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Bedeutung von Testosteron : Sind Männer ihren Hormonen ausgeliefert?

Ist ein niedriger Testosteronwert in der Pubertät ein Problem, lässt sich das gut behandeln, und damit kennt sich Sabine Kliesch aus, die am Universitätsklinikum Münster die Abteilung für Klinische und Operative Andrologie leitet. Ob unerfüllter Kinderwusch, Hypogonadismus oder Erektionsstörungen: Patienten, die bei Kliesch und ihren Kollegen am Centrum für Reproduktionsmedizin und Andrologie Hilfe suchen, sind natürlich hormongesteuert wie alle Menschen, aber keine Getriebenen. Und sie können darauf hoffen, dass sie hier eine differenzierte Diagnose erhalten und nicht irgendein Pauschalurteil. „Testosteron erklärt nicht alle Facetten der Männlichkeit“, sagt Kliesch. Einen erwachsenen Mann prägten nicht nur seine Hormone, sondern auch entscheidend sein Umfeld.

Trotzdem gebe es heute Leitlinien und Grenzwerte, gut abgesichert durch die Studienlage. Was normal oder krankhaft erniedrigt ist, war lange umstritten, nun scheint es evident, dass bei einem gesunden Mann nach der Pubertät Werte von zwölf Nanomol Testosteron pro Liter Blut zu erwarten sind; zwischen acht und zwölf Nanomol besteht eine Grauzone, in der Beschwerden auftreten können. Unter dem Wert von acht Nanomol je Liter wird eine Therapie empfohlen, denn nicht alle Symptome sind so harmlos wie ein nachlassendes Lustgefühl. Das wäre ein Verlust, aber kein Gesundheitsrisiko.

So vielfältig Testosteron im Körper wirkt, so unspezifisch kann sich der Mangel zeigen: „Es gibt eine breite Palette von Symptomen, die Körper und Psyche beeinflussen können“, sagt Kliesch. Die Körperbehaarung nimmt ab, die Blutbildung verschlechtert sich, die Knochendichte schwindet, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Schlafmangel gehören zu den Folgen, Lustlosigkeit und Erektionsstörungen. Fragebögen helfen bei der Diagnose, doch es sind ausführliche Tests nötig, um herauszufiltern, was nicht stimmt, wenn ein erwachsener Mann im Laufe seines Lebens einen Mangel entwickelt.

„Ist der Testosteronhaushalt wieder ausgeglichen, könnten Diabetespatienten beispielsweise stark profitieren“, erklärt Sabine Kliesch. Der Zuckerhaushalt lasse sich dann besser einstellen. „Wenn ein Mangel besteht, dann sollte man auch eingreifen. Testosteron ist ein Hormon, das eben nicht nur für die Sexualität wichtig ist, sondern den Stoffwechsel breit beeinflusst.“ Das zeigt sich beispielsweise durch signifikanten Gewichts- und Fettverlust, was sich in mehreren Studien mit übergewichtigen Männern beobachten ließ, deren Testosteronmangel über längere Zeit therapiert wurde; auch ihr metabolisches Syndrom ließ sich schwächen. Effektiv und gut verträglich, so empfiehlt es ein emeritierter Professor für Urologie der Boston University School of Medicine in einer Review gar als Ergänzung für das Waffenarsenal im „War on Obesity“.

Den Körper mit 500 Milligramm täglich aufpeppen

Testosteron fördert Fettabbau und Muskelaufbau, und es wird auch immer wieder mit Aggressivität in Zusammenhang gebracht. Während eine überdosierte Schilddrüse einen Menschen tatsächlich aufputscht, ist diese Verbindung bei Testeron nach wie vor ungeklärt: „Es gibt zumindest keine Daten, die zeigen, dass ein Mann aggressiv wird, wenn er Testosteron bekommt“, sagt Kliesch und betont, dass von einem normalen physiologischen Blutspiegel die Rede sei, nicht von einer missbräuchlichen Anwendung etwa zum Doping. Zum Vergleich: Die Dosis, mit der ein Jugendlicher zur Unterstützung in der Pubertät behandelt wird, beträgt 250 Milligramm alle drei Wochen. Aus der Praxis weiß Sabine Kliesch, dass manche Männer ihren Körper mit 500 Milligramm täglich aufpeppen, das sei eine völlig andere Dimension. Die Betroffenen landen nicht selten als Patienten in ihrer Abteilung, denn der Anabolikamissbrauch mit Testosteron oder entsprechenden Derivaten schädigt die Hoden: „Sie kommen mit Potenzproblemen und weil sie unter Kinderlosigkeit leiden.“

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