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Weichspüler : Weiche Wäsche mit Schlachtabfällen

  • -Aktualisiert am

Weich und gut duftend: So möchte man seine Wäsche gerne haben. Bild: Picture-Alliance

Verbrauchertipps sind oft beliebt, aber selten schockieren sie so, wie es unlängst ein Bericht über Schlachtabfälle in Weichspülern tat. Gibt es gute Alternativen zu den tierischen Inhaltsstoffen?

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          Herkömmliche Weichspüler bestehen zu einem großen Teil aus einem Inhaltsstoff, der aus Schlachtabfällen gewonnen wird. Das ist kein Skandal, da es bereits bekannt und einsehbar ist, doch eine Verbrauchersendung des Südwestrundfunk (SWR) schaffte es dennoch mit diesem Wissen zu schockieren. In den sozialen Netzwerken ging das Video über diesen Inhaltsstoff in Weichspülern viral, denn mit sauber verbindet man keine Abfälle – erst recht nicht aus dem Schlachthof.

          Der vom SWR befragte Experte zu diesem Thema, Philip Heldt, ist Umweltwissenschaftler bei der Verbraucherzentrale und zeigt sich im Gespräch mit der F.A.Z. über die allgemeine Verwunderung erstaunt. In „harten Veganerkreisen“ sei das Thema längst bekannt und viel behandelt – außerdem nutzten Menschen schon hunderte Jahren derartige Methoden, um ihre Wäsche weich zu machen. Weichspüler waren auch vor dem Bericht des SWR aufgrund ihrer Chemikalien, die in das Wasser gelangen, bereits vielfach kritisiert. Während ein schlechtes Gewissen leichter auszublenden ist, vermag dasselbe mit Ekel weniger gut zu gelingen.

          Heldt stellt klar, dass die Schlachtabfälle als solche nicht die Sensation sind. Er findet es durchaus sinnvoll die tierischen Abfälle, die ein Nebenprodukt der Schlachtung selbst sind, weiterzuverwenden. „Die Tiere werden ja nicht für die Weichspüler geschlachtet“, sagt Heldt. Im Zuge der großen Verwunderung über die Inhaltsstoffe erweise es sich dennoch als sinnvoll, auf diese hinzuweisen, da sie vielen zuvor unbekannt gewesen seien.

          Saubere Wäsche riecht eigentlich neutral

          Sollte man einfach zur veganen Variante wechseln, oder es ganz bleiben lassen mit den beliebten Weichspülern? Zur „echten Alternative“ will der Umweltexperte auch die vegane Variante nicht erklären. „Klar, hierfür werden keine Tiere genutzt, aber Fette benötigt man auch in diesem Fall.“ Das führt zum nächsten Problem. Anstatt auf tierische Fette wird alternativ häufig auf eines der günstigsten pflanzlichen Fette zurückgegriffen: Palmöl. Die Produktion von Palmöl trägt massiv zur Abholzung wichtiger Waldbestände bei, was ebenfalls den Lebensraum der Tiere gefährdet. Auf diesem Wege „die Welt retten zu wollen“, sei also zu kurz gegriffen.

          Die kationischen Tenside, die sonst aus den Fetten in den Schlachtabfällen gewonnen werden, lassen sich bei der pflanzlichen Variante besonders gut aus Palmöl gewinnen. Daher gibt es nur wenige vegane Weichspüler, die ganz ohne eine Verwendung des Palmöls auskommen. So gibt etwa die Ökomarke „Ecover“ auf ihrer Homepage an, bei ihrem Weichspüler auf einen „palmölfreien Aktivstoff auf Basis von europäischem Rapsöl“ zu setzen. 

          Wie sieht es mit den Ablagerungen von Bakterien und Pilzen aus, die die herkömmlichen Weichspüler in den Waschmaschinen hinterlassen? Auch hier kann die pflanzliche Variante nicht punkten: „Die haben die gleiche Wirkung, denn ein Biofilm entsteht trotzdem“, erklärt Heldt. Dies sei jedoch, anders als mit dem Blick in eine schimmelige Waschmaschine im Bericht des SWR angedeutet, nicht allzu tragisch. Eine 60-Grad-Wäsche mit Vollwaschmittel einmal im Monat reiche bereits aus, um den Schmutz aus hygienischer Perspektive ausreichend zu entfernen. Auf diesem Wege wird nicht nur der fettige Film entfernt, sondern auch die unangenehmen Gerüche verschwinden.

          Weich geht auch anders

          Saubere Wäsche riecht, anders als es die Gewohnheit vermuten lassen mag, zunächst einfach nur neutral. Die aktiven Substanzen, die die Wäsche weich machen, bestehen aus kationischen Tensiden, die selbst keinen Einfluss auf den Geruch haben. Erst durch die hinzugegebenen industriellen Duftstoffe entsteht der frische Wäschegeruch. Bei der Auswahl dieser Duftstoffe lässt sich beim Hersteller laut Heldt bereits beeinflussen, wie sehr sich der Weichspüler auf Umwelt und Gesundheit auswirkt. Außerdem enthalten bereits herkömmliche Waschmittel Duftstoffe. Auch ohne die Hinzugabe von Weichspülern sollte die Wäsche also duften – wenn auch weniger stark.

          Das Fazit des Umweltexperten: „Lassen Sie den Weichspüler ganz weg.“ Wer nicht auf das kuschelig Weiche seiner Wäsche verzichten möchte, sollte entweder bereits beim Kauf der Produkte auf weiche Stoffverarbeitung achten, oder beim Wäschetrocknen aufpassen: Trocknet man seine Handtücher auf der Wäscheleine draußen im Wind, bleibt das Tuch weicher als bei einer Behandlung im Trockner. Auch ein winziger Schuss Essigsäure kann dabei helfen, die Wäsche etwas weicher zu machen. Aber Achtung: Zu viel Essigsäure greift die Waschmaschine an.

          Anmerkung der Redaktion

          In einer vorherigen Version des Artikels hatten wir geschrieben: „Herkömmliche Weichspüler bestehen hauptsächlich aus Schlachtabfällen.“ Nach weiteren Recherchen haben wir das berichtigt, weshalb nun in dem Artikel steht: „Herkömmliche Weichspüler bestehen zu einem großen Teil aus einem Inhaltsstoff, der aus Schlachtabfällen gewonnen wird.“ Das Verbraucheramt Nordrhein Westfalen teilte auf Nachfrage mit, dass der Hauptbestandteil von Weichspülern durchaus bis zu 70 Prozent aus Wasser bestehen kann. Bezogen auf die anderen Bestandteile – Wasser herausgerechnet – könnte die Angabe von 50 Prozent kationischer Tenside aus Schlachtabfällen dann durchaus realistisch sein, wie das Verbraucheramt mitteilte.

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