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Tango Argentino : „Es ist wie in der Liebe: Man weiß nie, wie es ausgeht“

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Fällt es den deutschen Frauen schwer, beim Tango nur in der Position der Reagierenden zu sein?

Rocchietti: Ich glaube nicht, dass das eine Frage der Nation ist, sondern eine der Persönlichkeit. Wenn eine Frau alles kontrollieren will, ist das natürlich ein Problem.

Sotomayor: Frauen haben aber auch die Möglichkeit, die Vorschläge des Partners nicht anzunehmen.

Wie sieht das dann aus?

Sotomayor: Die linke Hand der Frau liegt auf dem rechten Oberarm des Mannes. Wenn er mehr Nähe vorschlägt, kann sie ihn mit Gegendruck auf Abstand halten.

Kommt es bei Paaren, die jenseits der Fläche zusammen sind, nicht zu Eifersucht, wenn die Partnerin im Arm eines Anderen liegt?

Rocchietti: In Argentinien ist der Tango so populär, dass das wirklich kein Problem ist. Jeder tanzt mit jedem. Ich tanze auch mit Männern, die meine Großväter sein könnten.

Auch bei der Milonga heute in Deutschland gibt es diese Konstellation. Felipe ist 73. Die Damen, mit denen er tanzt, sind deutlich jünger und mitunter größer. Auf der Fläche sind alle Altersgruppen vertreten. Der Risikomanager tanzt neben der Sozialpädagogin. Für Felipe, der einst aus Spanien nach Frankfurt kam, geht es darum, „verschiedene schöne Frauen glücklich zu machen“. Davon gibt es genug. Wie so oft beim Tanzen sind die Frauen in der Überzahl.

Welchen Tipp können Sie deutschen Frauen geben, um ihre Männer auf die Tanzfläche zu locken?

Rocchietti: (lacht und packt Sotomayor am Arm) Einfach mitnehmen.

Sotomayor: Das Problem gibt es in Argentinien auch. Ich denke, die meisten Männer kommen nicht von selbst auf die Idee, tanzen lernen zu wollen.

Wer lernt es im Zweifelsfall schneller? Mann oder Frau?

Sotomayor: Ab einem gewissen Punkt sind die Frauen im Vorteil. Die Rolle des Mannes ist komplizierter, weil er vorausdenken muss.

In Deutschland tanzen aus Männermangel mitunter auch zwei Frauen miteinander, wobei eine die Rolle des Mannes übernimmt. Ist das in Argentinien denkbar?

Rocchietti: Nein, in der argentinischen Gesellschaft spielt dazu das Machotum eine zu große Rolle. Wir sind da sehr konservativ. Die besondere Form der Umarmung zwischen Mann und Frau gehört auch zu Mann und Frau.

Wenn es beim Tango nicht um die Erotik geht und die Liebe nur drei Minuten hält: Wie kommt es, dass Sie vor sechs Jahren ein Paar wurden? Und das, nachdem Sie schon mehr als zehn Jahre miteinander getanzt hatten?

Rocchietti: Wir haben uns ja dann auch jenseits der Tanzfläche besser kennengelernt. Aber klar: Ohne das Tanzen wären wir wohl nie zusammengekommen, und wenn, hätten wir uns sicher schneller auseinanderentwickelt.

Und Eifersucht gibt es beim Tanzen wirklich nie?

Sotomayor: Natürlich gibt es Grenzen, aber die sind klar. Darüber müssen wir nicht sprechen.

Rocchietti: Wenn Silvio nun einer Frau immer näher käme und seine Hand dann an ihr Gesäß wandern würde . .. (lacht) - klar, dann würde ich ihm schon mit der Flasche eins über den Kopf ziehen.

Während bei der Milonga noch die Letzten die Nacht betanzen, steht ein paar Straßen weiter ein Tangopaar schon an der Kreuzung. Zwei Fahrräder, eine eifrige Unterhaltung. Vielleicht der Beginn von Minute vier.

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