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Kurt Cobain 1993 in Los Angeles auf dem Weg zu einer Preisverleihung Bild: dpa

Kurt Cobain, Marilyn Monroe : Warum sammeln Menschen Haare von Verstorbenen?

12.000 Euro für eine Strähne von Kurt Cobain: Wie das Sammeln von Haaren Leuten dabei hilft, sich geliebten oder verehrten Menschen näher zu fühlen.

          5 Min.

          Fredi war für mich kaum mehr gewesen als ein Name. Friedrich Karl, genannt Fredi, der ältere Bruder meines Vaters, eingezogen von der Wehrmacht, bald darauf an die Front geschickt, verschollen 1944. Mit 19 Jahren. Ab und an hatten ich mal ein paar Fragen gestellt über ihn, doch nie hatte sich das wenige, was ich wusste, gerundet zu einem Bild, welches mehr war als ein Name und ein mir von Fotos bekanntes Gesicht. Bis eines Tages – als Leihgabe meiner Cousinen, der Töchter meines anderen Onkels – in der Wohnung meiner Eltern der Karton mit den Briefen stand.

          Jörg Thomann
          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es war seltsam und zugleich berührend, diese Briefe meines Onkels zu lesen, dem ich nie begegnen konnte und der, als er sie aus der Kaserne und später vom Feld aus an seine Eltern schrieb, so viel jünger war, als ich es heute bin. Fredi war augenscheinlich ein selbstbewusster junger Mann, der sich mokierte über den stumpfen Soldatenalltag und die schikanösen Strafen. Mit Freude las ich, dass er die Leute von der Hitlerjugend „Idioten“ schimpfte, mit Beklemmung, dass er sich aus Meißen, wo er stationiert und wo aus seiner Sicht nichts los war, an die Front sehnte, um endlich etwas zu erleben. Mit einem Mal hatte Fredi, der verlorene Onkel, für mich eine Stimme gewonnen.

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