https://www.faz.net/-hrx-7xrx3

Langes Eheglück : Ich bin viel du geworden

  • -Aktualisiert am

Annemarie: „Aber wir begannen, uns in der Zeit zu vermissen, die wir nicht miteinander verbrachten. Irgendwann haben wir uns gegenseitig das Herz ausgeschüttet.“

Zwei Jahre nach ihrer ersten Bekanntschaft heirateten Annemarie und Josef, zu diesem Zeitpunkt hatten sie einen der beiden Motorroller verkauft.

Josef: „Wir setzten uns auf die verbliebene Lambretta und fuhren nach Rom. Das war unsere Hochzeitsreise.“

Annemarie: „Fünf Wochen waren wir unterwegs.“

Ein intaktes Familienleben als Elixier für eine gute Ehe

Noch im gleichen Jahr kam ihr Sohn zur Welt, doch da es zehn Jahre nach Kriegsende schwierig war, in Frankfurt eine intakte Wohnung zu finden, lebten die Golds anfangs getrennt. Als 1957 ihre Tochter unterwegs war, konnten sie in eine Firmenwohnung ziehen, die sein Arbeitgeber ihm zuteilte. Von null auf hundert ins Familienleben zu springen, das hätte für ein junges Liebespaar, das vorher noch nicht zusammengelebt hatte, eine Bewährungsprobe sein müssen. Josef und Annemarie streiten das ab.

Josef: „Ich kann nicht sagen, dass die Kinder unser Zusammensein verändert haben.“

Annemarie: „Der Spaß, den wir zu zweit gehabt hatten, den hatten wir jetzt zu viert. Die Kinder standen bei uns im Mittelpunkt, aber bei uns beiden. Keiner von uns musste sich vernachlässigt fühlen.“

Josef: „Einmal spielte ich mit den Kindern Zirkuspferd, und als ich sie absetzte, riefen sie Mama soll auch reiten. Also nahm ich Annemarie auf die Schultern. Da klingelte es an der Türe. Schnell setzte ich Annemarie auf dem halbhohen Geschirrschrank ab und öffnete. Es war die Nachbarin. Sie sah Annemarie an, die auf dem Schrank saß, dann mich. Dann fragte sie: Alles in Ordnung?“

Bis heute hat sich das Eheleben der Golds kaum verändert. Den Platz, den früher die eigenen Kinder einnahmen, füllen jetzt die Enkel und die Nachbarskinder aus, die häufig vorbeischauen. Man möchte zweifeln, ob sie wirklich ein Liebespaar sind oder einfach nur zwei gesellige Menschen, die sich gefunden haben. Aber das sehen sie anders. Man müsse zwischen Verliebtsein und Liebe unterscheiden, sagen sie.

Annemarie: „Unser Sohn ist geschieden, unsere Tochter ist verheiratet und hat zwei Kinder. Auch die Enkel sind mit uns groß geworden. Ich denke, wenn unser Sohn mit seiner Frau Kinder gehabt hätte, wären sie sicher auch noch zusammen. Irgendwann muss das Liebespaar zur Familie werden, als erreichte die Liebe eine neue Stufe. Kinder machen auch aus dem Liebespaar etwas Neues, Eltern.“

Man meint, das sagten die Golds, weil sie im „Wir“ und in der Familie so vollständig aufgegangen sind, weil sie regelrecht verschmolzen sind.

Liebe wächst erst und wandelt sich

Aber die Rauchs, deren Ehe so ganz anders verlief, teilen diese Ansicht.

Karin: „Das ist eine ganz andere Liebe, die daraus entsteht, dass man so viel miteinander erlebt und miteinander geteilt hat – und auch, dass man Streit zusammen durchgestanden hat. Es gab eine Phase, da waren wir so sehr verliebt, dass es belastend war. Es hatte etwas Weinerliches. Wenn Siggi wegfuhr und ich stand am Zug, fühlte ich mich ganz elend. Beim Briefeschreiben, beim Telefonieren schwang immer Melancholie mit. Das war so unfrei. Das ist inzwischen ganz anders, ruhiger und ausgeglichener.“

Weitere Themen

Alle wissen: Ich bin Single

Herzblatt-Geschichten : Alle wissen: Ich bin Single

Für Otto Walkes sind Scheidungen erfolgreich abgeschlossene Ehen, die Queen hilft mit ihrer Wohltätigkeitsorganisation vor allem sich selbst und Thomas Gottschalk greift Dieter Bohlens Hautmentalität an. Die Herzblatt-Geschichten.

Topmeldungen

Bildungsministerin Karliczek : Die Unterfliegerin

Bildungsministerin Anja Karliczek gilt als ungeschickt, die Länder wollen sie in der Debatte um Bildungszusammenarbeit sogar ausbooten. Sie macht trotzdem weiter. Ein Porträt.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.