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Tourismus in der Türkei : Zum Mittelmeer ist’s nicht so weit

Wieder mehr Touristen: Kaputas-Strand in der südwestlichen Türkei Bild: Getty

In der Türkei kommt der Tourismus schnell wieder in Schwung. Ein großer Teil der Urlauber kommt aus Deutschland – und bucht gleich zweimal. Das Niveau des Jahres 2019 wird allerdings wohl nicht erreicht.

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          Unter den Anbietern für Türkei-Reisen könnte die Stimmung besser nicht sein. „Es knallen die Korken“, sagt Deniz Ugur, Geschäftsführer bei Bentour, einem der führenden Veranstalter. Er spricht von Buchungseingängen in Rekordhöhe. Wer jetzt reisen wolle, habe noch Geld und Urlaubstage aus dem Vorjahr übrig, sagt er. Nicht wenige buchten gleich zweimal: erst für den Sommer und dann auch eine zweite Reise für den Herbst. Daher gehöre die Türkei, neben Spanien und den griechischen Inseln, zu den ersten Tourismusdestinationen, die wieder in Schwung kämen. Den drei Mittelmeeranrainern komme zugute, dass viele Urlauber für Fernflüge noch nicht bereit seien.

          Rainer Hermann
          Redakteur in der Politik.

          Bei aller Euphorie: In der Türkei wird der Tourismus in diesem Jahr dennoch nicht auf das Niveau des Jahres 2019 zurückkehren. Zwar erwartet das Tourismusministerium in Ankara gegenüber 2020 eine Verdopplung der Urlauberzahl auf 30 Millionen. 2019 hatten sich aber noch 45 Millionen Urlauber für die Türkei entschieden, sie brachten 35 Milliarden Dollar ins Land. Im vergangenen Jahr war diese Zahl auf ein Drittel geschmolzen.

          An der Pandemie soll der Aufschwung in diesem Jahr nicht scheitern. Früh hat die Regierung in den Tourismusgebieten eine Sonderimpfkampagne gestartet, um die Inzidenzen stabil niedrig zu halten. Zudem kann die Türkei darauf aufbauen, dass sie im vergangenen Jahr als eines der ersten großen Urlaubsziele ein umfassendes Maßnahmen- und Hygienekonzept für den Tourismus entwickelt hat. Die ersten vier Monate waren aber eine verlorene Zeit – auch in die Türkei reiste niemand.

          Ein Tarif ohne Annullierungskosten

          Das habe sich Mitte Mai mit einem Schlag geändert, sagt Ugur. In Wochen, in denen 2019, dem letzten normalen Tourismusjahr, am Tag 400 Neubuchungen eingegangen sind, waren es nun mehr als 1000, manchmal sogar 1600. Den Zuspruch führt er auch darauf zurück, dass jeder zweite Gast einen Flextarif bucht, also bis 14 Tage vor der Abreise ohne Annullierungskosten von der Reise zurücktreten kann. In der Großregion Antalya haben schon 95 Prozent der Hotels wieder geöffnet. Im vergangenen Sommer blieb mehr als die Hälfte geschlossen. Um den Verlust bis Mitte Mai zumindest etwas zu kompensieren, soll die Saison in diesem Jahr bis Ende November verlängert werden.

          Den Anfang haben in diesem Jahr die russischen Urlauber gemacht. Für sie ist die Türkei eines der wenigen Ferienziele, die sie ohne Visum erreichen können. Sie sind die größte Gruppe: 2019 mit sieben Millionen, im vergangenen Jahr nur noch mit 2,1 Millionen. Es war eine Drohung an die Adresse des türkischen Präsidenten Tayyip Erdogan, als der russische Präsident Wladimir Putin zum 1. April alle Flüge in die Türkei verbot. Am 22. Juni wurde das Verbot endlich aufgehoben. Gleich am ersten Tag landeten in Antalya 44 russische Flugzeuge mit 12.000 Urlaubern.

          Reisen in die Türkei ist einfacher geworden

          Die Urlauber aus Russland und aus Deutschland stellen derzeit jeweils knapp ein Drittel der Gäste im Großraum Antalya. Ugur rechnet damit, dass sich der deutsche Anteil erhöhen wird. So hat die Charterfluggesellschaft Sunexpress angekündigt, dass sie im Juli 75 zusätzliche Flüge aus Deutschland in die Türkei anbietet. Sie profitiert davon, dass sie nach der Auflösung der Tochtergesellschaft Sunexpress Deutschland vor einem Jahr deren Flugzeuge und deren Slots übernahm.

          Die Reise in die Türkei und die Rückkehr nach Deutschland sind einfacher seit dem 6. Juni, als das Robert-Koch-Institut das Land als einfaches Risikogebiet einstufte. Die Türkei selbst passt sich bei den Bestimmungen für die Ein- und die Ausreise weitgehend an die in Europa geltenden Normen an. Dass die Tourismusregionen wieder Hochinzidenzgebiete mit mehr als 200 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern werden können, schließt Ugur aus. Dagegen spreche die erfolgreiche Impfkampagne in diesen Regionen.

          Der Chef des Flughafens Antalya, Bilgihan Yilmaz, könnte doch recht behalten. Er hat prognostiziert, dass sich die Passagierzahl seines Flughafens in diesem Jahr verdoppeln, wenn nicht gar verdreifachen wird. Das würde auch Frankfurt erfreuen, denn den zweitgrößten Flughafen der Türkei betreibt die Fraport AG.

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