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Valentina Vapaux im Interview : „Unsere Generation versteht ältere Menschen auch nicht wirklich“

„Wir sind immer noch eine gespaltene Generation“: Valentina Vapaux setzt sich mit der Generation Z auseinander. Bild: privat

Ist die Generation Z wirklich so progressiv, wie sie dargestellt wird? Im Interview spricht die Autorin Valentina Vapaux über ihr erstes Buch, wie aktuell der Feminismus noch ist und welche Rolle der Existenzialismus dabei spielt.

          9 Min.

          Wenn sie versucht, älteren Menschen ihren Job zu erklären, fängt Anna Valentina Plesnar, bekannt als Valentina Vapaux, mit dem Nachvollziehbaren an: Sie ist Journalistin, Autorin, Studentin der Politik und Literaturwissenschaften – und Social Media Creatorin. Und Valentina Vapaux hat mit ihrem ersten Sachbuch das geschafft, woran die älteren Generationen seit Jahren scheitern: ein authentisches Bild der Generation Z zu zeichnen, also all derer, die zwischen 1997 und 2012 zur Welt gekommen sind. Die 21-Jährige fängt in einer sehr persönlichen Analyse das Lebensgefühl ihrer Generation „zwischen Selbstverwirklichung, Insta-Einsamkeit und der Hoffnung auf eine bessere Welt“ ein, ohne sie zu pauschalisieren. Wie sollte man auch eine ganze Generation beschreiben, die nichts mehr hasst, als in Schubladen gesteckt zu werden? Vapaux bringt so nicht nur vorangegangenen Generationen die Gen Z näher, auch Gleichaltrigen zeigt sie, dass sie mit ihren Problemen nicht allein sind und es völlig normal ist, dass sie nicht immer dem Bild entsprechen, das im Buch beschrieben wird. Wir treffen uns in einem Café in Berlin. Statt Kaffee gibt es Matcha mit Hafermilch und ein Grilled Cheese Sandwich – optional vegan. Wir reden über unsere Generation, ihr Verständnis von Geschlecht und Sexualität, die Versuche alter weißer Männer uns zu analysieren, aber auch über Simone de Beauvoir und den Feminismus.

          Anna Wender
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“

          Sie gehören einer Generation an, die sehr liberal und progressiv auftritt. Vor allem wenn es um Themen wie Sexualität oder Geschlecht geht, eckt sie durch ihre Offenheit bei den älteren Generationen an. Ist die Generation Z wirklich so fortschrittlich?

          Klar ist unsere Generation viel offener, aber man darf nicht vergessen: In welcher Gesellschaft sind wir denn aufgewachsen, wer sind unsere Eltern und woher kommen diese neueren, freieren Ideen? Die haben sich erst innerhalb der jungen Bubbles entwickelt – wie eine Art Trend. Aber zum einen erreichen sie nicht alle, und zum anderen gehen Gewohnheiten, die man durch das Elternhaus mitbekommt, auch nicht weg, wenn jemand eine Regenbogenflagge schwingt.

          Also trügt der Schein?

          Diese progressive linke Bubble von jungen Menschen ist zwar medial sehr laut und stark vertreten, vertritt aber nicht die ganze Generation. Wir sind immer noch eine gespaltene Generation. An sich sind wir viel offener und fortschrittlicher, vor allem was das Thema Sex und Gender betrifft und darin den Unterschied zu sehen. Aber trotzdem sind viele junge Menschen noch nicht so weit, dass sie es in ihrer Lebensrealität mitbekommen oder ausreichend darüber gebildet sind, weil sie einfach keine Berührungspunkte mit Menschen haben, die sich zum Beispiel nicht als Mann oder Frau identifizieren.

          Die Generation Z wird auch als eine „Genderless Generation“ beschrieben. Haben Sie in Ihrem Umfeld Menschen, die sich beispielsweise keinem Geschlecht zuordnen?

          Im Sommer habe ich in den USA zwei Personen kennengelernt, die sich als non-binär identifizieren und die Pronomen „they/them“ benutzen. Obwohl ich selbst queer bin, war es meine erste Erfahrung mit nicht binären Personen. Eine Freundin hat aber so selbstverständlich über die Person gesprochen, mit der sie zusammen ist, und dabei they/them als Pronomen verwendet, dass ich erst da gemerkt habe, wie einfach es im Englischen und wie schade es ist, dass wir im Deutschen kein Pendant dazu kennen. Wir haben einfach nicht das elegante „i’m gonna see them now“ oder „they are just telling me about their day“. Dabei ist das Thema Sprache extrem wichtig.

          Für viele junge Menschen scheint gendern mittlerweile selbstverständlich geworden zu sein.

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