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Vorteile im Homeoffice : Endlich ist Zeit für Selfcare

So viel Coolness ist auch Arbeit: Aber ja, der „Dude“, Hauptfigur im Filmklassiker „The Big Lebowski“, weiß nicht mal, ob heute ein Werktag ist. Bild: INTERFOTO

Neben den logistischen Herausforderungen, die das Homeoffice mit sich bringt, stellt sich auch die Frage: Muss ich mich überhaupt noch anziehen, wenn mich eh niemand sieht? Zumindest der Selbstorganisation sind gewisse Rituale zuträglich.

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          In der Serie „How I Met Your Mother“ hat eine der Figuren, Robin Scherbatsky, die als Nachrichtensprecherin arbeitet, einen Kollegen und Ko-Moderator, der seinen Job für ein berufliches Abstellgleis hält. Weil er, wie er findet, in diesem Sender und zu dieser brutal frühen Uhrzeit sowieso nichts mehr reißen kann, ist ihm so ziemlich alles egal. Und weil die Zuschauer ihn sowieso nur ab dem Bauchnabel aufwärts sehen, trägt er unter seinem Nachrichtensprechertisch – nichts. Also, eine Unterhose noch. Das war’s. Oben ein schickes Hemd und Sakko, unten einen weißen, unansehnlichen Herrenslip. Nun, da sich viele von uns ins Homeoffice begeben haben, stehen wir vor ähnlichen Herausforderungen: Was ziehe ich an, wenn mich doch sowieso niemand sieht? Was ziehe ich an, wenn ich in Videocalls nur obenrum gesehen werde? Und muss ich mich überhaupt anziehen, wenn es im Schlafanzug doch viel bequemer ist?

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Nun gibt es, das ist klar, verschiedene Persönlichkeiten und dementsprechend auch einen variantenreichen Umgang mit der Kleidungsfrage im Homeoffice. Es gibt Menschen, die stehen um sieben Uhr früh auf, machen Yoga und empfangen den Tag mit einem Sonnengruß, duschen und sitzen hinterher wie aus dem Ei gepellt in einem stylischen Arbeitszimmer, in das goldenes Tageslicht fällt. Dazu gibt’s einen selbstgemachten Smoothie, eh klar.

          Die Normalsterblichen aber stehen erst kurz vor Arbeitsbeginn auf, machen sich schnell einen Kaffee und schlurfen erst einmal im Schlafanzug an den Schreibtisch, das Haar steht wirr zu beiden Seiten ab, als hätte es nachts eine eigene Party gefeiert, an den Pantoffeln hängen Wollmäuse, die übergeworfene Strickjacke hat ihre besten Tage längst hinter sich. Am Ende, so scheint es zumindest, sitzt man wie der „Dude“, die Hauptfigur im Filmklassiker „The Big Lebowski“, tagelang daheim im Bademantel und trinkt White Russian. Man kann in solchen Fällen nur beten, dass die spontan angesetzte Besprechung ein Call, kein Videocall wird, und wünscht sich zuweilen zwecks besserer Selbstorganisation zurück in die gewohnten vier Wände des eigentlich nicht besonders geliebten Großraumbüros.

          Das kann man sich derzeit allerdings nicht immer aussuchen. Viele Firmen schicken ihre Leute in der Corona-Krise auf unbestimmte Zeit ins Homeoffice, und viele Mitarbeiter begrüßen das: Sich so wenig wie möglich unter Leute zu begeben, das heißt auch, nicht in überfüllten Bahnen zu sitzen, diverse Rolltreppengeländer anzufassen und sich womöglich anhusten zu lassen. „Für Leute, die es nicht gewohnt sind, im Homeoffice zu arbeiten, ist das die eigentliche Herausforderung“, sagt Cornelia Seewald. Sie ist Diplompsychologin und Coach und berät Firmen in Veränderungsprozessen.

          Ist es denn nun schlimm, als Person, die nicht heimarbeitserprobt ist, morgens outfittechnisch nicht in die Gänge zu kommen? „Der Tag beginnt im Homeoffice später, ist komfortabler. Man kann entspannter in den Tag starten“, meint Seewald. Ihrer Erfahrung nach genießen viele die Ruhe am Morgen und auch die Bequemlichkeit: eben nicht in unbequemer Krawatte oder engem Rock dasitzen zu müssen, kein Make-up zu tragen. Sich Zeit zu nehmen, um im Arbeitsalltag anzukommen. Das ist also nicht schlimm, sondern normal. Und hilft vielen sogar, entspannter in den Tag zu starten.

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