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Schönheit : Hair damit

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Im Haus der Herrschaft wurden die Haussklavinnen dann gezwungen, ihre abfällig als „Wolle“ bezeichneten Schöpfe zu zähmen und dem Ideal des glatten Haars der Weißen so gut wie möglich anzugleichen. Nur an Sonntagen durften sich die Frauen zum gegenseitigen Zöpfeflechten versammeln. Beim anschließenden Kirchen­besuch bewunderte man die aufwendigen Frisuren der anderen Frauen, die während der Woche zum Schutz unter einem Tuch verborgen wurden.

In Zeiten der Unterdrückung gab die gemeinschaftliche Schönheitspflege den geschmähten Frauen etwas Würde. Ihr kulturelles Erbe pflegten sie in einem gemeinsamen Ritual. Zugleich ermöglichte die Frisur einen Ausweg aus der Sklaverei. Durch Rassenmischung rückten zunehmend Generationen mit hellerer Haut und glatterem Haar nach, wobei schon das kleinste krause Haar die afrikanische ­Herkunft verraten konnte. „Wir drücken uns durch unser Haar aus“, sagt Kadeian Brown. Damit bezieht sie sich auch auf die Black-Power-Bewegung der sechziger Jahre, die afrikanisches Haar nach Jahrzehnten der Unterdrückung zum politischen Symbol machte. Viele Schwarze bekannten sich damals mit voluminösen Afro-Frisuren stolz zu ihren ethnischen Wurzeln.

Für afrikanisch-stämmige Frauen ist die Frisur ein Statussymbol und ein Merkmal ihrer kulturelle Identität. Schon Kleinkindern werden Zöpfe geflochten.

Seit zweieinhalb Jahren führt Brown mit ihrer Schwester „Black Girls Divine Beauty Supply and Salon“, eines von vielen Haarkosmetikgeschäften in Flatbush. Was ihren Laden von den anderen unterscheidet, sind die Besitzerinnen. Die meisten Beauty Supply Shops in den Vereinigten Staaten sind fest in asiatischer, vornehmlich koreanischer Hand. Haare als afrikanisches Kulturgut und koreanisches Business – die aus diesem Paradoxon erwachsenden Spannungen zwischen den Bevölkerungsgruppen sind in den Vereinigten Staaten ein oft diskutiertes Thema.

Koreaner kontrollieren 80 Prozent des Markts

Die koreanischen Unternehmer kon­trollieren 80 Prozent des Vertriebs von Pflege­produkten für afro-amerikanisches Haar, zu 100 Prozent unterstützt vom Wirtschaftsvolumen der schwarzen Kundschaft. „Das größte Problem ist, dass die Koreaner nur untereinander lukrative Geschäfte abschließen“, sagt Brown. „Haarteile und chemische Pflegeserien werden oft in Fernost produziert. Viele koreanische Großhändler weigern sich, uns zu beliefern, oder sie stellen nachteilige Anforderungen, zum Beispiel riesige Bestellungen von 10.000 Satinhauben. Erst bei Bestellungen dieses Umfangs bekommen wir einen Mengenrabatt und freien Versand. Dabei verkaufen wir im Jahr von den 10.000 bestellten Hauben vielleicht 100.“

„So ist dieses Business“, lautet der ­trockene Kommentar von Terry, der auf der Church Avenue einige Hausnummern abwärts den „Level 1 Beauty Salon“ betreibt. Terry ist in Jamaika geboren und hat, wie er stolz berichtet, in New York am Robert Fiance Hair Institute Frisieren „studiert“. Selbst hat er keine Haare mehr, dafür schneidet er die Mähnen seiner afro-amerikanischen Klientel.

Seine Mitarbeiterinnen flechten Braids. Zudem vertreibt er Haarpflegeprodukte wie Feuchtigkeitsspender, Glättungsmittel, Extensions – ­allerdings zu weit höheren Preisen als die asiatischen Konkurrenten. „Die Koreaner sind geschäftstüchtig“, sagt seine Kollegin Afua, die in Ghana geboren wurde und ­gerade damit beschäftigt ist, den Schopf einer Kundin mit einem aufwendig gezackten Zopfkunstwerk zu veredeln. „Dass sie als erste erkannt haben, wie viel wirtschaftliches Potential in dieser Branche steckt, kann man ihnen nicht zum Vorwurf machen. Sie waren die Ersten, die bei ihrer Ankunft in den Vereinigten Staaten Mitte der sechziger Jahre Läden für Haarkosmetik in Flatbush eröffneten, in einer fast ausschließlich afro-amerikanischen Gemeinde. Also da, wo die Zielgruppe sitzt.“

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