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Langes Eheglück : Ich bin viel du geworden

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Wenn Dieters Mutter einen Keil zwischen ihn und Irmgard treiben wollte, so hat ihr Verhalten auf lange Sicht das Gegenteil bewirkt. Weil durch diese prägenden Erlebnisse ihnen das auch sehr bewusst ist, können die Faths vielleicht helfen, genauer zu fassen, was diese „richtige“, die gewachsene und feste Liebe ist. Denn offenbar spielt die Bereitschaft, sich durch den anderen verändern zu lassen, dabei eine große Rolle. Und diese Bereitschaft findet nur, wer Vertrauen hat.

„Ich bin viel du geworden, und du bist viel ich geworden“, sagt auch Annemarie Gold. Selbst wenn man nicht so vollkommen miteinander verschmelzen muss wie die Golds, so liegt doch eine Bedingung ewiger Liebe in diesem Satz. Man muss sich in das „Wir“ fallen lassen können. Das fällt auch bei den anderen Paaren auf, dass der einzelne sorglos um sich selbst ist. Nicht als gäbe man etwas von sich ab, indem man sich auf den anderen einlässt, sondern als würde man bestärkt: das „Wir“ als Zugewinn.

Siegfried Rauch sagt: „Das ist ja das Schöne daran. Man lernt, was man selbst dazutun kann, um miteinander glücklicher zu sein als allein für sich. Das ist ein Gefühl, das viele gar nicht kennen. Die streiten sich zwei-, dreimal, und dann rennen sie auseinander. Dann findet man die Nächste oder den Nächsten, streitet wieder und gibt wieder auf. Auf diese Weise macht man nie die Erfahrung, wie sich das anfühlt, ein gemeinsames Dasein aufzubauen.“

Karin: „Auch wenn man im Augenblick denkt, das halte ich nicht aus, das ertrage ich keine Minute länger, ich muss hier weg – von solchen Gefühlen darf man sich nicht überwältigen lassen.“

Vertrauen ist nur die eine Hälfte der Formel

Vertrauen ist aber eben nur die eine Hälfte der Formel. Karin Rauch deutet schon an, dass Vertrauen auch mal enttäuscht werden kann. Auch diese langen Ehen sind nach fünfzig, sechzig Jahren keineswegs immun gegen Verletzungen. Damit Liebe in Gang kommt, muss etwas das Vertrauen immer wieder erneuern. Man kann sich in das „Wir“ nur fallen lassen, wenn man auch weiß, man ist dort gut aufgehoben. Dieses Aufgehobensein kommt nicht von selbst. Deshalb sagt Karin Rauch, Ehe sei Arbeit, man arbeite viel aneinander und miteinander.

Annemarie Gold erklärt das so: „Man kann keinen Alleingang machen, was das gemeinsame Leben betrifft. Auch wenn wir tagsüber eine Meinungsverschiedenheit hatten – wir beten abends zusammen und das heißt auch füreinander. Egal, wie sehr wir uns gestritten haben, wir gehen keinen Abend ins Bett, ohne dass wir uns wieder gut sind.“Mag sein, dass jedes Paar da andere Rituale entwickelt hat. Aber immer ist da ein „Ich sorge mich um dich“ wie ein Echo auf das „Ich vertraue dir“.

Das ermöglicht diesen Paaren, Konflikte in den Griff zu bekommen. Bei Dieter und Irmgard Fath ist das so eingespielt, dass sie auf Anhieb gar nicht sagen können, wie das bei ihnen funktioniert, sich bei Meinungsverschiedenheiten zu einigen.

Dieter: „Viel verhandeln müssen wir nicht. Wir kennen uns ja nun eine Weile und sind mit den Bedürfnissen des anderen vertraut. Zum Beispiel meine ich, wir beschäftigen uns den großen Teil unserer Zeit mit anderen und haben oft zu wenig Zeit für die Zweisamkeit. Wenn ich sage, komm, lass uns das Wohnmobil nehmen und wegfahren, sagt Irmgard, ja, aber nehmen wir die Enkel mit, das macht ihnen bestimmt auch Spaß. Dann ist das erst einmal entgegengesetzt zu dem, was ich im Sinn hatte.“

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