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Kot-Emojis in Südkorea : Ein Haufen Glück

  • -Aktualisiert am

Häufchen gibt’s in Südkorea nicht nur als Emojis. Bild: Screenshot/Instagram

Als Gebäck, als Hut, als Emoji: Kot ist in Südkorea omipräsent. Warum man dort eine andere Beziehung zum Häufchen hat.

          Plötzlich ploppte es überall auf: in Whatsapp-Chats, als Kuscheltier auf dem Jahrmarkt oder als Salzstreuer in Souvernir-Shops: das lächelnde Kack-Emoji. In Südkorea ist „Ddong“ (똥, zu deutsch „Kacke“) allgegenwärtig. Große Haufen-Skulpturen, mit bunten Mosaiksteinchen besetzt, zieren öffentliche Plätze in Seoul. „Ddong-Bbang“ („Kacke-Brot“), ein haufenförmiges Gebäck, gefüllt mit süßer roter Bohnenpaste, gilt als beliebter Streetfood-Snack. Und das „Poop Café“ in Seouls Touristengegend Insadong zelebriert das Exkrement ganzheitlich: Hier isst man Bolognese aus Minitoiletten, kann sich Plüschkot auf den Kopf setzen und bekommt statt einem Herz einen Haufen in den Milchschaum gezeichnet.

          Im „Poopooland“, einem dreistöckigen Themenpark, der sich ganz allein der Darmausscheidung widmet, können sich die Besucher im begehbaren Verdauungstrakt austoben, eine Pupsmaschine bedienen und Selfies vor einem gigantischen Hintern schießen, der gerade sein Geschäft vollendet.

          In Deutschland dagegen thematisiert man Kot nicht ohne Not. Hier gibt es zwar auch Bücher zum Thema, wie Werner Holzwarths Kinderbuch „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“. Kot hat aber hier keine eigene Seele. In Koreas Bestseller „Gangaji Ddong“ (Hundekacke) dagegen spielt das kleine braune Würstchen selbst die Hauptrolle. Nachdem es von einem Hund ausgeschieden wurde, wandert es traurig durch die Welt, wird von anderen Lebewesen abgelehnt und sucht den Sinn des Lebens. Am Ende erfährt es das eigene Potential, indem es einer kleinen Knospe hilft, zu einer schönen Blume zu wachsen.

          Häufchen, die glücklich machen, sieht man in Südkorea sowohl als Gebäck, als auch als Kopfbedeckung.

          Die Filmemacherinnen Katti Jisuk Seo und Finnja Willner nehmen die koreanische Würdigung von Kot genauer unter die Lupe. Ihr Dokumentarfilm „How About Having a Fascination of Mind“ zeigt die wertschätzende Implementierung von Kot in der koreanischen Sprache auf. So heißt Sternschnuppe „ein Stern kackt einen Stern“ („Byeol Ddong Byeol“). Ein Haardutt wird „Kackehaar” (“Ddongmeori”) genannt, da es sich zu einem Häufchen rollt. Sieht man Vorzeichen für Künftiges , sagt man:  „Bei so viel Gepupse ist die Kacke nicht fern.“ („Banguga Jajumyeon Ddong Daenda.“)

          Kot wird als süß und positiv angesehen

          Kot wird in Korea also häufig als Süßes, Lustiges, Positives und Selbstverständliches angesehen. Woher kommt diese Faszination für die braune Materie, die im Westen als Gipfel des Ekligen gilt? Choi Duk-kyung, Professor für Geschichte an der Pusan National University, argumentiert, dass das positive Kot-Image auf Koreas lange Geschichte als Agrargesellschaft zurückzuführen ist. In seinem Buch „Gülle-Ökologie in der Agrargeschichte Ostasiens“ schreibt Choi, Kot sei jahrhundertelang kein Abfall, sondern eine wertvolle natürliche Ressource gewesen. Ddong war sozusagen ein Stoff des Lebens.

          „Der häufigste Dünger in der ostasiatischen traditionellen Landwirtschaft war menschlicher Kot und Urin“, schreibt er. „Seit der Antike nutzten die Menschen in Ostasien diese Mischung als landwirtschaftliche Ressource, um eine große Zahl von Menschen zu ernähren und die Umwelt zu erhalten. Es war die Grundlage für eine verbesserte Produktivität der Pflanzen in ganz Asien.“

          Für viele Koreaner steht Stuhlgang in unmittelbarer Verbindung zur Esskultur und ist somit nichts Unangenehmes. Warum nicht – sieht man Kot als transformiertes Essen und Kurzzeitbewohner des Körpers, rückt er gleich in ein angenehmeres Licht. Die Popularität des Kackhaufen-Emojis in Deutschland zeigt: Ein Paradigmenwechsel könnte auch hier bevorstehen, womöglich inspiriert von der koreanischen Sichtweise. Anstatt das braune Endprodukt zu verschmähen, einfach das zuletzt Gegessene aufgreifen: „Die ehemalige Himbeertarte hat meinen Körper in einem Rutsch verlassen“. Wie befreiend, oder?

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