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Schönheit : Hair damit

  • -Aktualisiert am

Paradies der Haarpflegeprodukte

Betritt man heute eines der koreanisch geführten Geschäfte, findet man sich in einem bis an die Decke vollgestopften ­Paradies der Glätteisen, Haarspangen, Kunsthaarteile und Färbemittel wieder. In der Ecke, zwischen den Regalen der oft beengend kleinen Läden, sitzt der koreanische Besitzer reglos auf einem Klappstuhl. „Die Geschäfte der Koreaner sind platzsparend und billig eingerichtet“, sagt Afua, die im Stadtteil Queens wohnt und den täglichen weiten Weg nach Flatbush gern auf sich nimmt, um in Terrys vergleichsweise luxuriös ausgestattetem Salon Zöpfe zu flechten. „Mit diesem Konzept, niedrigen Fixkosten und billigen Produkten aus Fernost machen die Koreaner in zwei Stunden so viel Gewinn wie wir in zwei Tagen.“

Was man in den koreanischen Läden nicht kaufen kann, ist das kulturelle Erlebnis der afrikanischen Haartradition. „Mit diesem Gedanken im Kopf haben wir auch unser Geschäft eröffnet“, sagt Kadeian Brown. „Auf Youtube gibt es seit Jahren Tausende Nutzerinnen, die in Badezimmer-Tutorials erklären, wie man mit Hilfe verschiedener Kosmetikprodukte seine Haare selbst pflegen und frisieren kann. Aber was ist mit der Kultur und Geschichte, die hinter dieser Tradition steckt? Wir wollten einen Laden eröffnen, in dem man beides bekommt: die Produkte und den Service, das Lebensgefühl des Hair Braidings. Das können die Koreaner nicht bieten.“ Und dann ist da noch die wachsende Zahl der „Naturalistas“, die den Beauty Supply Shops afro-amerikanischer Unternehmerinnen zugute kommt: Immer mehr Kundinnen scheuen neuerdings chemische Produkte und lassen nur noch natürliche Mittel an ihr Haar. Bei den Koreanern aber bekommt man nach wie vor fast nur Produkte mit künstlichen Inhaltsstoffen.

Vom Youtube-Kanal zum eigenen Kosmetikunternehmen

Von der Going-natural-Bewegung profitiert auch Rochelle Graham-Campbell, die selbst als Haarpflege-Tutorin auf Youtube anfing und heute ihr eigenes Kosmetikunternehmen führt, Alikay Naturals. Die ersten chemiefreien Pflegeserien mischte Graham-Campbell noch selbst in ihrer Küche in Florida, heute werden ihre Produkte beim amerikanischen Kaufhaus-Giganten Target verkauft. Ihre Video-­Tutorials, die auf der Webseite des Unternehmens erscheinen, produziert die junge Unternehmerin weiterhin vor dem Badezimmerspiegel. „Meine Kundinnen wollen eine Persönlichkeit, ein Gesicht hinter der Marke sehen“, sagt sie. „Eine Person, der sie in Bezug auf die Pflege ihres Haars vertrauen können, weil sie sich aus eigener Erfahrung mit der Tradition afrikanischer Haarkosmetik auskennt.“

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Haare als Symbol ethnischer Zugehörigkeit: Wer das immense Potential dieses Phänomens verstanden hat, kann damit ein lukratives Geschäft aufbauen. Weil immer mehr afrikanisch-stämmige Amerikaner ihre Kultur zum Business-Erfolg ausbauen wollen statt sie der asiatischen Konkurrenz zu überlassen, gibt es in Atlanta seit 2010 gar ein Bildungszentrum für angehende Haar-Unternehmer: das Beauty Supply Institute. Dort kann man lernen, wie man einen erfolgreichen Haarkosmetiksalon aufbaut, was im Falle wirtschaftlicher Engpässe zu tun ist und wie man die besten Mitarbeiter rekrutiert.

Kadeian und Judian Brown haben ihren Salon ohne dieses Training aufgebaut. Was ihre Kundinnen wollen, wissen sie aus eigener Erfahrung. „Du kannst das schönste Designerkleid tragen“, sagt Kadeian Brown und streichelt über den glänzenden Perückenschopf eines Puppenkopfs im Schaufenster ihres Geschäfts. „Aber so lange deine Frisur nicht sitzt, bist du nicht richtig angezogen.“

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