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DM-Chef im Interview : „So eine Krise macht halt ehrlich“

„Online-Shopping könnte einen echten Schub bekommen“, Christoph Werner in einem dm-Markt in Karlsruhe. Bild: Frank Röth

Hamstern, sich um den Planeten sorgen, Brot backen: Was Christoph Werner, Chef der Drogeriemarktkette dm, über Menschen und Kaufentscheidungen gelernt hat.

          6 Min.

          Herr Werner, welchen Stellenwert hatten Hamsterkäufe vor der Corona-Zeit, und wie hat sich dieser im Laufe der Wochen verändert?

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Hamsterkäufe, oder Bevorratungskäufe, um den etwas wertfreieren Begriff zu verwenden, sind eigentlich kein typisches Phänomen in Deutschland. Menschen hier sind es gewohnt, dass sie sich darauf verlassen können, Waren im Einzelhandel verlässlich vorzufinden. Deshalb kommen in Deutschland Bevorratungen eigentlich vor allem dann vor, wenn es besonders knackige befristete Preisabschläge gibt.

          Sonderangebote.

          Das ist dann aber beschränkt auf einen Einzelhändler und zeitlich klar begrenzt. In der Kriegsgeneration war Bevorratung hingegen als Vorsorge noch eher üblich. Die Nachkriegsgeneration hat so etwas hingegen eigentlich nie gekannt.

          Ihre Großeltern waren schon Drogisten. Fallen Ihnen Beispiele aus dieser Zeit ein?

          Ein Moment, von dem ich aus Erzählungen von Bevorratungen im größeren Stil weiß, war die Kuba-Krise 1962. Damals haben ja viele noch die entbehrungsreichen Kriegszeiten gekannt, und es ging vor allem um Grundnahrungsmittel. Was wir jetzt im Zusammenhang mit der Corona-Krise erlebt haben, ist selbstverständlich nicht zu vergleichen mit der Sorge vor kriegerischen Auseinandersetzungen und einer weitgehenden Zerstörung der Infrastruktur. Trotzdem: Menschen hatten plötzlich das Gefühl eines Kontrollverlustes. Sie wussten nicht mehr, was genau auf sie zukommt. Und da Einzelne angefangen haben, sich zu bevorraten, und Logistikketten auf eine recht stabile Nachfrage ausgelegt sind, haben Menschen erlebt, dass in den Märkten weniger Produkte zur Verfügung standen. Viele haben sich dann gesagt: Oh, da passiert ja wirklich was! So kam es zu diesem Breitenphänomen. Ein Effekt, der zwar reichlich irrational ist, aber eine reale Auswirkung hatte.

          Besonders beim Toilettenpapier.

          Dass Toilettenpapier plötzlich so gefragt sein würde und fast zu einem Luxusgut erhoben wurde, damit hätte nun mal keiner gerechnet. Toilettenpapier in Deutschland, das war schon ein Phänomen. Es gab überhaupt keinen rationalen Grund, sich so zu bevorraten. Covid-19 ist ja keine allgemeine Magen-Darm-Verstimmung. Natürlich, die Menschen waren nun zu Hause und mussten mehr für den häuslichen Verbrauch kaufen. Aber sich so zu bevorraten und davon auch gar nicht abzulassen, das war schon überraschend. Das hat angehalten, bis die Lockerungen in Aussicht gestellt wurden. Und jetzt wird erst mal kräftig aufgebraucht.

          In dem dm, in dem ich einkaufe, waren vor einigen Wochen zum Beispiel auch Lockenstäbe und Nagellackentferner vergriffen. Wie erklären Sie sich das?

          Die Friseursalons hatten geschlossen, und so eine Krise macht halt ehrlich. Das gilt auch im Hinblick auf die natürliche Haarfarbe. Je mehr Zeit verging, umso mehr ist die natürliche Haarfarbe sichtbar geworden. So gab es einen Anstieg beim Verkauf von Colorationsmitteln und von Tönungen für die Haaransätze. Aber auch bei Haarscheren, Frisierbürsten, Kämmen, Lockenstäben. Die Ausstattung eines Friseursalons war plötzlich für zu Hause gefragt.

          Was läuft noch gut in der Krise?

          Lebensmittel natürlich, Nudeln, Tomatensauce, Mehl, Trockenhefe. Auch alles, was zum Waschen und Reinigen gehört. Die Menschen haben zu Hause mal wieder Großputz gemacht, Zeit war ja da. Und nicht zu vergessen: Desinfektionsmittel.

          Hygiene, Putzen, Essen und dann auch noch die Ausstattung für den Trend zum Backen des eigenen Brots. Das klingt so, als wären die Drogeriemärkte echte Krisengewinner.

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