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Umfrage zum Shopping : Wie die Deutschen einkaufen

  • -Aktualisiert am

Die älteren Menschen gehen gerne noch ins Geschäft, die Befragten unter 30 Jahren sagen zu 63 Prozent, dass sie Kleidung oft über das Internet kaufen. Bild: AFP

Gehen wir zum Discounter oder ins Fachgeschäft? Kauft man heute alles übers Internet ein? Und was bedeuten uns Marken? Das Institut für Demoskopie Allensbach hat es für uns herausgefunden.

          Eines der Probleme der Umfrageforschung: Man muss oft Fragen über Themen stellen, für die sich die meisten Menschen wenig interessieren. Beim Thema Einkaufen gibt es diese Schwierigkeit nicht, darüber weiß fast jeder etwas zu sagen. Nicht zuletzt fallen einem Klischees dazu ein: zum Beispiel von den Deutschen, die angeblich vor allem billig einkaufen wollen und sich wenig um Qualität scheren; oder die Vorstellung von Frauen, die ihre gelangweilten Männer in der Cafeteria parken, um in Ruhe einkaufen zu können.

          Doch was davon stimmt? Wie kaufen die Deutschen heute ein? Welche Geschäfte bevorzugen sie? Was bestellen sie lieber online, was kaufen sie im Einzelhandel? Das sind Fragen, denen das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag des „Frankfurter Allgemeinen Magazins“ nachgegangen ist.

          Eigentlich handelt es sich beim Thema Einkaufen um mindestens zwei Themen, denn man muss den Lebensmittelkauf von anderen Einkäufen getrennt betrachten. Es liegt nahe anzunehmen, dass das Erlebnis beim Kauf eines besonderen Kleidungsstücks anders ist als beim Kauf von Brot und Butter. Und tatsächlich zeigen die Befragten beim Thema Lebensmittel andere Prioritäten als bei anderen Einkäufen.

          Mehr Menschen kaufen bei Discountern

          Geht es um den Lebensmitteleinkauf, erweist sich die Bevölkerung als recht konservativ. Bei der Frage, in welcher Art von Geschäften meistens eingekauft wird, unterscheiden sich die heutigen Antworten zwar graduell, aber nicht grundlegend von den Antworten aus dem Jahr 1986, als die Frage zum ersten Mal gestellt wurde. Allerdings erkennt man deutlich den Konzentrationsprozess im Einzelhandel, der in der Zwischenzeit stattgefunden hat.

          So sagten vor 30 Jahren 63 Prozent der Deutschen, sie kauften ihre Lebensmittel bei Discountern ein, heute sind es 84 Prozent. Der Anteil derer, die klassische Supermärkte mit einem Vollsortiment nennen, ist in der gleichen Zeit von 64 auf 73 Prozent gestiegen. Dagegen hat sich der Anteil derjenigen, die bei kleinen Lebensmittelhändlern, also bei „Tante-Emma-Läden“, einkaufen, von 34 auf 17 Prozent so gut wie halbiert. Dieser Wert war allerdings schon vor zehn Jahren erreicht. Seitdem hat sich die Position der kleinen Geschäfte nicht noch weiter verschlechtert.

          Bei Lebensmitteln kaufen die Deutschen konservativ

          Auch die Auswirkungen scheinbar großer Trends des Zeitgeistes halten sich in Grenzen. Der Anteil der Bürger, die ihre Lebensmittel in Bio-Märkten einkaufen, hat sich seit 1986 zwar von acht auf 17 Prozent ungefähr verdoppelt, doch auch das ist noch eine recht kleine Minderheit. Das spiegelt sich auch in den Absatzzahlen wider: Trotz der Vielzahl von Bio-Produkten, die mittlerweile auch in Supermärkten und von Discountern angeboten werden, und trotz der großen Aufmerksamkeit für dieses Segment in den Massenmedien lag im Jahr 2014 nach Angaben des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) der Anteil der Bio-Produkte am Gesamtumsatz in der Lebensmittelbranche in Deutschland bei rund vier Prozent.

          Das eher konservative Einkaufsverhalten der Deutschen bei Lebensmitteln zeigt sich auch in weiteren Aspekten. So sagen 71 Prozent, dass sie in der Regel in denselben Geschäften Lebensmittel einkaufen. Das Internet ist nur für wenige eine Alternative. Gerade einmal sieben Prozent der Befragten geben an, Lebensmittel öfter auch online einzukaufen.

          Anders fallen die Antworten aus, wenn man danach fragt, wo hauptsächlich Kleidung eingekauft wird. Hier steht das Internet mittlerweile an erster Stelle in der Rangliste der wichtigsten Einkaufsquellen. 42 Prozent der Befragten sagen, dass sie dieses Angebot nutzen. Erst dann folgen, genannt von jeweils 39 Prozent, große Einkaufszentren und Kaufhäuser, Filialen großer Modeketten (38 Prozent) und Lebensmittel-Discounter (33 Prozent).

          Die Befragten unter 30 Jahren sagen sogar zu 63 Prozent, dass sie Kleidung oft über das Internet kaufen. An erster Stelle stehen in dieser Generation aber, noch vor dem Internet, die Filialen großer Modeketten wie H&M oder Esprit, die 65 Prozent als wichtige Einkaufsquelle angeben. Offensichtlich will sich auch die internetaffine junge Generation das Einkaufsvergnügen in der Fußgängerzone nicht nehmen lassen.

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