nicht. So mag der Eindruck entstehen, lebenslange Liebe, das gab es nur unter denen, die vor uns lebten. Ob es heute wirklich nicht mehr möglich ist, sich ein Leben lang zu lieben? Keine Ahnung. Jemand sollte das ausprobieren.

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