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Eine Betroffene berichtet : Wie es sich anfühlt, mit Akne zu leben

  • -Aktualisiert am

Furcht vor der eigenen Haut: Unsere Autorin hat viele Jahre mit ihrer Haut gekämpft Bild: Sarah Illenberger

Ihr Umfeld attestierte unserer Autorin ein Problem. Auch sie selbst litt lange unter dem, was sich in ihrem Gesicht zutrug. Wie sie lernte, mit ihrer Akne umzugehen, erzählt sie hier.

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          Es gibt ein paar Dinge, die ich gerne früher verstanden hätte, besonders was den Umgang mit meiner Haut betrifft. Zu viel Zucker zum Beispiel ist wirklich nicht gut für die Haut, und abendliches Operieren mit Nadeln, die im Kerzenlicht sterilisiert wurden, ist es auch nicht. Jede erfahrene Kosmetikerin warnt davor, einfach so herumzustochern, und mahnt zu Vorsicht bei Vergrößerungsspiegeln im Badezimmer. Zu leicht verliert man darin die Übersicht und den letzten Rest an Selbstbeherrschung und drückt und quetscht so lange, bis das eigene Gesicht aussieht wie ein Schlachtfeld. Tränen und Abdeckstift: Diese beiden gehören zusammen, und von beidem hat man ja meistens zu viel.

          Ich war mit der U-Bahn auf dem Weg zur Uni, als sich ein Mann von Mitte 50 sehr nah vor mich hinstellte, sodass seine Nase beinahe meine Nase berührte, und laut und deutlich sagte: „Interessantes Gesicht, A-k-n-e v-u-l-g-a-r-i-s“. Es war nicht klar, wie sich diese beiden Satzteile aufeinander beziehen sollten: ob er meinte, das Gesicht sei trotz oder gerade wegen der Akne interessant. Eindeutig aber war, dass der Mann glaubte, mir eine Diagnose stellen und mich ungefragt beurteilen zu können. Jede Frau kennt diese Art der Kriegserklärung.

          Hilfe, um das Schweigen zu brechen

          Sie zielt auf den Körper, auf alles, was daran vermeintlich „weiblich genug“ ist oder nicht. Und die Kategorie Haut ist sehr deutungsmächtig. Was gilt als weiblicher, im Sinne von begehrenswerter, als eine schöne und glatte Haut? Ich wurde also eingeteilt, von einem unhöflichen Mann in Kaschmirmantel und Hut, der sich, auch nachdem er mich unter sein „Mikroskop“ gelegt hatte, nicht von der Stelle rührte. Ich hätte diese Aufforderung zum Duell annehmen müssen, denke ich heute. Stattdessen verließ ich an der nächsten Haltestelle fluchtartig und beschämt das Abteil.

          Der beste Grund, der mir dafür einfällt: dass ich bis zu jenem Moment verdrängt hatte, wie sehr meine Hautprobleme für alle sichtbar waren. Ich glaubte, und für den Zustand der Verdrängung ist das vollkommen normal, dass andere kaum etwas merken. Wenn man von der Haut spricht, tut man das häufig wie von einer Hülle, die das Innere schützt und zugleich in Kontakt steht mit der Außenwelt. Für mich war meine Haut eine Barriere, über die ich kein Wort verlor.

          Eine Kommilitonin half mir aus dem Schweigen heraus. Gut gelaunt und unangreifbar höflich erschien sie zu Vorlesungen und verbreitete einen Eindruck von Luxus und Abenteuer zugleich. Ob ich mal daran gedacht hätte, fragte sie, meine Haut ein bisschen abzudecken, nur ein klein wenig, denn es wäre vielleicht ganz schön?

          Vorsichtiger und klüger als diese Frau hätte man es nicht sagen können. Jahre zuvor hatte sie mit einer schweren Krebserkrankung zu tun gehabt. Als ich ihre Frage irritiert abwies, überspielte sie meine Verstocktheit und wechselte freundlich das Thema. Wenige Wochen später allerdings ging ich zum ersten Mal zur Kosmetikerin.

          Die Bedürfnisse der Haut ändern sich über die Jahre

          Manchmal würde ich gerne die Rolle jener Freundin übernehmen. Besonders dann, wenn ich eine junge Frau mit Hautproblemen sehe und ahne, wie sie sich mit falschen Rezepten quält. Ich würde ihr gerne sagen, dass es das Wichtigste ist, sich nicht ständig ins Gesicht zu fassen, dass man lernen muss, die Haut in Ruhe zu lassen, dass sie, außer morgens und abends vor dem Spiegel, am besten gar nicht an ihre Haut denken soll.

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