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Bouldern : Wo Muskeln alleine nicht genug sind

  • -Aktualisiert am

Auf den Körper achten

Allerdings sei auch die Körperbeherrschung wichtig. „Wer an seiner Leistungsgrenze bouldert und nicht weiß, wo und wie er seine Füße richtig einsetzt, hat schon verloren“, sagt Hochholzer. Regelmäßiges Bouldern lehrt den Körper ähnlich dem Turnen, komplizierte Bewegungen zu verinnerlichen sowie Arme und Beine richtig zu plazieren.

Boulderer Falk Michél

Wie beim Klettern sollten Anfänger auch beim Bouldern auf ihren Körper achten und ihm Zeit geben, sich an die Belastung zu gewöhnen. Auch Fortgeschrittene sind vor Verletzungen nicht gefeit. Philipp Daum musste das am eigenen Finger erfahren. Der 26 Jahre alte Student aus München bouldert seit sieben Jahren. Er trainiert wöchentlich. Irgendwann packte er einen Griff - und spürte einen stechenden Schmerz im Ringfinger. Der Finger schwoll an. Daum pausierte, doch es dauerte, bis der Schmerz verschwunden war.

Tennisarm, Schwellungen und Sehnenscheidenentzündungen an Fingern sind beim Klettern und Bouldern die am häufigsten auftretenden Überlastungsbeschwerden. „Einseitige und über lange Zeit wirkende Höchstbelastungen führen zu kleinsten Verletzungen, und in der Summe können sie schließlich Überlastungsbeschwerden auslösen“, sagt Sportmediziner Hochholzer.

Höchstbelastung mit ein paar Griffen erreichbar

Mit einem Kollegen hat er das Buch „So weit die Hände greifen“ geschrieben. Die Autoren beschreiben darin Verletzungen und Überlastungen, wie sie beim Klettern und Bouldern entstehen, und erklären, welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt. Demnach konzentrieren sich 80 Prozent der Beschwerden auf den Oberkörper. Rund die Hälfte aller Wehklagen betreffen des Boulderers wichtigstes Werkzeug, die Hand.

Weil die Höchstbelastung beim Bouldern durch kleinere Griffe leichter zu erreichen ist, steigt auch die Wahrscheinlichkeit möglicher Überlastungen. Oft vergessen Sportler, dass der Kraftzuwachs schnell eintritt, „aber Sehnen und Bänder länger brauchen, um sich der Belastung anzupassen“, warnt Hochholzer.

Vor allem Kindern und Jugendlichen, deren körperliche Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist, rät er deshalb zu einer Trainingsgruppe mit Trainer. Nur so lassen sich mögliche Überlastungen effektiv vermeiden. Verletzt sich ein Boulderer trotz aller Vorsicht, sollte er pausieren und die schmerzende Stelle 20 Minuten mit Eis kühlen. „Tritt der Schmerz bei erneutem Versuch an der Wand wieder auf, sollte der Sportler einen Arzt aufsuchen“, rät Hochholzer.

Sport als soziales Miteinander

Die langwierige Fingerverletzung konnte Philipp Daums Begeisterung für seinen Sport nicht brechen. Im Gegenteil: Er hängt wieder an den Griffen. Meist ist er dabei nicht allein. Zwar braucht ein Boulderer gegenüber einem Kletterer keinen Seilpartner. Doch zu zweit oder in der Gruppe mache es mehr Spaß, sagt Daum. Gemeinsam grübelt er dann mit Freunden über einen Boulder, den sie nicht schaffen. Gemeinsam überlegen sie Lösungen, gemeinsam probieren sie. Nicht selten passiert es, dass Fremde sie ansprechen oder sie den Kontakt suchen, wenn sie wissen: Der Sportler weiß, wie man das Problem löst, an dem wir die ganze Zeit scheitern.

Für Daum ist sein Sport deshalb mehr als nur Krafttraining und Bewegungsschulung - es ist soziales Miteinander. Der in Kletterkreisen vielzitierte Satz vom jung verstorbenen Kletterpionier Wolfgang Güllich über die Geselligkeit beim Klettern lässt sich somit auch auf das Bouldern übertragen: Man geht nicht nach dem Klettern zum Kaffeetrinken, Kaffeetrinken ist integraler Bestandteil des Kletterns.

Falk Michél hat den Boulder, sein Problem, noch immer nicht geschafft. Ist es fehlende Kraft oder die falsche Bewegung? Er weiß es nicht. Ein weiterer Athlet versucht es, schafft es bis zum Überhang, rutscht ab. Gemeinsam stehen sie nun vor dem Boulder und beraten, suchen nach der richtigen Position für Füße und Hände. Michél versucht es noch einmal. Er holt Schwung, hält endlich den vertrackten Griff, greift nach dem nächsten - und fällt erneut.

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