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Gesundheit : Nichts geht übers Gehen

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Mit dem Wanderschuh ausgerüstet geht es für immer mehr Deutsche zum Wandern hinaus in die Natur. Bild: Andre Laame

Immer mehr Deutsche wandern. Und auch die Wissenschaft beginnt, sich mit der Materie zu beschäftigen. Studien zeigen: Die Belastung mag oft nur moderat sein – die Belohnung für Körper und Geist aber ganz beträchtlich.

          Stressbewältigung kennt kein Patentrezept: Einige Menschen beißen in Schokolade, andere zünden sich eine Zigarette an, und manch einer besucht die Sauna. Sabine Hirschmann aber schnürt ihre Wanderschuhe.

          Seit einigen Jahren unterrichtet die Pfarrerin am Predigerseminar Nürnberg. Was sich nach Plaudern über Gott und die Welt anhört, ist laut Hirschmann ein Knochenjob. Unterricht von morgens bis abends, hinzu kommt die Vor- und Nachbereitung der Seminare. Über die Woche staut sich eine Menge Stress an. Am Wochenende dann schnappt sie sich ihren Mann, fährt für einen Tag in die Fränkische Schweiz und wandert. Keine E-Mails, keine Termine - nur sie, Bäume und das Kribbeln des Windes auf der Haut. Am Ende der Wanderung ist sie erschöpft, aber glücklich.

          Mit den ersten Warmwetterperioden startet die Wandersaison. Trotz Jogginghype und Fitnessstudio scheint das Gehen in der Natur nicht an Attraktivität verloren zu haben. Jugendliche, Familien und Senioren brechen in die Pfalz, den Bayerischen Wald oder die Alpen auf, um für Stunden oder gar Tage an der frischen Luft zu sein. Laut dem Deutschen Wanderverband (DWV) schlüpfen 30 Prozent aller Deutschen von 16 Jahren an mindestens einmal pro Monat in die Wanderstiefel.

          Das Gesundheitswandern als Primärprävention

          Bewusst oder unbewusst tun die Wanderfreunde ihrem Körper damit etwas Gutes. Lange Zeit galt Joggen und Radfahren als Mittel der Wahl, um Wohlstandskrankheiten wie Diabetes oder Bluthochdruck zu bekämpfen. Mittlerweile haben Sportwissenschaftler das Gehen als Forschungsgebiet entdeckt. Studienergebnisse zeigen: Regelmäßiges Wandern wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System und die Blutwerte aus. Und auch dem Stress kann Gehen an der frischen Luft entgegenwirken.

          Der Wanderverband hat früh auf die positiven Effekte des Wanderns gesetzt. Mit dem Fachbereich Physiotherapie der Fachhochschule Osnabrück entwickelte der Verband in den vergangenen Jahren das Gesundheitswandern. Mittlerweile bieten im gesamten Bundesgebiet zertifizierte Gesundheitswanderführer Touren an. Die Teilnehmer laufen gemeinsam eine bestimmte Route und machen zwischendurch Koordinations- und Entspannungsübungen. Laut Wanderband verbessert das Gesundheitswandern Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit. Mittlerweile bezuschussen auch einige Krankenkassen wie die AOK und die Barmer das Gesundheitswandern als Primärprävention.

          Die Versprechen des DWV kann Kuno Hottenrott bestätigen. Dass Bewegung gesund ist, war für den Professor für Sportwissenschaft an der Universität Halle an der Saale nichts Neues. Studien zu Joggen oder Radfahren gibt es zu Genüge. „Die positiven Effekte des Wanderns sind hingegen weniger erforscht“, sagt Hottenrott. Also startete er ein Experiment: Hottenrott ging mit 24 Teilnehmern des Gesundheitswanderns an die frische Luft. In sieben Wochen marschierten sie zehnmal Strecken zwischen vier und sechs Kilometer, dazu gab es Dehn- und Koordinationsübungen. Eine Vergleichsgruppe mit 24 Personen verzichtete auf Sport. Alle Teilnehmer hatten ein durchschnittliches Fitnesslevel, einige kämpften mit Übergewicht, manche mit Bluthochdruck.

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