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Verdrängen kann helfen : Wo ist sie nur, meine Trauer?

Sich zu Lebzeiten Gedanken zu machen, was passieren soll, wenn man gestorben ist, ist ein entlastendes Gefühl. Bild: dpa

Als ihre Schwester stirbt, fragt sich unsere Autorin, warum sie das weniger trifft als gedacht. Und macht sich auf die Suche nach ihrer eigenen Form des Abschieds. Dabei lernt sie: Verdrängen ist per se nichts Schlechtes.

          6 Min.

          Ich habe ein Jahr voller Trauer hinter mir. Zumindest theoretisch. Im Sommer 2019 ist meine Schwester gestorben. Plötzlich und unerwartet. Mit 51 Jahren. Vor 100 Jahren hätte sie damit ziemlich genau die durchschnittliche Lebenserwartung einer deutschen Frau erreicht. Nach heutigem Stand wird eine 1968 Geborene im Mittel 73. Meine Schwester ist also eher früh gegangen. Nach landläufiger Meinung ist das ein tiefgreifenderer Verlust als der der 92-jährigen Urgroßmutter. Für mich persönlich bedeutet es vor allem, dass mit meiner Schwester das erste Mitglied meiner Kernfamilie gestorben ist. Macht schon allein dieser Umstand die Trauer größer als beim Tod eines ferneren Verwandten? Oder eines Freundes?

          Eva Schläfer
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Tatsächlich merke ich nach dem ersten Schock: Am meisten setzt es mir zu, ihren Partner und unsere Eltern in ihrem Schmerz zu sehen. Das eigene Kind zu überleben ist für die meisten Eltern eine Tragödie. Auch für unsere. Die Situation ist über Monate belastend – auch wenn sich keiner hängenlässt, wie es so schön heißt. Wenn meine Mutter sagt, dass es ihr heute okay geht, aber die Tage zuvor ganz schwierig waren, merke ich, wie das in mir arbeitet. Unbekümmert bin ich in dieser Zeit ganz sicher nicht. Aber lässt das alleine schon darauf schließen, dass ich trauere? Wenn ich vorab hätte prognostizieren sollen, wie sehr mich der Verlust trifft, hätte ich mir meine Trauer als ein überwältigenderes Gefühl vorgestellt; eines, das mich mehr einnimmt.

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