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Unternehmerin mit Brustkrebs : „Ich lasse nicht den Tumor bestimmen“

  • -Aktualisiert am

„Symptome wie ein ganz, ganz schlimmer Kater“: Die Unternehmerin Katrin von Hallwyl hat eine Chemotherapie hinter sich. Bild: FOTO THOMAS VON AAGH PHOTOGRAPHY

Die Unternehmerin Katrin von Hallwyl erhielt die Diagnose Brustkrebs. Hier erzählt sie, warum sie für einen offenen Umgang mit der Krankheit plädiert – und keine Perücke trägt.

          7 Min.

          Als Sie die Diagnose Brustkrebs bekamen, waren Sie auf Geschäftsreise in Berlin, zur Fashion Week. Erinnern Sie sich an den Moment, in dem Sie davon erfahren haben?

          Selbstverständlich. Es war morgens im Hotel. Ich kam aus der Dusche und habe auf meinem Display die Nummer meines Arztes gesehen. Als ich zurückgerufen habe, meinte er, ich müsse sofort in die Praxis kommen, bei dem Gewebe, das mir entnommen wurde, handle es sich um ein Karzinom. Er sagte: Sie haben Brustkrebs.

          Wie haben Sie darauf reagiert?

          Fast stoisch. Ich habe ihm gesagt, dass ich hier erst noch meinen Job zu Ende bringe und dass es auf die zwei Tage jetzt auch nicht ankommt. Im Nachhinein denke ich, dass ich die Aussage meines Arztes zu diesem Zeitpunkt nicht wirklich realisiert habe.

          Wie haben Sie gemerkt, dass etwas nicht stimmt?

          Wie bei 95 Prozent aller Frauen habe ich es ertastet und bin zu meiner Ärztin gegangen. Zuerst hat sie einen Ultraschall gemacht, bei dem man auch sehen konnte, dass da irgendetwas ist.

          Wie ging es weiter?

          Es wurde Gewebe entnommen und eingeschickt. Die Diagnose lautete: Wir können nichts feststellen, es könnte irgendwann ein Risikobefund werden, wir sollten das beobachten. Aber ich wollte es entfernen lassen. Ich habe noch so blöde Witze gemacht: Alles, was keine Miete zahlt, muss raus.

          Hatten Sie irgendeine Vorahnung?

          Ich habe beim Sport immer entsetzlich gefroren. In den Wochen vor der Diagnose hatte ich oft richtiggehend Schüttelfrost. Außerdem war ich extrem gereizt. Aber ich habe nicht auf mich gehört, weil ich so viel gearbeitet habe. In stillen Momenten habe ich mich schon ab und zu gefragt, weshalb ich so müde und erschöpft bin. Aber du denkst ja nicht, dass es gleich so etwas sein könnte. Das Schlimme, das haben immer nur die Anderen.

          Wie lautete dann die Diagnose?

          Ich habe einen hormonrezeptiven Tumor, also einen Tumor, der auf Hormone reaktiv ist. Dieser Tumor gilt glücklicherweise als sehr gut therapierbar.

          Wie sieht Ihr aktueller Behandlungsplan aus?

          Im ersten Schritt sind es vier Zyklen der Chemotherapie, das sind die stärksten, die alle 14 Tage stattfinden. Dann folgt über einen Zeitraum von zwölf Wochen eine wöchentliche Hormon- und Immuntherapie, die allerdings auch unter Chemotherapie läuft, aber deutlich weniger Nebenwirkungen haben soll. Anschließend folgen Bestrahlungen und eine Antikörper-Therapie, die seit sieben Jahren in Deutschland zugelassen ist und häufig erfolgreich ist.

          Sie haben gerade Ihren zweiten Zyklus des ersten Teils der Chemositzung hinter sich. Wie fühlen Sie sich?

          Ich weiß gar nicht, wie ich Ihnen das beschreiben soll. Das sind Symptome wie ein ganz, ganz schlimmer Kater, zu dem obendrauf noch eine Fischvergiftung kommt. Vor allem am Tag danach fühlt man sich extrem schlapp. Die Gelenke schmerzen. Durch den Abfall der weißen Blutkörperchen im Körper, die dann wieder vom Rückenmark produziert werden, fällt man in ein ziemliches Loch.

          Sieht die Therapie für solche Tiefs Hilfe vor?

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