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Gesundheit : Nichts geht übers Gehen

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Wandern kann dem Körper Höchstleistungen abverlangen

Nach sieben Wochen Experiment wertete Hottenrott bei den Wanderern und der Vergleichsgruppe vor- und nachher Blut- und Pulswerte aus - und war verblüfft. „Die Auswirkungen des Wanderns waren deutlich messbar“, sagt er. „Das hätte ich so nicht erwartet, denn die Belastung war doch sehr moderat.“

Erstaunlich schnell hatte sich der Körper der Testwanderer an die Anforderungen angepasst. Bei den Teilnehmern sank die gemessene Herzfrequenz nach einem zwei Kilometer langen Walkingtest im Durchschnitt von 131 auf 122 Schläge. Auch der Blutdruck ging zurück, sogar die Pfunde purzelten. Im Schnitt verloren die Wanderer 1,4 Kilo Körpergewicht. Hottenrott kommt deshalb zu dem Schluss: „Wöchentlich mehrmals 4 bis 6 Kilometer Wandern ist ein gutes Mittel, um etwas für seine Fitness und Gesundheit zu tun und wegen der geringeren Belastung des Bewegungsapparates vor allem für ältere Menschen empfehlenswert.“

Doch Wandern kann dem Körper auch Höchstleistungen abverlangen. Pfarrerin Hirschmann weiß das. Ihre Leidenschaft hat sie in den vergangenen Jahren in die entlegensten Flecken dieser Erde getrieben. Immer dabei: Rucksack und Wanderschuhe.

Mit ihrem Mann wanderte sie bereits im Atlasgebirge, in Peru und im Himalaja. Mehrere Tage dauert eine solche Tour, Etappen von mehr als acht Stunden sind dabei keine Seltenheit. Hirschmann ist fit, läuft viel und fährt auch gerne Rad. Doch die Etappen im Himalaja brachten sie an ihre persönliche Leistungsgrenze. Auf dem Dach der Welt überwand sie mehrere Pässe, alle zwischen 3000 und 5000 Meter hoch gelegen. Die Luft ist dünn da oben, die Schritte klein. Man keucht wie nach einem Hundert-Meter-Sprint. „Jeder Schritt ist dann nur noch Qual, und man fragt sich, was das eigentlich soll“, sagt Hirschmann.

Das Wandern ist auch als Stresskiller gut

Doch sie hat auch die Erfahrung gemacht, dass sich der Körper mit der Zeit an die langen Etappen anpasst. Der Muskelkater an Rücken und Oberschenkel bleibt aus, die Strecken lassen sich einfacher meistern. Hirschmann nennt das „Wanderausdauer“. Sportwissenschaftler Hottenrott spricht von einem guten Fettstoffwechsel: „Bei langen und regelmäßigen Wandertouren passt sich der Fettstoffwechsel an.“ Der Wanderer kann also länger marschieren, weil der Körper vermehrt auf Fett zurückgreift und seinen limitierten Kohlenhydratspeicher schont. Lange Joggingeinheiten oder Radtouren rufen einen ähnlichen Effekt hervor.

Doch Wandern ist nicht nur ein probates Mittel, um Diabetes oder Hüftgold vorzubeugen. Es ist auch ein hervorragender Stresskiller. Das erlebt Renate Gensch bei jeder Wanderung aufs Neue. Die 63 Jahre alte Münchnerin zieht es regelmäßig mit Freunden in die nahegelegenen Alpen, oder sie unternimmt Wanderreisen nach Marokko, Kolumbien oder Ladakh. Für sie gibt es kaum etwas Schöneres, als sich in der Natur zu bewegen und bei einer Tour mit Gipfel den Ausblick zu genießen. „Das ist unbeschreiblich, wenn man oben ankommt“, schwärmt sie. „Ein Gefühl der puren Zufriedenheit.“

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