https://www.faz.net/aktuell/stil/leib-seele/unwetter-und-hitze-abschied-vom-geliebten-sommer-16905756.html

Sommer 2020 : Hitze. Schotten dicht. Unwetter.

Selbst die Gewitter konnten oftmals nicht für Abkühlung sorgen. Bild: ZB

Der Sommer steht eigentlich für Lebensfreude. Doch in diesem Jahr mischen sich andere Gefühle unter: Angst vor Unwettern und Stress aufgrund der Hitze. Abschied von einer geliebten Jahreszeit.

          4 Min.

          Es ist Donnerstag Abend, und der zweite Starkregen in drei Tagen zieht über unsere Stadt hinweg. Wieder höre ich Sirenen. Bin zum zweiten Mal in dieser Woche glücklich darüber, dass wir keinen Keller haben, der volllaufen kann. Gehe abermals von Fenster zu Fenster, um alles zu verrammeln. Es donnert. Blitze am Himmel. Vor ein paar Tagen hat so einer vor dem Haus meiner Eltern in eine gut 250 Jahre alte Eiche eingeschlagen und den Stamm in der Gabelung gespalten.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sommer in diesem Jahr: Da ist die Hitze, die an mehreren Tagen hintereinander so unerträglich ist, dass ich mich nur aufmache, wenn es wirklich notwendig ist. Und da sind die Unwetter, die so heftig sind, dass ich jedes Mal, wenn eins eintritt, froh bin, nirgendwo gestrandet zu sein. Beides führt dazu, dass ich den Sommer jetzt anders wahrnehme. Ich habe auf einmal Respekt vor ihm. Vielleicht sogar Angst.

          Klar, auch die vergangenen Sommer waren nicht bedingungslos entspannt. Dass die Folgen des Klimawandels längst real sind, sah ich an den gelben Wiesen an den Ufern der Flüsse mit viel zu niedrigen Pegelständen. Ich las von der Sorge um den heimischen Wald und von Ländern, gegen die das unsere selbst mit der 2019er-Rekordhitze von 40 Grad plus mehr einem Ziel für die Sommerfrische glich.

          Angst statt Lebensfreude

          Aber Sommer bedeutete trotzdem kugelweise Pistazieneis essen, bis spätabends auf Bierbänken vor Restaurants sitzen und beschwipst sein vom Aperol Spritz. Lebensfreude und Wärme bedingten sich für mich eben doch. Eine gewisse Wettersicherheit für die Gartenparty war nebenbei auch nicht ganz verkehrt. Und nach Feierabend nichts wie los ins Freibad.

          Extreme Hitze und Unwetter wechseln sich im Sommer ab.
          Extreme Hitze und Unwetter wechseln sich im Sommer ab. : Bild: ZB

          In der vergangenen Woche war es dann noch nicht mal so heiß wie an den heißesten Tagen 2019. Nur, ich bin in diesen immerhin fast so heißen Tagen und Tropennächten vielleicht nicht mehr so abgelenkt. Habe wegen Corona und meines acht Monate alten Kindes weniger Verabredungen. Habe keine Einladungen zu großen Festen und auch keinen Sommerurlaub geplant. Stattdessen folgen auf die Beschränkungen im Frühjahr jetzt im Sommer die selbstgewählten Ausgangsbeschränkungen, weil es draußen einfach unerträglich ist. Und das diffuse Gefühl, dass der Sommer mehr Anlass zur Sorge als zur Freude bietet, dass der letzte unbeschwerte Sommer der vergangene gewesen sein könnte, wird auf einmal konkreter.

          Ich bekomme es zu spüren, sobald ich das Haus verlasse. Die Sonne knallt so auf den Eingang, dass es mir jedes Mal vorkommt, als wäre ich an einem lebensfeindlichen Ort gelandet. Wir verbringen unsere Zeit am helllichten Tage hinter heruntergelassenen Rollläden. Wobei, einen Spalt müsse man unbedingt offen lassen, sagt mein Mann. Das Glas könne sonst springen, vor Hitze. Überhaupt, die Fenster: Der Tagesrhythmus ist bei uns auch vom Stand dieser Fenster bestimmt. Fenster aufreißen. Diskutieren, ob man sie wegen der Hitze nicht doch besser schließen sollte. Fenster schließen. Sommerfeeling? Kaum.

          Natürlich ist es anmaßend, das aufzuschreiben und es in der eigenen Wohnung noch vergleichsweise gut zu haben. Während im achten Stock des Krankenhauses auf der anderen Straßenseite wohl mit Backofenhitze zu rechnen ist. Während die Marktleute tapfer ihre Stände unterhalten. Ganz zu schweigen von den Landwirten und Erntehelfern, die bei solchen Temperaturen auf dem Feld arbeiten und um ihre Existenz bangen müssen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die elf slowakischen MiG-29-Kampfflugzeuge wurden laut dem Verteidigungsministerium in Bratislava noch nicht an die Ukraine geliefert.

          Kampfflugzeuge für Kiew : Liefern, aber nur in Abstimmung

          Nach einer Bitte aus Kiew deuten östliche NATO-Mitglieder an, der Ukraine Kampfflugzeuge liefern zu wollen. Doch eine wesentliche Einschränkung bleibt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.