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Langes Eheglück : Ich bin viel du geworden

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Während das „Wir“ der Golds ein sehr kontinuierliches ist, ist das „Wir“ der Yaloms ein dynamisches. Während die Golds Abstand voneinander wie eine Verletzung wahrnehmen, brauchen ihn die Yaloms, um einander Inspiration zu sein. Während die einen darauf achten, sich in der Ehe Freiheit zu lassen, finden andere sie gerade dort. Bei Irmgard und Dieter Fath war das so. Und auch wenn ihre Ehe wiederum von ganz anderen Motivationen zeugt, so beschreiben die Faths ihre Liebe exakt so wie die Paare zuvor – als gewachsen und fest.

Irmgard: „Unsere Liebe ist wie ein Baum, den man nicht so leicht herausreißen kann. Liebe muss Wurzeln bekommen. So empfinde ich es, als umfassend und fest. Das Verliebtsein ist etwas Unstetes, mal so, mal so. Sein Reiz ist das Ungewisse – liebt er mich, liebt er mich nicht? Wie ein Schmetterling.“

Dieter: „Aber Liebe erreicht nach vielen Jahren eine ganz andere Dimension.“

Irmgard und Dieter Fath lernten sich 1965 auf einer Skifreizeit in Madonna di Campiglio kennen.

Irmgard: „Dieter wachste meine Ski, da muss es wohl passiert sein.“

Als sie zwei Jahre später heiraten wollten, gab es erste Probleme.

Imrgard: „Dieters Mutter verlangte, dass ich zum katholischen Glauben konvertiere. Das war für mich schwer. Ich empfand diese Bedingung als hart und unfair. Mein Vater war Schuldirektor, und ich kannte es von zu Hause, dass hin und wieder der katholische Pfarrer und hin und wieder der evangelische Pfarrer zum Essen kam. Als Dieters Mutter sagte: ,Nein, ausgeschlossen, nur katholisch‘, da war ich wie vor den Kopf gestoßen.“

Dieter: „Für uns beide, Irmgard und mich, ist der Glaube sehr wichtig. Aber nicht so, als Frage der Konfession. Wir gehen in jede Kirche mit der gleichen Freude, Christ zu sein. Meine Eltern brachten es aber immer wieder dahin, dass ich mich entscheiden sollte, ob ich nun zu ihnen halte oder zu Irmgard. Ich glaube, unsere Beziehung wäre damals aufgerieben worden, wenn ich mich zwischen die Stühle gesetzt und versucht hätte, da eine Annäherung zu erzielen. Stattdessen habe ich mich auf die Seite Irmgards gestellt. Monatelang herrschte Funkstille.“

Schwierigkeiten der Heirat und des Glaubens

Irmgard: „Ich bin dann konvertiert. Es hat meine Liebe zu Dieter ja nur bestärkt, als ich sah, welchen Druck seine Eltern auf ihn ausübten und wie er zu mir hielt.“

Damit war die Sache aber noch nicht ausgestanden. Dieter war als Einzelkind aufgewachsen, und seine offenbar sehr besitzergreifende Mutter entwickelte eine immer stärkere Eifersucht gegen Irmgard.

Irmgard: „Anfangs haben wir sie noch gemeinsam besucht und im Garten mitgeholfen, die Fenster geputzt. Aber alles, was ich tat, war falsch und schlecht. Ich ging zu einer Seelsorge, und die Schwester meinte, ich solle den Kontakt zu meiner Schwiegermutter abbrechen. Das tat mir gut.“

Zusammen fanden Irmgard und Dieter Freiheit in dem, was ihnen beiden wichtig war, im Glauben. So bildete sich das tiefe Vertrauen aus, das sie heute für einander empfinden.

Dieter: „Beobachten wir heute Engstirnigkeit bei unseren Kindern, oder verhalte ich mich so, heißt es bei uns: ,Typisch Fath.‘ Das reicht eigentlich schon. Dann sagt man zu sich, so will ich gar nicht sein, wie meine Mutter. Der Ehepartner ist da wie ein Korrektiv. Er erinnert einen, wer man selbst sein will. Gerade im Alter ist das wertvoll. Das ist etwas, was zur Liebe dazugehört. Nicht, dass man sich gegenseitig steuert, aber doch zum Nachdenken bringt: Wer will man sein, wie will man sein?“

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